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Die Fahrt in den Winterurlaub ist selbst ohne massiven Schneefall meist anstrengend. Vorbereitung darauf ist Pflicht.

Mit dem Auto in den Winterurlaub

Die Weihnachtsfeiertage rücken näher und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass viele Leser zu Verwandten zu fahren oder einfach nur eine kleine private Auszeit zu genießen. Doch dass sollte man nicht vorschnell angehen.

Winterliches Fahren ist kompliziert. Lange Urlaubsfahrten sind kompliziert. Wird beides kombiniert, entsteht ein Mix, der das Zeug hat, auch routinierte Autofahrer an ihre Grenzen zu bringen.

Wer für die kommende Weihnachtszeit deshalb mit dem Gedanken spielt, die Feiertage in weiter Entfernung zu verbringen, sollte die folgenden Tipps immer im Hinterkopf bzw. Reisegepäck haben.

1. Ab in die Werkstatt

Der Grundsatz vor jeder langen Fahrt gilt im Winterurlaub verstärkt: Alles, was sich am und im Auto befindet, sollte zuvor vom Profi gecheckt werden – und wer immer noch keine Winterreifen montiert hat, sollte das jetzt zwingend tun!

Konkret geht es bei einem solchen Winter-Check, den Werkstätten für niedrige zweistellige Beträge anbieten, um folgende Arbeiten:

  • Es wird geprüft, ob das Frostschutz-Niveau im Kühlkreislauf für die zu erwartenden Tiefst-Temperaturen ausreicht.
  • Die Scheibenwischer werden geprüft und ggf. ersetzt – just im Winter gehen alte Wischergummis rasch in die Knie.
  • Es wird geprüft, ob die Profiltiefe der Winterreifen ausreicht. Bitte bei der Auftragsvergabe sagen, falls man in schneereiches Gebiet fährt. Was im Flachland ausreicht, ist dort zu wenig.
  • Die Beleuchtung wird geprüft, ggf. wird der Abstrahlwinkel der Scheinwerfer justiert.
  • Die Batterie wird geprüft. Das ist besonders wichtig, weil Tieftemperaturen Altersschwäche gnadenlos aufdecken.

Ferner wird auch die Bremsanlage geprüft. Das dauert in der Regel höchstens eine Stunde – ein absoluter Pflichttermin.

2. Scheiben putzen

Eiskalte Scheiben, warmer Insassen-Atem – wenn das auf bestehenden Schmutz (etwa Nikotinfilm) trifft, entsteht schnell ein schlieriges Sichthindernis und enormes Unfallrisiko.

Unmittelbar vor Fahrtantritt sollte man sich deshalb Küchenkrepp und Glasreiniger greifen und seine Scheiben innen wie außen sorgfältig säubern. Gerade im Winterhalbjahr mit der tiefstehenden Sonne entstehen andernfalls rasch gefährliche Lichtbrechungen. Bei der Gelegenheit wintertaugliches Scheibenreinigungsmittel auffüllen.

Tipp: Zur Verminderung von Innenraumluftfeuchtigkeit während kalter Nächte kann man abends ein Schüsselchen Salz oder Silikagel auf das Armaturenbrett stellen.

3. Schneeketten besorgen

Es gibt Regionen, in denen herrscht Schneekettenpflicht. Doch auch wenn einen die Winterreise woanders hinführt, wo es ein Potenzial für hohe Schneemengen oder auch nur Verwehungen gibt, macht es viel Sinn, Schneeketten dabei zu haben.

Wichtig ist, zu beachten, dass die Ketten nicht fahrzeug-, sondern räderspezifisch angeboten werden; man kauft sie also beispielsweise nicht für einen VW Golf, sondern für die montierten Reifen-Abmessungen. Dazu vorher einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen, ob der Hersteller die Nutzung von Ketten nur auf bestimmte Reifenabmessungen beschränkt.

Wichtig: Der schlechteste Moment, um erstmals Schneeketten zu montieren, ist auf einem verschneiten Rastplatz. Wenn die Ketten geliefert werden, sollte man sie zuhause mindestens einmal probeweise aufziehen, damit man das Grund-Prozedere verinnerlicht.

4. Türen schmieren

Es braucht nur ein wenig Feuchtigkeit, die sich auf die Dichtungsgummis von Türen legt, um diese festfrieren zu lassen. Öffnet man sie dann unwissend, können die sowieso schon durch die Kälte strapazierten (hart gewordenen) Gummis rasch Schaden nehmen.

Ebenfalls kurz vor Reiseantritt sollte man deshalb mit einem Gummi-Pflegespray (zur Not tun es auch Vaseline und neutrale Lippenpflegestifte) die Dichtungsgummis entlang der Türöffnungen einschmieren; Heckklappe nicht vergessen.

Bei der Gelegenheit sollte man auch die Schlossmechaniken mit etwas(!) Sprühöl behandeln, damit sie leichtgängig bleiben.

Tipp: Auch wenn man das Auto per Fernbedienung entriegelt, sollte man während der Reise Türschloss-Enteiser in der Jackentasche haben. Friert die Zentralverriegelungsmechanik ein, kann man so trotzdem noch den Wagen öffnen.

5. Sinnvoll packen

Auch für den Winterurlaub packt man ein Fahrzeug prinzipiell nicht anders, als würde man die Tour im Sommer absolvieren. Wegen der längeren Dunkelheit und der Witterungsverhältnisse sollte man jedoch bei Details abweichen. Konkret sollte man eine Tasche oder Kiste mit den folgenden Dingen zusammenstellen und im Innenraum deponieren – nicht unter Koffern und Taschen im Kofferraum.

  • Warnwesten für alle Fahrgäste – nicht nur die eine, die in Deutschland vorgeschrieben ist.
  • Eine LED-Taschenlampe, die sich am Zigarettenanzünder/USB-Anschluss aufladen lässt.
  • Eine magnetische Pannen-Blinkleuchte.
  • Warme Decken, Handschuhe, dicke Strümpfe und trockene, d.h. nicht wasserhaltige und frostgefährdete Snacks (Stichwort Stau).
  • Eine Sprühflasche mit reinem Auto-Scheibenreiniger. Hilft, falls Scheiben enteist werden müssen.
  • Thermofolie, um abends die Frontscheibe abdecken zu können. Wird starker Schneefall befürchtet, sollte es eine Auto-Vollabdeckung sein.
  • Ein Bündel Zeitungen. Kann man nach dem letzten Aussteigen des Tages auf schneematschige Fußmatten legen und so die Feuchtigkeit schnell aus dem Innenraum befördern –die nassen Zeitungen sofort wieder entfernen.
  • Überbrückungskabel und ein Zettel, auf dem man notiert, wie man es richtig verwendet. Selbst wenn die Batterie neu ist; andere Autofahrer sind vielleicht dankbar.
  • Ein Abschleppseil, falls man sich im Schnee festfahren sollte.
  • Handfeger, Eiskratzer, Kunststoffschaufel.

Zudem empfiehlt es sich auch, das Warndreieck aus der Kofferraummulde zu nehmen, damit es im Notfall schneller griffbereit ist.

6. Geplant unterwegs

Es geht los. Doch über das Wie des Fahrens in den Weihnachtsurlaub gibt es auch noch kleine Tipps, die man beherzigen sollte.

  • Unbedingt den Wetterbericht prüfen und die Abfahrtzeit danach richten. Normal sollte man im Winter frühmorgens losfahren. Bei sehr schlechter Witterung waren dann aber die Winterdienste noch nicht auf der Strecke. Deshalb gilt: Je kälter und/oder schneereicher, desto später am Tag sollte die Fahrt beginnen.
  • Häufiger tanken als man es gewohnt ist, damit einem bei Stau (Stichwort Heizung) nicht der Kraftstoff ausgeht. Spätestens bei 1/4 Füllstand sollte nachgetankt werden.
  • Sonnenbrille griffbereit haben, auch bei trübem Wetter, falls viel Schnee liegt.
  • Bei Glättegefahr einen Gang höher schalten und niedertouriger fahren.
  • Auch wenn es anfangs sehr kalt sein mag: Niemals mit dicker Winterjacke und -stiefeln lenken. Erstere reduziert die Wirksamkeit des Sicherheitsgurts, letztere erhöhen die Gefahr „daneben zu treten“.
  • Die Heizung nur so hochdrehen, dass es für alle Beteiligten gerade eben „warm genug“ ist. Mehr führt gerade auf monotonen Strecken zu erhöhter Schläfrigkeit.

Und der vielleicht wichtigste Tipp: Unter winterlichen Bedingungen kommt derjenige sicherer an, der langsamer fährt. Gerade wenn nicht geräumt wurde, sollte man Spurwechsel- und Überholmanöver lieber sein lassen und hinter seinem Vordermann bleiben – selbst wenn es die Fahrt etwas verzögert.

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