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Das Auto wird multimedial.

Hersteller sammeln Daten

Was Ihr Auto über Sie weiß

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Autos müssen heute nicht mehr nur flott und schick, sondern auch intelligent sein. Mittlerweile haben sie ein gutes Gedächtnis.

Denn die rollenden Computer von heute speichern nach einer Untersuchung des ADAC eine unermessliche Vielfalt von Daten. Die lassen einige Rückschlüsse auf die Benutzung dieses Fahrzeuges zu: Wenn etwa die Sitzposition häufig verändert wird, fahren mehrere Fahrer. Und Renault kann bei dem Elektroauto Zoe sogar den Ladevorgang per Mobilfunk unterbrechen – etwa wenn der Kunde seine letzte Rate nicht bezahlt hat. Werklärt, wie Autos Daten sammeln:

Welche Daten sammeln die Autokonzerne? „Hier halten sich die Hersteller sehr bedeckt“, ärgert sich ADAC-Sprecherin Katja Legner im tz-Gespräch. Deshalb hat der Automobilclub einzelne Modelle getestet. Da diese Tests äußerst kostspielig sind, handelt es sich um Stichproben, die aber einen Eindruck vermitteln. Die erhobenen Daten reichen vom Fahrverhalten über die Häufigkeit der Gurtstraffung – die auf eine aggressive Fahrweise hindeuten kann – bis zur Nutzung des CD-Spielers.

Renault Zoe.

Was wollen die Hersteller mit diesen Daten? Das liegt derzeit im Dunklen. „Darüber werden die Verbraucher nicht aufgeklärt“, schimpft Katja Legner. Auch hätten sie keine Möglichkeit der Datensammelwut zu widersprechen. Die mögliche Nutzung ist vielfältig: Etwa Apps, die das geparkte Auto in einer fremden Stadt wiederfinden. Über das Navigationsgerät könnten dem Fahrer bei einer Fahrt nach Hamburg aber auch Musical-Karten angeboten werden. Durch die Nutzung von Daten zur Benutzung der Multimediaanlage können die Hersteller erkennen, welche Angebote besonders genutzt werden. Es lassen sich aber auch sehr konkrete Fahrprofile erstellen.

Müssten die Versicherungen nicht besonders interessiert an diesen Daten sein? In der Tat. „Bis jetzt ist es so, dass die Fahrzeuge zu einem Service-Center des Herstellers kommunizieren“, so Burkhard Böttcher von der ADAC-Technikabteilung im Gespräch mit der tz. Für den ein oder anderen Hersteller könnte es durchaus interessant sein, die Daten an Versicherungsunternehmen weiterzuverkaufen.

BMW i3.

Wie kann man erkennen, ob das eigene Auto über das Internet kommunizieren kann? „Im Auto muss eine Sim-Karte verbaut sein“, erklärt Böttcher. „Die Sim-Karte liegt meist im Steuergerät, da kommt der normale Autofahrer nicht dran“, so Böttcher. Die Hersteller handhaben die Information darüber, ob das Auto Daten überträgt, sehr unterschiedlich. „Einige informieren die Kunden, manchmal muss der Fahrer auch eine Einverständniserklärung unterzeichnen. Das tun aber nicht alle Hersteller“, weiß Böttcher.

Wie üblich ist diese Technik in modernen Autos? „In Zukunft werden alle Autos eine Sim-Karte haben, weil alle Fahrzeuge mit dem neuen E-Call-System ausgestattet sein müssen“, erklärt Böttcher. Dabei handelt es sich um ein automatisches Notrufsystem, das spätestens 2018 in der EU Pflicht wird. Ein Hinweis auf eine Internetverbindung des Autos sind etwa fortlaufende Aktualisierungen der Karten im Navigationssystem.

Sammeln ältere Fahrzeuge keine Daten? Doch, sie können aber nur in der Werkstatt ausgelesen werden.

Wer trägt die Kosten für die Datenübertragung? Zunächst der Hersteller. Einige Autobauer wollen diese Kosten aber an die Kunden weitergeben. Böttcher: „Der neue Opel hat eingebaute Kommunikationsmöglichkeiten. Die sind im ersten Jahr kostenfrei, danach müssen die Kunden eine jährliche Pauschale zahlen.

M. Kniepkamp

Renault Zoe

  • Das Aufladen der Antriebsbatterie kann via Mobilfunkverbindung jederzeit unterbunden werden.
  • Renault kann via RemDiag beliebige Informationen vom CAN-Datenbus des Fahrzeugs via Mobilfunkverbindung mitlesen. Diese Ferndiagnose ist standardmäßigmäßig ausgeschaltet, kann aber vom Hersteller jederzeit aktiviert werden.
  • Bei jeder Fahrt, spätestens jedoch alle 30 Minuten, wird ein Datenpaket an Renault gesendet, das mindestens enthält: VIN, diverse Seriennummern, Datum, Uhrzeit, GPS-Position, Temperatur, Ladung und Zellspannung der Hochvolt-Antriebsbatterie.
  • Neben den fest einprogrammierten Funktionen der Kommunikation können diese Funktionen via Mobilfunkverbindung beliebig erweitert werden.

BMW i3

  • Inhalt der Fehlerspeicher wird übertragen.
  • Detaillierte Daten der Antriebsbatterie (Ladezustand, Zelltemperaturen usw.)
  • Intermodale Verbindungspunkte (an denen in andere Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn umgestiegen wurde).
  • Gewählter Fahrmodus (ECO/ECOPLUS/SPORT).
  • Einsatzdaten des benzingetriebenen Reichweiten-Verlängerers.
  • Wie oft wurde der Ladestecker eingesteckt.
  • Wie und wo wurde geladen (schnell, teilweise usw.), wie stark war die Antriebsbatterie zuvor entladen worden.
  • Kilometerstand bei verschiedenen Bedienvorgängen wie Laden.
  • Qualität der Ladespannung
  • Position der 16 zuvor benutzen Ladestationen.
  • Rund 100 letzte Abstellpositionen des Fahrzeugs (nur aus dem Steuergerät auslesbar).

BMW 320d

  • Erreichte Maximal-Drehzahl des Motors mit jeweiligem Kilometerstand.
  • Anzahl der Fahrtstrecken zwischen null und fünf, fünf und 20, 20 und 100 sowie über 100 Kilometer werden erfasst.
  • Dauer, wie lange der Fahrer in verschiedenen Modi des Automatikgetriebes (Dauer/Manuell/Sport) unterwegs war.
  • Betriebsstunden der Fahrzeugbeleuchtung, getrennt nach einzelnen Lichtquellen.
  • Zahl der Verstellvorgänge des elektrischen Fahrersitzes.
  • Anzahl der eingelegten Medien des CD-/DVD-Laufwerks.
  • Zahl der elektromotorischen Gurtstraffungen, etwa aufgrund starken Bremsens.

Mercedes B-Klasse

  • Alle zwei Minuten werden die GPS-Position des Fahrzeugs sowie Statusdaten an das Mercedes-Back­end übertragen (z. B. Kilometerstand, Verbrauch, Tankfüllung, Reifendruck und Füllstände von Kühlmittel, Wischwasser oder Bremsflüssigkeit).
  • Zahl der elektromotorischen Gurtstraffungen wird gespeichert, etwa aufgrund starken Bremsens.
  • Fehlerspeicher-Einträge werden teilweise mit Informationen über zu hohe Motordrehzahl oder -temperatur unterlegt.
  • Gefahrene Kilometer auf Autobahnen, Landstraßen und in der Stadt werden getrennt gespeichert.
  • Betriebsstunden der Fahrzeugbeleuchtung werden gespeichert.
  • Die letzten 100 Lade- und Entladezyklen werden mit Uhrzeit und Datum sowie Kilometerstand gespeichert.

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