Mehr Kraft auf zwei Rädern

- München - Vor dem Start der größten Motorradmesse der Welt, der Intermot in München (18. bis 22. September 2002) gibt es in der Branche vor allem einen einheitlichen Trend: den zum Schweigen. In seltener Eintracht haben sich die Hersteller wie es scheint entschlossen, bis zu den offiziellen Präsentationen im Rampenlicht so wenig wie möglich über die Neuheiten für das Jahr 2003 an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Trotzdem sickern zumindest einige Informationen über die Highlights durch. Und über die Trends rund um das Motorrad der nahen Zukunft sind sich die Experten ohnehin einig.

<P>"Der generelle Trend heißt größer und stärker", sagt Michael Kusmanov, Sprecher des Industrie-Verbandes Motorrad (IVM) in Essen. "Dabei geht es vor allem um mehr Hubraum und mehr PS". Bei der Messe München als Veranstalter der Intermot sieht man es ähnlich. Demnach lässt es sich kaum ein Hersteller entgehen, seine Motorräder mit einem Hubraum-Plus auszustatten. 1,4 bis 1,5 Liter Hubraum sind keine Seltenheit mehr. Bei den Cruisern ist die 1,8-Liter-Marke bereits erreicht.</P><P>In Hinblick auf die Kraft wird vor allem auf die Grenze von 200 PS geblickt. Schon aktuelle Top-Modelle im Bereich der Supersportler sind laut der Messe München gerade einmal 10 bis 15 PS von besagter Schallmauer entfernt. Einige präsentierte Studien haben die Grenze schon überschritten. Zur Intermot könnte ein Serienmodell vorgestellt werden, das die 200-PS-Marke hinter sich lässt.</P><P>Im Straßenbild dürften die PS- und Hubraum-Riesen laut Michael Kusmanov vom IVM eher Ausnahmeerscheinungen bleiben. Denn bei den Verkäufen gehe der Trend zu kräftigeren Allroundmaschinen, die für Touren ebenso geeignet sind wie für Autobahn-Etappen oder Ausflüge auf der Landstraße.</P><P>Außerdem sind die Kraftmaschinen wohl wenig geeignet, eines der großen Probleme der Branche zu beseitigen. Das liegt nämlich im steigenden Durchschnittsalter der Kundschaft: "Derzeit ist der durchschnittliche Motorradfahrer 39 Jahre alt, die Tendenz ist ganz langsam weiter steigend", sagt Kusmanov. Um die junge Klientel zu gewinnen, gibt es nach Ansicht des IVM-Sprechers vor allem zwei Wege. Einer sei, das Motorradfahren wieder erschwinglicher zu machen. Gerade dafür sind aber starke und teure Modelle nicht die erste Wahl. Die zweite Möglichkeit seien optische Ansätze wie etwa ein frischeres und jugendlicheres Design der Fahrzeuge.</P><P>Dass die Hersteller dies ebenso sehen, wird womöglich auf der Intermot deutlich werden: Schon in jüngster Vergangenheit haben Studien laut der Messe München gezeigt, dass der Trend bei Formen weg von Rundungen hin zu scharfen Kanten mit aggressivem Charakter geht.</P><P>Erste Informationen der Hersteller bestätigen die angekündigten Trends. So hat BMW in München mit der R 1200 CL ein Motorrad angekündigt, das sich durch ein eigenwilliges Design auszeichnet wenn auch ohne scharfe Kanten. Die CL basiert auf dem Cruiser R 1200 C. Mit auffälliger Lenkerverkleidung und Gepäckkoffern soll es die Vorteile desCruisers mit denen einer Tourenmaschine vereinen.</P><P>Bei Triumph in Friedrichsdorf-Köppern (Hessen) dagegen will man sich nach ersten Gerüchten vor allem um mehr PS und Hubraum kümmern. So ist von einem Cruiser mit einem Zweilitermotor die Rede. Der einstige Inbegriff für viel Hubraum auf zwei Rädern hält sich dagegen vorerst aus dem Wettrennen heraus: Harley Davidson feiert vor allem das 100-jährige Firmenjubiläum. Das wird jedoch nicht mit aufwendigen Neuentwicklungen begangen. Vielmehr setzt man im Jahr 2003 laut der Deutschland-Zentrale in Mörfelden (Hessen) auf Jubiläumsmodelle, die sich durch Plaketten und einige Extras auszeichnen. Zumindest bei der Sport-Sparte Buell gibt es mit der XB9R und der XB9S neue Modelle.</P><P>Gelände-Experte KTM wird Gerüchten zufolge die Enduro 950 Adventure mit einem Zweizylindermotor ins Rampenlicht stellen, während bei Suzuki von einer 650er-Reiseenduro gemunkelt wird. Auch die Serienversion der Aufsehen erregenden Studie B-King 1000 wird als wahrscheinlich angesehen. Kawasaki könnte nach Informationen der in Stuttgart erscheinenden Fachzeitschrift "Motorrad" mit zwei Neuheiten dabei sein: Einem Naked-Bike mit dem 636-Kubikzentimeter-Triebwerk der ZX-6R sowie einem so genannten Scrambler im Siebziger-Jahre-Stil mit dem Motor des Retro-Mobils W 650. Bei Ducati dürfte wohl der neue Supersportler 999 zu sehen sein.</P>

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