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Mehr Unfalltote in Deutschland - Experten rätseln

Erstmals mehr Unfalltote in Deutschland

Wiesbaden - Bis November wurden im vergangenen Jahr 3639 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland getötet. Mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der toten Fußgänger ist überraschend hoch.

Erstmals seit rund 20 Jahren steigt die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle wieder an. Die Entwicklung ist nach Ansicht von Experten allerdings nur ein Ausreißer nach obern. Eine Ursache für den Knick in der Kurve: das gute Wetter. Das kann aber nicht erklären, weshalb 2011 so viele Fußgänger starben. Die Fachleute rätseln.

Die Zahlen für das gesamte vergangene Jahr liegen noch nicht vor, das Statistische Bundesamt (Destatis) legte am Freitag in Wiesbaden zunächst vorläufige Ergebnisse für die Monate von Januar bis Ende November 2011 vor. Demnach sind in diesem Zeitraum bei Verkehrsunfällen in Deutschland 3639 Menschen getötet worden - das sind 4,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der Verletzten stieg um 3,6 Prozent auf rund 360 400. Von der Polizei aufgenommene Unfälle gab es dagegen weniger: rund 2,1 Millionen (minus 1,7 Prozent).

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„Das Wetter spielt eine große Rolle“, erklärt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel: In schneereichen Monaten passieren weniger schwere Unfälle, „da fahren die Leute von sich aus vorsichtig“. Wenn das Wetter schön ist und früh im Jahr frühlingshafte Temperaturen anbrechen, drängt es alle auf die Straße und die Zahl der schweren Unfälle steigt. Besonders häufig verunglücken Motorradfahrer schwer. „Insgesamt haben wir aber über die Jahre eine sehr erfreuliche Entwicklung: Die Zahl der Verkehrstoten geht insgesamt nach unten.“ 2011 sei ein „unschöner Ausreißer“.

Auch das Bundesamt sieht diesen Zusammenhang: Die erhöhte Zahl der Toten und Verletzten liege vor allem an den niedrigen Vergleichszahlen 2010. In dem Jahr habe es deutlich weniger Unfalltote gegeben, weil wegen des schlechten Wetters nicht so viele Radfahrer, Fußgänger und Motorradfahrer unterwegs gewesen seien, sagte Gerhard Kraski vom Statistischen Bundesamt.

Ein Blick auf einzelne Monate zeigt ein differenzierteres Bild. Den jüngsten Zahlen zufolge starben im November 2011 auf deutschen Straßen 319 Menschen - fast zehn Prozent weniger als im November 2010 (354 Tote). Diesmal sei das Wetter nicht der Grund, sagte Kraski, denn im November 2010 gab es viel Schnee. Auch andere Details geben den Experten Rätsel auf: Zum Beispiel, wieso in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 außergewöhnlich viele Fußgänger starben.

Zwischen Januar und September 2011 gab es 74 tote Fußgänger mehr als im Vorjahreszeitraum (375 statt 301), sagt Wolfgang Steichele, Experte für Verkehrsstatistiken beim ADAC. „Dafür haben wir keine Erklärung.“ Läge die erhöhte Zahl der toten Fußgänger am Wetter - etwa, weil bei Sonne mehr Menschen spazieren gehen - müssten auch mehr Fahrradfahrer verunglücken. Hier aber sind die Zahlen konstant. „Das passt einfach nicht zusammen.“

dpa

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