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Markus Sippl, ADAC Leiter Fahrzeugtechnik

Tipps zum Gebrauchtwagen-Kauf

So entlarven Sie einen manipulierten Tacho

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Der ADAC schlägt Alarm! Bei jedem dritten Gebrauchtwagen wird der Tacho manipuliert! Doch hält man sich als Käufer an einige Tipps, kann man die Betrügereien meist zuverlässig entlarven.

Der ADAC schlägt Alarm! Bei jedem dritten Gebrauchtwagen wird der Tacho manipuliert! Insgesamt handelt es sich um zwei Millionen Autos. Diese Zahlen veröffentlichte gestern der Autofahrerclub. Die Manipulation ist heute einfach und preiswert in 30 Sekunden gemacht. Laut ADAC ist der Tachobetrug bei vielen Fahrzeugen ab Werk vorbereitet. ADAC-Vizepräsident Thomas Burkhardt: „Die Industrie macht bisher nichts dagegen.“ Fragen und Antworten:

Wer ist besonders betroffen? Burkhardt: „Opfer sind meist Leute mit kleinem Geldbeutel, für die ist es doppelt bitter, wenn Sie betrogen werden.

Wie groß ist der Schaden? Laut Berechnungen der Polizei ist an jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert worden. Der verfälschte Kilometerstand führt pro Fahrzeug im Schnitt zu einer Wertsteigerung von 3000 Euro. Das bedeutet einen jährlichen Schaden von sechs Milliarden Euro.

Wie funktioniert der Betrug?

Man braucht ein kleines Tachojustiergerät, das im Internet schon ab 200 Euro angeboten wird. Dieses wird an den Borddiagnosestecker angeschlossen. Über die Tastatur wird der neue, manipulierte Kilometerstand eingetippt. Vier Sekunden später zeigt der Tacho die gewünschte Zahl an. Prof. Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technikzentrums: „Da die Änderung des Kilometerstands werksseitig bereits vorgesehen ist, wird der neue Stand gleichzeitig in allen Steuergeräten wie der ABS-Steuerung oder der Wegfahrsperre überschrieben. Der echte Kilometerstand ist nirgends mehr gespeichert.“

So einfach lässt sich der Kilometerstand eines Autos reduzieren

So einfach lässt sich der Kilometerstand eines Autos reduzieren

Wann wird getrickst?

Tachos werden nicht nur kurz vor dem Verkauf eines Gebrauchtwagens manipuliert. Kilometerstände zu frisieren ist – weil es so einfach geht – auch während der Nutzung des Autos üblich, damit die falschen Daten in der „Fahrzeug-Historie“ der Hersteller-Werkstatt eingetragen werden und so weniger Laufleistung vortäuschen. Denn Manipulationen dienen auch dazu, ein Auto unter die beim Leasing vereinbarte Laufleistung zu drücken und somit Abzüge beim Restwert zu sparen oder um zu Unrecht eine Garantie- beziehungsweise Kulanzleistung kostenlos in Anspruch zu nehmen.

Warum bauen die Hersteller die Manipulationsmöglichkeit ein?

Ein Grund für die Änderungsmöglichkeit des Kilometerzählers könnte sein, dass Werks-Probefahrten der Hersteller vor der Fahrzeugauslieferung „gelöscht“ werden, um dem Kunden ein „ungefahrenes“ Neufahrzeug übergeben zu können. Laut ADAC hätten es „Tacho-Trickser“ deutlich schwerer, wenn Autoproduzenten und Zulieferer aktuelle Sicherheitstechnik einsetzen würden. Besonders erstaunlich: Entsprechende Technologien sind bereits heute teilweise in den Steuergeräten der Fahrzeuge vorhanden, werden aber nicht aktiviert. Kolke: „Solche Chips sind nur ein bis zwei Euro teuer.“

Was will der ADAC?

Einen dauerhaften Schutz der Gebrauchtwagen-Käufer vor Betrügern Der Aufwand für eine Manipulation muss so hoch sein, dass sie sich nicht mehr lohnt.

Karl-Heinz Dix

So entlarvt man die Betrügereien

Eine Manipulation des Kilometerstandes lässt sich auf technischem Wege meist nicht aufdecken, sagt der ADAC. Daher sollten Interessenten für Gebrauchtwagen möglichst genau recherchieren, ob sich aufgrund von Dokumenten Unstimmigkeiten ergeben. Hier die Tipps des ADAC.

  • Rechnungen: Überprüfen Sie Reparaturrechnungen, AU- und TÜV-Berichte, Tankbelege (bei Verwendung einer Tankkarte steht dort der Kilometerstand), Eintragungen im Inspektionsheft und Ölwechsel- Aufkleber bzw. -Anhänger auf Plausibilität. Wenn dort steht, der nächste Ölwechsel sei bei 180.000 Kilometern fällig, das Auto hat aber erst 100.000 Kilometer am Tacho, dann stimmt etwas nicht.
  • Vorbesitzer: Nehmen Sie Kontakt mit den Vorbesitzern auf, die in der Zulassungsbescheinigung Teil II (bzw. im Fahrzeugbrief bei Fahrzeugen, die vor dem 1. Oktober 2005 zugelassen oder letztmals umgemeldet wurden) eingetragen sind. Fragen Sie diese nach den im ersten Punkt genannten Unterlagen. Klären Sie, mit welchem Kilometerstand das Fahrzeug jeweils verkauft wurde.
  • Verkäuferangaben: Verlassen Sie sich nicht auf Verkäuferangaben wie „Kilometerstand laut Tacho“ oder „Kilometerstand abgelesen“. Sie sind weitgehend unverbindlich. Bestehen Sie auf der schriftlichen Angabe der „tatsächlichen Laufleistung“ im Kaufvertrag.
  • Check: Lassen Sie einen Gebrauchtwagen-Check in einem ADAC-Prüfzentrum oder bei einem ADAC Vertragssachverständigen durchführen. Adressen unter www.adac.de bzw. 0 18 05 / 10 11 12 (14 Cent/Min. aus dem Festnetz der Telekom).
  • Zustand: Achten Sie bei einem Gebrauchtwagen nicht nur auf den Kilometerstand, sondern auch auf den Pflegezustand und die Betriebsbedingungen bei den Vorbesitzern. Ein Fahrzeug mit wenigen Kilometern, die auf verschleißfördernden Kurzstrecken-Fahrten absolviert wurden, kann das Auto mehr mitnehmen als ein Fahrzeug mit vielen Kilometern, die auf Langstrecken gefahren wurden.
  • Werkstatt: Lassen Sie in der Werkstatt Fehler- und Wartungsintervall-Speicher auslesen. Vergleichen Sie die bei Fehlereinträgen teilweise mitprotokollierten Kilometerstände mit dem im Tacho angezeigten. Lassen Sie im Verdachtsfall das Produktionsdatum von Tacho und Steuergeräten in der Werkstatt ermitteln: Es könnte sein, dass diese bei der Manipulation beschädigt und danach ersetzt worden sind. Ein Tacho oder ein Steuergerät mit Herstellungsjahr 2005 (meist ins Gehäuse eingeprägt oder per Aufkleber hinterlegt) passt nicht zu einem 2003 gebauten Fahrzeug – es sei denn, der Vorbesitzer kann einen Tausch wegen Defekt belegen.

Lesen Sie auch:

Tacho-Betrug: ADAC kritisiert Autohersteller

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