+
Auf der A81 nahe der Schweizer Grenze kommt es häufig zu illegalen Autorennen.

Strecken ohne Tempolimit 

Illegale Autorennen locken Raser über die Grenze

Illegale Autorennen sind auf deutschen Autobahnen ein Problem. Gerade auf Strecken ohne Tempolimit in Grenznähe sind Raser unterwegs. Schweizer, aber auch Chinesen liefern sich hierzulande Wettfahrten.

Der Ablauf ist meist der gleiche: Zwei, drei oder mehr Autos bremsen auf der Autobahn nebeneinander ab. Sie gehen auf 60 oder 70 Stundenkilometer runter - und geben dann plötzlich Gas. „Sie testen, wer schneller ist“, sagt Peter Hauke vom Polizeipräsidium in Konstanz. Illegale Autorennen sind in.

Nicht nur in Großstädten, sondern auch auf den Autobahnen in der Grenzregion zur Schweiz. 2015 hat die Polizei mehrere Dutzend Anzeigen wegen Beteiligung an solchen Rennen erstattet. In etwa 30 Fällen wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet, in zehn Fällen ein Strafverfahren, weil Unbeteiligte gefährdet wurden. Die Dunkelziffer könnte aus Sicht der Beamten aber noch deutlich höher sein.

Genaue Statistiken gibt es nicht. Zur Nationalität der Fahrer oder zur Aufklärungsrate könne man daher nichts Genaues sagen, erklärt ein Sprecher des Innenministeriums von Baden-Württemberg. Die Behörden unterschieden bei den Rennen jedoch zwischen spontanen Aktionen und Verabredungen mit hohem Organisationsgrad.

Es gebe sogar Rennen wie das „Gumball 3000“ oder den „Cannonballrun“, die in der Regel über das Internet organisiert würden und durch mehrere europäische Länder führten. Um mitzumachen müssten die Teilnehmer sogar Gebühren oder Startgeld zahlen, heißt es beim Ministerium. Da die Rennen im Netz veröffentlicht würden, werde eine Vielfalt von Nationalitäten angezogen.

Grenzregion für Autorennen beliebt

Laut Polizei in der Grenzregion kommen die Fahrzeughalter bei illegalen Rennen oft aus der Schweiz - sie nutzten aus, dass es in Deutschland kein generelles Tempolimit gebe.

So gab es etwa Anfang November eine Wettfahrt von Eidgenossen auf der A98 bei Stockach. Sechs Autos hätten sich mehrfach formiert, den Verkehr auf der Autobahn bis zum Stillstand ausgebremst und dann massiv beschleunigt, heißt es im Polizeibericht. Die Beamten konnten die Teilnehmer des Rennens am Grenzübergang festhalten - sie mussten eine Kaution hinterlegen und erhielten unter anderem eine Strafanzeige wegen Nötigung im Straßenverkehr.

Eine deutlich weitere Anreise hatten 36 Chinesen, die sich im Juni ein illegales Rennen zwischen Isny und Wangen lieferten - allerdings auf einer Bundesstraße. Mit gemieteten Autos rasten sie über Sperrflächen und überholten trotz Verbots und Gegenverkehr vorausfahrende Fahrzeuge. „Ein Autofahrer fühlte sich von den rücksichtlosen Fahrern im Alter von 26 bis 51 Jahren so sehr bedrängt und gefährdet, dass er an einer Bushaltestelle anhielt und die Raser vorbeifahren ließ“, heißt es im Bericht. Die Beamten bremsten die elf Autos schließlich. Die Insassen seien nur widerwillig bereit gewesen, eine Sicherheitsleistung von 200 Euro zu bezahlen.

Was die Ermittlungen für die Beamten schwierig macht: Oftmals fehlen Zeugenhinweise. Nur wenige meldeten sich bei der Polizei, sagt Hauke. Einen Erfolg verzeichnete die Polizei aber in Weil am Rhein. Dorthin hatten Schweizer Auto-Tuner ihren Sitz von Basel aus verlegt.

Intensive Kontrollen hätten aber dazu geführt, dass die Szene inzwischen nicht mehr vor Ort aktiv sei, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg. Beispielsweise werde an den entsprechenden Autobahnabschnitten der Geräuschpegel gemessen, es gebe Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachungen. Außerdem prüften die Beamten die rechtlichen Möglichkeiten zur Übermittlung der Verstöße an die Schweiz. „Vereinzelt wurden auch schon Fahrzeuge beschlagnahmt, um weitere Rennen zu verhindern.“

Kuriose Blitzer-Bilder: Die verrücktesten Radarfotos

Von Kathrin Drinkuth, dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wagenheber: Qualität zahlt sich aus - und hat ihren Preis
Für die meisten Arbeiten am eigenen Auto wird ein Wagenheber benötigt. Wer hier auf Qualität achtet, wird belohnt. Denn Ausstattung und Komfort der Modelle gehen oft …
Wagenheber: Qualität zahlt sich aus - und hat ihren Preis
Diese Rollerfahrt nimmt ein bestürzendes Ende
Für einen Rollerfahrer in der chinesischen Großstadt Beihai nahm die abendliche Fahrt ein jähes Ende - denn vor ihm tat sich wortwörtlich der Boden auf.
Diese Rollerfahrt nimmt ein bestürzendes Ende
Mit dieser schrägen Ansage verteidigt ein Autofahrer sein Revier
Bei diesem Autofahrer weiß man, woran man ist - und wobei man sich besser in Acht nehmen sollte. Das zeigt eine Aufschrift, die er an sein Auto geklebt hat.
Mit dieser schrägen Ansage verteidigt ein Autofahrer sein Revier
Gefahr durch Hitze: Notfalls beim Auto Scheibe einschlagen
Bei hohen Außentemperaturen kann es im Innenraum eines Autos sehr heiß werden. Wer sich darin aufhält, kann einen Hitzschlag erleiden. Daher sollten Passanten zu …
Gefahr durch Hitze: Notfalls beim Auto Scheibe einschlagen

Kommentare