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Form folgt Funktion: Die chromblitzende Teleskopantenne ist längst schnöderen, aber auch kleineren Modellen aus Kunststoff gewichen. Foto: Andrea Warnecke

Immer auf Empfang: Auto-Antennen müssen mehr leisten

Auto-Antennen sind in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden. Inzwischen werden die notwendigen Empfangsdrähte sogar unsichtbar in Scheiben oder Spiegeln verbaut. Dabei sind die Anforderungen an die Technik deutlich gestiegen.

Berlin (dpa/tmn) - Lange Jahre war die klassische Stabantenne das Symbol für Radioempfang im Auto. Wer es sich leisten konnte, verbaute gerne die Automatikvariante, die sich selbstständig beim Einschalten des Radios in die Luft bohrte. Daneben erlangte der silbern glänzende Empfangsstab als Halterung für den legendären Fuchsschwanz eine Berühmtheit.

Heute sieht man die langen Teleskopantennen nur noch bei älteren Fahrzeugen, denn die Empfangstechnik ist mittlerweile so weit, dass deutlich kürzere Bauformen ausreichen. "Die Antennen selbst sind empfindlicher geworden, und die Elektronik dahinter ermöglicht es, mit kleinen Empfängern auszukommen", erläutert Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu).

Dabei müssen Antennen sogar deutlich mehr können. "Die langen Stäbe waren nur für den Radioempfang, die kleinen 'Pickel' sind Antennensysteme auch für Mobilfunk und Navigation", sagt Michael Heise, Geschäftsführer von Kathrein Automotive, und meint die auch als "Haifischflossen" bezeichneten Erhebungen auf vielen Autodächern.

"Aus technischer Sicht gilt grundsätzlich, dass eine Antenne optimal funktioniert, wenn ausreichend Platz vorhanden ist", sagt Heise. Den suchen und finden die Automobilhersteller zunehmend an Stellen, an denen die Antenne mehr oder weniger unsichtbar verbaut werden kann, beispielsweise als Scheibenantenne. Dank neuer Technologien und Materialien gibt es auch Systeme, die in die Spiegelgehäuse integriert werden. Genutzt werden für den Radioempfang auch die Heizdrähte der Heckscheibenheizung.

Der UKW-Empfang ist dabei nur ein Teil des Anforderungsprofils. "Wir kommunizieren heute über deutlich mehr Frequenzbereiche mit hoch differenzierten Funktionen: Neben dem klassischen Radio habe ich heute UMTS- oder gar LTE-Netz-taugliche Telekommunikationssysteme an Bord", erläutert Josef Schloßmacher von Audi. WLAN-Netze im Auto seien heute bereits Realität. Auch der Fernsehempfang ist über die integrierten Antennen möglich.

Daneben sind viele Fahrzeuge ab Werk für den Digitalradio-Standard DAB-T vorbereitet, für dessen Empfang eine Antenne für UKW oder Mittelwelle nicht ausreicht. Der Vorteil für den Autofahrer liegt in einem Plus an Informationen, denn neben Musik und Sprache können über das DAB-T auch Infos etwa über Verkehrsbehinderungen oder andere aktuelle Ereignisse übertragen werden.

Die Digitalisierung sorgt dafür, dass der Grad der Vernetzung im Auto noch weiter ansteigen wird und damit auch die Anforderung an die Antennen. "Anwendungen für die Fahrzeugvernetzung 'Car-to-car' oder 'Car-to-Infrastructure' setzen bereits auf neue Frequenzbereiche", weiß Heise. Die Antennen selbst müssen darauf abgestimmt werden und decken damit immer größere Bereiche ab. "Zusätzlich ermöglichen die neuen Telefonfrequenzen für 4G (LTE) und zukünftig auch 5G weitere Dienste für Fahrzeuge in der vernetzten Welt", so Heise.

Konkrete Anwendungsgebiete für die Kommunikation via Antenne zwischen zwei Fahrzeugen sieht Audi-Mann Schloßmacher beispielsweise bei der Sicherheit im Straßenverkehr: "Kommt ein Fahrzeug auf einer Eisplatte ins Rutschen, kann es nachfolgende Verkehrsteilnehmer vollautomatisch über die Gefahr warnen. Diese erhalten dann einen Hinweis direkt in ihre Navigationssysteme eingespielt."

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