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In der neuen Mercedes E-Klasse passt ein Müdigkeitswarner auf.

Kampf dem Sekundenschlaf

Bislang dachten Sie immer, Sie sitzen allein in Ihrem Mercedes. Denkste! Um Sie herum lauern nämlich etliche Assistenten, die nur darauf warten, dass Sie einen Fehler machen, damit sie dann eingreifen können. In der neuen E-Klasse, die im Frühjahr startet, gibt es wieder ein paar wichtige mehr.

So warnt etwa eine ausgeklügelte Müdigkeitserkennung rechtzeitig vor dem gefährlichen Sekundenschlaf. Der sogenannte Attention Assist kann nämlich die Ermüdung des Fahrers schon im Ansatz erkennen und fordert ihn auf, rechtzeitig Pause zu machen. Das System gehört zur Serienausstattung der neuen E-Klasse und dann auch der S-Klasse.

Bei Langstreckenfahrten in der Dunkelheit oder unter gleichbleibenden Bedingungen und langen Geradeausfahrten ist das Risiko des Sekundenschlafs am größten. Untersuchungen zeigen, dass sich die Reaktionszeit schon nach vier Stunden Nonstop- Fahrt um 50 Prozent verlängern kann. Das Unfallrisiko verdoppelt sich nach einer solchen Fahrzeit, und nach sechs Stunden steigt es sogar um über das Achtfache an.

Der Attention Assist beobachtet das Fahrverhalten des Lenkers und erstellt zu Beginn jeder Fahrt ein individuelles Fahrerprofil, das ständig mit aktuellen Sensordaten verglichen wird. Diese permanente Beobachtung ist wichtig, um den gleitenden Übergang des Fahrers vom Wachzustand zur Ermüdung zu erkennen und den Autofahrer rechtzeitig warnen zu können. Neben der Geschwindigkeit, der Längs- und Querbeschleunigung erfasst das System zum Beispiel auch Lenkradbewegungen, Blinker- und Pedalbetätigungen sowie bestimmte Bedienhandlungen und äußere Einflüsse wie Seitenwind oder Fahrbahnunebenheiten.

Als besonders aussagekräftig hat sich die Beobachtung des Lenkverhaltens erwiesen. Denn ein übermüdeter Autofahrer hat Mühe, die Spur präzise einzuhalten. Er macht kleinere Lenkfehler, die oft schnell und in charakteristischer Weise korrigiert werden. Intensive Tests mit über 550 Fahrern zeigten, dass dieser Effekt bereits in einer frühen Phase der beginnenden Müdigkeit auftritt - in der Regel oft vor dem gefährlichen Sekundenschlaf.

Auf Basis dieser Daten ermittelt der Assistent während der ersten Minuten jeder Fahrt ein individuelles Verhaltensmuster, das in dem elektronischen Steuergerät des Fahrzeugs ständig mit dem aktuellen Lenkverhalten und der jeweiligen Fahrsituation verglichen wird. So kann das System typische Indikatoren für Übermüdung erkennen und den Autofahrer warnen. Dies geschieht durch ein akustisches Warnsignal und eine Displayanzeige im Kombi- Instrument, die dem Fahrer den unmissverständlichen Rat gibt: „ATTENTION ASSIST. Pause!“

Radartechnik warnt den Fahrer in der neuen E-Klasse und in der S-Klasse aber nicht nur vor einem drohenden Auffahrunfall, sie kann ihn auch bei Notbremsungen unterstützen. Die Sensoren sind mit dem Bremsassistenten vernetzt, der bei Gefahr automatisch den Bremsdruck berechnet, um die Kollision zu verhindern.

Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnhinweise des Bremsassistenten, greift die Pre-Safe- Bremse ein und bremst das Auto selbsttätig ab: Etwa 1,6 Sekunden vor dem berechneten Unfall nimmt das System eine autonome Teilbremsung vor und verzögert den Wagen mit rund 40 Prozent der maximalen Bremsleistung.

In der neuen E-Klasse und dann in der S-Klasse bietet dieses Sicherheitssystem aber noch eine weitere wichtige Funktion: Handelt der Fahrer auch nach der automatischen Teilbremsung nicht, aktiviert die Pre-Safe-Bremse rund 0,6 Sekunden vor dem unvermeidbaren Aufprall die maximale Bremsleistung und kann dadurch die Unfallschwere deutlich vermindern. So wird beispielsweise ein Auto, das mit 50 km/h ungebremst in ein Hindernis krachen würde, durch diese Notbremsung noch auf 35 km/h runterverzögert. So wirkt das System quasi wie eine elektronische Knautschzone.

osw.

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