Hochwasserschäden am Auto

- Verwüstete Landschaften, zerstörte Häuser und immer wieder überflutete Autos prägen derzeit die Bilder aus den Hochwassergebieten in Ostdeutschland. "Wir gehen von mehreren tausend beschädigten Autos aus", sagt Joachim Otting, Bereichsleiter Gutachten bei der Sachverständigen-Organisation Dekra in Stuttgart.

Neben unzähligen anderen Widrigkeiten stellen gerade die verschmutzten und durchnässten Fahrzeuge die Hochwasseropfer vor Probleme. Zwar kommt in der Regel die Kaskoversicherung für die Schäden auf. Doch wer hofft, dass sich die Karosse mit Werkstatthilfe schnell wieder in Schwung bringen lässt, wird häufig enttäuscht sein.<BR><BR>Rein technisch ist es kaum ein Unterschied, ob ein Auto bis zum Dach oder nur bis zur Scheibenunterkante im Wasser stand. "Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Auto verloren ist, wenn es bis zur Oberseite des Armaturenbrettes unter Wasser war", sagt Manfred Groß, Technikberater des ADAC in München. Zwischen Dach und Armaturenbrett gebe es vergleichsweise wenig, das kaputt gehen kann.<BR><BR>Die Probleme liegen im Wortsinne tiefer: Schließlich ist viel empfindliche Elektronik im Bereich der Armaturen untergebracht. Die diversen Aggregate und Steuergeräte im Motorraum sind laut ADAC-Experte Groß zwar gut gegen Spritzwasser geschützt. Ihre Abdichtung dürfte einer längeren Überflutung aber kaum standhalten. Wichtigen Bauteilen wie einem ABS-Steuergerät oder der Elektronik des Airbags sind Schäden womöglich kaum anzusehen _ wenn sie jedoch durch Wasser beschädigt sind, kann dies schwerwiegende Folgen haben.<BR><BR>"Die Elektronik ist das größte Problem", sagt auch Maria Kalina, Pressereferentin der Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn. Daher können die möglichen Probleme bei älteren Fahrzeugen ohne viele elektronische Extras geringer ausfallen als bei einem hochaktuellen Modell.<BR><BR>Dekra-Gutachter mussten bei ersten Einsätzen im Hochwassergebiet sogar bereits erfahren, dass die Elektronik in Verbindung mit Wasser gefährlich werden kann: "In einigen Fällen kam es zu unkontrollierten Airbagauslösungen, als Gutachter zum Ablesen des Kilometerstandes die Zündung einschalteten", sagt Joachim Otting. Er warnt daher davor, bei überfluteten Autos die Zündung einzuschalten.<BR><BR>Selbst wenn der Wagen nur bis zur Türunterkante im Wasser stand, ist es nicht damit getan, das Nass aus dem Innenraum zu schöpfen und den Teppich zu trocknen. "Auch im unteren Bereich des Fahrzeugs können Kabel verlegt sein", warnt Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart. Mehr noch: Laut ADAC überstehen auch Radlager, Antriebswellen oder Lenkgetriebe ein Wasserbad nicht unbeschadet. Auch sicherheitsrelevante Teile wie die Umlenkrollen der Sicherheitsgurte könnten in Mitleidenschaft gezogen worden sein.<BR><BR>Die Experten empfehlen, wegen der vielen möglichen Beschädigungen nichts selbst an dem Fahrzeug zu reparieren. "Zuerst sollte man den Schaden melden und sich dann mit dem Versicherer besprechen, was zu tun ist", sagt Stephan Schweda, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Zur Bemessung des Schadens sollte ein unabhängiger Gutachter hinzugezogen werden.<BR><BR>Ein Fehler wäre es, in der Wartezeit auf eigene Faust zu versuchen, den womöglich ebenfalls mit Wasser gefüllten Motor zu starten. "Dabei kann es zum so genannten "Wasserschlag" kommen, der zum Motorschaden führt", sagt Joachim Otting von der Dekra. Bei einem Startversuch würden die Kolben im Motor versuchen, das Wasser zusammenzudrücken _ doch Wasser ist nicht komprimierbar. Die Folgen sind schwere Schäden an Kolben, Pleuel oder der Kurbelwelle zusätzliche Schäden, für die Versicherungen kaum aufkommen würden.<BR><BR>Zu beachten ist im Hinblick auf die Versicherung auch, dass die Wasserschäden nicht in jedem Fall gedeckt sind. Denn grundsätzlich heißt es, dass die Schäden nicht grob fahrlässig herbeigeführt werden dürfen. "Das gilt zum Beispiel, wenn jemand seinen Wagen hinter einem Deich stehen lässt, der schon aufgegeben wurde", sagt Stephan Schweda. Dann nütze auch die beste Versicherung nichts. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rasern drohen künftig deutlich härtere Strafen
Manche Autofahrer mögen es sehr schnell und veranstalten illegale Rennen. Ein neues Gesetz soll solche Temposünder das Fürchten lernen. Denn es drohen nicht nur …
Rasern drohen künftig deutlich härtere Strafen
Vernetzt in die Zukunft: Erfahrungen mit dem Kymco AK 550i
Im Automobilbereich entlockt das Stichwort "Connectivity" kaum mehr als ein müdes Lächeln. Bei den motorisierten Zweirädern ist nun Kymco mit dem neuen AK 550i am Start, …
Vernetzt in die Zukunft: Erfahrungen mit dem Kymco AK 550i
Rasern droht künftig Auto-Beschlagnahmung und Gefängnis
Mit Tempo 150 durch die Stadt und dann nur einen Monat Fahrverbot? Das wird sich ändern: Teilnehmer an illegalen Autorennen riskieren künftig bis zu zwei Jahre Knast.
Rasern droht künftig Auto-Beschlagnahmung und Gefängnis
Autodiebstahl: Polizei und Versicherung sofort informieren
Das Auto ist verschwunden - da ist der erste Schreck meist groß. Doch was ist zu tun, wenn es wirklich gestohlen worden ist? Und was können Autofahrer tun, um den Dieben …
Autodiebstahl: Polizei und Versicherung sofort informieren

Kommentare