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Verwechslung schwer, aber nicht ausgeschlossen: Diesel-Zapfpistolen sind dicker als das Benzinäquivalent.

Prozess um Reparatur-Kosten

Mietauto: Falscher Sprit im Tank - Wer muss den Schaden zahlen?

München - Benzin oder Diesel? Einmal nicht aufgepasst, und schon ist der falsche Kraftstoff im Tank. Was lächerlich klingt, passiert erstaunlich häufig. Die Folgen können teuer werden.

Diese teure Erfahrung musste auch eine Frau machen, die zum falschen Zapfhahn griff und dem Autoverleih nun 1150 Euro zahlen muss. 

Die Frau aus dem Landkreis hatte bei einer Münchner Autovermietung einen Mercedes-Benz derA-Klasse gemietet – einen Benziner. Das Auto wurde kurz darauf gegen eine B-Klasse ausgetauscht – mit Dieselmotor. Der Frau schien dieser Unterschied nicht klar zu sein. Sie betankte das Auto mit Benzin und fuhr los. Wenig später blieb der Wagen liegen und musste abgeschleppt werden. Gesamtschaden: rund 1150 Euro.

Die Frau wollte der Autovermietung den Schaden nicht bezahlen. Man hätte sie deutlicher auf den Unterschied zwischen den Autos hinweisen müssen, fand sie. Die Firma klagte – und gewann vor dem Amtsgericht. Die Frau habe ihre Sorgfaltspflicht verletzt, zudem sei auf dem Tankdeckel darauf hingewiesen worden, dass es sich um ein Dieselfahrzeug handelte. „Es ist eine Selbstverständlichkeit, sich vor dem Tankvorgang eines fremden Fahrzeugs über den zulässigen Kraftstoff zu informieren“, befand die Richterin. Die Frau muss der Autovermietung den Schaden zahlen.

Rund 22.000 "Falschtanker" im Jahr

Fehlgriff an der Zapfsäule kommen häufiger vor. 22.000 Mal rückte allein der ADAC im vergangenen Jahr deutschlandweit aus, um Falschtanker aus ihrer misslichen Lage zu befreien – und das sind nur die Fälle, in denen sich die Autofahrer ihres Fehlers sofort bewusst waren. „Die Gesamtzahl ist vermutlich höher“, sagte eine Sprecherin des Autoclubs unserer Zeitung auf Anfrage.

Bei den allermeisten Tankpannen handelt es sich, wie im Fall des falsch betankten Mercedes, um Dieselfahrzeuge, in die Benzin gefüllt wurde. Denn Diesel-Zapfpistolen sind meist so konstruiert, dass sie nicht in die Einfüllstutzen von Benzinern passen. Doch völlig ausgeschlossen ist auch die Verwechslung in die andere Richtung nicht, beispielsweise beim Tanken mit Reservekanistern.

Ist das Malheur erst einmal passiert, rät der ADAC dazu, den Motor des Fahrzeugs auf keinen Fall mehr zu starten, damit der falsche Kraftstoff nicht in das gesamte System gelangt. Denn ist das einmal passiert, kann es je nach Automodell und Art der Verwechslung zu schweren Schäden am Fahrzeug kommen.

Diese Schäden verursacht der falsche Kraftstoff

Wird ein Benziner mit Diesel betankt, sind insbesondere Schäden an Einspritz- und Abgasanlagen nicht auszuschließen. Landet dagegen reguläres Benzin in einem Dieselfahrzeug, kann ein Austausch des gesamten Einspritzsystems einschließlich Hochdruckpumpe, Injektoren, Kraftstoffleitungen und Tank erforderlich sein. Denn Benzin wäscht laut ADAC den für den Betrieb notwendigen Diesel-Schmierfilm ab. Als Folge entstehen Metallspäne, die einen Pumpen-Totalschaden hervorrufen können. Im Fall einer Verwechslung sollten Autofahrer deshalb sofort die Pannenhilfe oder eine Fachwerkstatt verständigen. Die Automechaniker können den Tankinhalt dann fachgerecht abpumpen.

Der ADAC fordert schon länger, Kraftstoffe an Tankstellen klarer zu kennzeichnen. Auch die Autohersteller könnten es laut ADAC ihren Kunden leichter machen, den richtigen Kraftstoff für ihre Wägen zu finden. Zum Beispiel durch deutliche Hinweise auf den Tankdeckeln oder technische Lösungen, wie den Fehlbetankungsschutz, den einige Hersteller bereits serienmäßig im Programm haben. So könnte Autofahrern viel Ärger und den Gerichten der eine oder andere Prozess erspart bleiben.

Annika Schall

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