30 Jahre Volkssport

- Es begann als eine Schnapsidee, die inzwischen zur Legende geworden ist. Ein paar unerschrockene Versuchsingenieure von Volkswagen, so wird erzählt, hätten sich bei Bier und belegten Semmeln den Kopf darüber zerbrochen, wie der doch etwas biedere Golf zu einem sportlicheren Auftritt komme.

Es entstand ein automobiler Meilenstein, der inzwischen über 1,5 Millionen Mal gebaut wurde, ein Meilenstein, der bezahlbare Sportlichkeit für jedermann neu definierte.

Was dann, nachdem alle Widerstände der Bedenkenträger in den Chefetagen erfolgreich überwunden waren, vor 30 Jahren zu den VW-Händlern rollte, war schlichtweg sensationell. Auf der IAA 1975 hatte der GTI Premiere gefeiert, die ursprünglich auf 5000 Exemplare limitierte Sonderserie war, als die ersten der kantigen Sportler Mitte 1976 ausgeliefert wurden, längst ausverkauft. Ein 1,6-Liter-Einspritzmotor mit 110 PS Leistung in einem knapp 900 Kilogramm leichten Auto war ein Kracher.

Volkswagen glaubte zwar nicht so recht an den Erfolg, vermied aber die Fehler der Konkurrenz und verpackte den GTI in eine relativ dezent-sportliche Hülle. In Verbindung mit den damals sensationellen Fahrleistungen -Spitze 182 km/h und eine Beschleunigung von neun Sekunden auf Tempo 100 -und zu einem für die Verhältnisse in jenen Jahren günstigen Preis von 13 850 Mark war der Grundstein für den Erfolg gelegt. 

Wer jemals von einem beispielsweise 55-PS-Durchschnittsgolf hinters GTI-Lenkrad wechseln durfte, erlebte ein Fahrgefühl mit Beschleunigungswerten, die man allenfalls in reinrassigen Sportwagen vermutet hatte. Und die zu steuern, war Privilegierten vorbehalten geblieben. Doch jetzt gab es den Sportler fürs Volk. Bezahlbar und sauschnell, der der etablierten Automobilwelt nur allzuoft den unauffälligen Hintern zeigte. Das machte Laune und wirbelte Hierarchien durcheinander.

Die Wolfsburger erkannten schnell das wirtschaftliche Potenzial und bauten fortan fleißig GTIs. Doch sie schauten zu sehr nur auf mögliche Verkaufserlöse und vergaßen die ursprüngliche Idee. War die zweite Auflage des GTI noch Katalysatorbedingt etwas schwächer, steigerte sich die Leistung beim Golf III GTI zwar auf 130 PS, doch gleichzeitig wurde das Auto dicker und dicker und der Grundgedanke -sportlich und leicht -geriet immer weiter ins Hintertreffen. Beim Golf IV war der GTI schließlich zur Ausstattungsvariante degeneriert und meilenweit von der spektakulären Sportlichkeit des Ur-GTI entfernt. 

Erst mit dem aktuellen GTI, der im Herbst 2004 debütierte, besann sich Volkswagen wieder auf seine Wurzeln. Der 200 PS starke und 235 km/h schnelle GTI ist nun wieder ein echter Brenner, ein kompakter Sportler, dem man die Nordschleifen-Testkilometer auch wirklich glaubt, und kein weichgespülter, familientauglicher Kompaktwagen, sondern ein frecher, schneller, starker GTI. Mit 24 775 Euro Grundpreis gewiss kein Schnäppchen mehr, aber endlich wieder ein Volkssportler, der richtig zubeißen kann.

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