Hochpräzises Rennspielzeug

München - Wer Porsche sagt, meint in der Regel den 911. Eine Steigerung wäre der Über-Porsche. Und auch den gibts neuerdings aus Zuffenhausen. Die Rede ist von der derzeit sportlichsten Ausgabe mit dem Kürzel GT2, die die Form des Rundstreckensportlers GT3 mit der leistungsgesteigerten Technik des Turbos, aber ohne dessen Allradtechnik verknüpft. Wobei der GT2 mit seinen 530 PS den Turbo an Power deutlich übertrifft.

Die Kombination aus noch mehr Leistung, aber weniger Fahrhilfen und reinem Heckantrieb macht den GT2 zu einem faszinierenden Spielzeug für betuchte Hobby-Racer, die dafür ab sofort satte 189 456 Euro an Porsche überweisen können. Äußerlich unterscheidet sich der GT2 vom normalen Turbo und vom GT3 durch den großen Heckflügel, die drei markanten Kühlöffnungen im Frontspoiler sowie die zusätzliche Abluftöffnung an der Nase.

Die Form folgt hier klar der Funktion: Der leistungsgesteigerte 3,6-l- Turbo im Heck braucht mehr Kühlung, der Luftdurchsatz dazu muss extra abgeführt werden, und um das Auto auch im Hochgeschwindigkeitsbereich stabil zu halten, ist der große Spoiler nötig. PSM, die Porsche- Version des elektronischen Antischleuderprogramms, ist erstmals mit an Bord, lässt sich aber auch abschalten. Unter der Haube haben die Techniker die Fahrwerksgeometrie vor allem an der Vorderachse optimiert, um dem Auto noch mehr Agilität zu verleihen als dem GT3.

Das Ergebnis zeigt sich schon in den Messwerten: In rekordverdächtigen sieben Minuten und 32 Sekunden umrundete Porsche-Ikone Walther Röhrl mit dem GT2 die Nürburgring Nordschleife mit serienmäßigen Reifen und eingeschaltetem PSM. Aber auch unsereins erlebt den GT2 als hochpräsizes Rennspielzeug, das Kurvenradien mit chirurgischer Präzision seziert und bei vollem Leistungseinsatz weich und berechenbar einen kecken Hüftschwung wagt. Dass der GT2 auf der Autobahn notfalls mit 329 Sachen dahin jagt, ist für den Fahrspaß ebenso akademisch wie die Beschleunigung auf Tempo 100 in nur 3,7 sek. Wichtiger ist die Präzision, mit der das Fahrzeug auf jeden Fahrerwunsch reagiert.

Die Schaltung rastet äußerst exakt ein, will aber, wie auch die Kupplung, mit Nachdruck betätigt werden. Dabei kann man beides im Autoalltag fast vernachlässigen, weil das Drehmoment von 629 Nm bereits ab 2200 Touren anliegt und so immer mehr als genug Power da ist. Apropos Alltag: Porsche hat dem GT2 ein ordentliches Maß an Komfort anerzogen. Der Wagen hat trotz aller Straffheit ausreichenden Federungskomfort. Zudem sind die Sportschalensitze, erstmals mit Klapplehne, auch für breitere Hinterteile als die von Normrennfahrern ausgelegt. Denn erstens ist der durchschnittliche GT2-Käufer schließlich mit 48 Jahren kein Jungspund mehr und zweitens gibt es ohnehin keine Rennserie, in der dieser Turbosportler zugelassen wäre. So bleibt der stärkste Turbo ein hochpräzises und leider auch entsprechend teures Rennspielzeug.

OSW.

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