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Der 1959 konzipierte Ur-Mini (rechts) und sein bisher geräumigster Nachfolger, der geländegängige Countryman. Künftig soll es bei der von BMW erfolgreich wiederbelebten Marke nur noch fünf Modelle geben.

Trendwende

Mini stoppt das Modellfeuerwerk

BMW dünnt die Modellpalette seiner britischen Tochter aus. Statt sieben wird es in Zukunft nur noch fünf verschiedene Mini-Modelle geben.

Damit deutet sich eine Trendwende in der Autoindustrie hin zu klareren Trennlinien zwischen den Baureihen an.

Limousine, Kombi, Cabrio, Coupé– und letzteres wahlweise mit zwei oder vier Türen. Dazu noch ein Geländewagen, gerne auch zusätzlich als Sport Utility Coupé. Und das alles in jeder Größenklasse einmal – mindestens. Die Modellvielfalt in der Autoindustrie hat in den letzten zehn Jahren unüberschaubare Ausmaße angenommen. Es gab praktisch keine Lücke, die nicht binnen kurzem mit einem neuen Auto gefüllt wurde – und viele der Autos auf den Markt können selbst Experten kaum mehr auseinanderhalten.

Modellfeuerwerk nannten die deutschen Premium-Hersteller diese Strategie mit der sie, allen voran BMW, ihre Verkaufszahlen in vorher ungeahnte Höhen trieben. Doch allmählich zündet das Feuerwerk nicht mehr so recht. Jetzt deutet sich in der Autoindustrie ein Umdenken an.

Peter Schwarzenbauer, BMW-Vorstandsmitglied, plant auch Elektro-Minis.

„Die Derivatisierung war extrem erfolgreich“, sagt Peter Schwarzenbauer, das für die Marke Mini zuständige Vorstandsmitglied im BMW-Konzern. Er kündigt aber gleichzeitig an, dass damit nun Schluss ist: „Wir haben entschieden, dass sich Mini langfristig auf fünf Superhelden konzentrieren wird“, sagte er gestern bei der Präsentation der Ausstellung „The Mini-Story“ im BMW-Museum, die heute eröffnet wird. Das bedeutet, dass mehrere der derzeitigen Mini-Modellreihen nicht mehr fortgeführt werden.

Es könnte aber auch Neues geben: Ein wahrscheinlicher Superheld wird heute noch nicht gebaut: Der Mini Superleggera Vision, ein  Sportwagen, den Schwarzenbauer erst im Frühjahr als Concept-Car vorgestellt hat. Als für die Zukunft  gesetzt gelten auch der Basis-Mini „Hatch“, der deutlich längere und fünftürige „Clubman“, wie er im kommenden Jahr eingeführt wird, und der höchst erfolgreiche Geländewagen „Countryman“. Damit wäre die Zahl fünf schon fast voll.

Mini Cabrio bald Geschichte?

Derzeit gibt es aber noch das viersitzige Cabrio, den zweisitzigen Roadster, das ebenfalls zweisitzige Coupé und den zweitürigen Geländewagen „Paceman“. Für die meisten davon dürfte in der zukünftigen Heldengalerie kein Platz mehr sein. Möglicherweise auch für gar keinen. Denn Mini-Chefdesigner Anders Warming macht kein Geheimnis daraus, dass er auch noch weitere Pfeile im Köcher hat. Wenig Platzverbrauch auf der Straße und viel Platz im Inneren, umschreibt er mehrfach sein Wunschkonzept für die Zukunft: Einen extrem kompakten Stadtwagen.

Mini als Plug-in Hybrid oder Elektro-Mini

„Mini ist die urbanste Automarke der Automobilindustrie“, sagt auch Schwarzenbauer, der noch ganz andere Anforderungen an zukünftige Autos im Stadtverkehr sieht. In wenigen Jahren werden in vielen Städten Autos nicht mehr fahren dürfen, sagt er, die nicht in irgendeiner Form über einen elektrischen Antrieb verfügen. Also wird es auch einen Mini als Plug-Hybrid oder auch als rein elektrisches Fahrzeug geben.

Allerdings wartet Schwarzenbauer damit noch die technische Entwicklung ab. Erst weiterentwickelte Batterien mit wesentlich geringerem Platzbedarf bei gleicher Reichweite würden den Weg zu einem neuen Elektro-Mini freimachen. Beim Mini E, dem ersten Großversuch mit Elektroautos im BMW-Konzern, mussten für Batterie und Elektronik noch die Rücksitzbank und der Kofferraum weichen.

Für seinen Strategiewechsel hat Schwarzenbauer den gesamten BMW-Vorstand hinter sich gebracht. Doch er räumt ein, dass das Thema kontrovers diskutiert wurde. Und er betont, dass die Reduzierung auf fünf Superhelden nur für Mini gelte.

Das aber dürfte nicht das letzte Wort sein. Wenn Schwarzenbauer mit der Konzentration auf weniger Modelle Erfolg hat, wird sich BMW dem kaum mehr entziehen können. Und wenn der Münchner Konzern als Pionier der Derivatisierung einen Strategiewechsel vollzieht, dürfte das in den Zentralen der Konkurrenten in Stuttgart und Ingolstadt nicht ohne Widerhall bleiben. Auch Audi und Mercedes haben in den letzten Jahren ein Modell nach dem anderen auf den Markt gebracht, von denen viele auf den ersten Blick nur schwer zu unterscheiden sind.

Von Martin Prem

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