Klimawechsel erzwingt neue Supersportwagen: Rasen ohne Reue

München - Supersportler fahren schwierigen Zeiten entgegen. Denn Besserverdiener kaufen zwar mehr teure Autos denn je. Doch weht den Herstellern in Zeiten der Klimadiskussion jetzt ein harter Wind entgegen. Was jedoch dagegen tun? Die etablierten Unternehmen wappnen sich mit dem Einsatz neuer Materialien und Technologien für Karosserie und Antrieb. Und am Horizont tauchen als experimentelle Kleinserien umweltfreundliche und emissionsfreie PS-Protze auf, quasi die Vorboten einer neuen Generation.

Wie der Sportwagen der Zukunft aussehen könnte, hat Ferrari zum 60. Firmenjubiläum mit der Studie Millechili gezeigt. Der nicht fahrbereite Ideenträger ist laut den Angaben aus Maranello bei einer Länge von 3,88 m ein gutes Stück kleiner und mit einem Gewicht von 1000 kg ein Drittel leichter als das Topmodell Enzo.

Ein kleineres Format allein reicht aber nicht. Um den Verbrauch zu senken, ist generelles Downsizing angesagt. Mit einer Kombination aus Aufladung und Direkteinspritzung lässt sich der CO2-Ausstoß ohne Leistungseinbußen um immerhin 15 Prozent senken. Und auch Stichworte wie Bio-Ethanol oder Hybrid dürfen keine Tabus mehr sind. Schließlich fordert auch die Formel 1 demnächst eine Energierückgewinnung.

Lamborghini-Entwicklungschef Reggiani ist ebenfalls überzeugt, dass man etwas ändern müsse, wenn die Sportwagen überleben sollen. Er hält deshalb eine doppelte Antriebsstrategie mit sogar zwei unterschiedlichen Kraftstoffen oder zwei Motoren für denkbar: Für den Alltagsbetrieb könnte man die Fahrzeuge dann auf maximale Ökonomie und einen sparsamen Verbrauch auslegen. Und per Knopfdruck schaltet man etwa auf der Rennstrecke auf eine perfekte Performance um.

Die zweite große Stellschraube ist für Reggiani das Gewicht: So wie Lamborghini beim Gallardo Superleggera bereits 100 kg aus dem Fahrzeug genommen hat, ohne auf Komfortstandards wie die Klimaanlage zu verzichten, rechnet er mit weiteren Leichtbaufahrzeugen, für die es aber auch neue Materialien braucht. Eines davon ist ganz sicher Karbon, sagt man beim Mercedes-Partner McLaren im britischen Woking, wo der SLR entsteht. Der Sportler ist das einzige in Serie produzierte Fahrzeug, bei dem Karosserie und Chassis nahezu vollständig aus den Kohlefasern hergestellt werden. Das steigert - wie man am spektakulären Formel-1-Unfall von Robert Kubica sehen konnte - die Sicherheit und senkt vor allem das Gewicht.

Noch allerdings ist die Fertigung zu zeit- und arbeitsintensiv, um etwa einen SL oder einen SLK aus Karbon zu bauen. Und bezahlen könnte das auch noch keiner. Daneben gibt es mittlerweile eine Reihe von Firmen, die dem Sportwagen ein grünes Mäntelchen umhängen und mit alternativen Antrieben "Rasen ohne Reue" versprechen.

Am weitesten ist dabei Tesla Motors aus Kalifornien. Die Amis entwickeln mit Lotus in England einen Sportwagen mit Elektromotor, der aus 7000 Litium-Ionen-Zellen gespeist wird. Mit 252 PS soll er in etwa vier Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen, eine Spitze von 210 km/h erreichen und auf eine Reichweite von etwa 400 km kommen. Danach muss der bereits mehr als 100 Mal bestellte Wagen, dessen Produktion in diesem Sommer beginnen soll, allerdings für 3,5 Stunden an die Steckdose.

Sehr viel schneller wieder aufladen können soll man den GT des britischen Herstellers Lightning, der im nächsten Jahr in Serie gehen soll. Dafür planen die Entwickler mit einer neuen Generation von Batterien und besonders leistungsfähigen Elektromotoren in den Radnaben, die zusammen mehr als 700 PS leisten sollen. Nach nur zehn Minuten Ladezeit habe der Lightning genügend Strom an Bord, um in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen und über 400 km weit zu fahren.

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