Nachschub für die oberen Zehntausend

München - Wenn es für den voll ausgestatteten Rolls-Royce noch nicht ganz reicht, das Konto aber eigentlich dennoch recht gut gefüllt ist, dann wird das neue Auto meist im Bereich der so genannten Oberklasse gekauft. Wobei hier bislang die Auswahl recht beschränkt war: Es gab Limousinen vom Schlage einer S-Klasse.

Und wer es lieber sportlicher wollte, sprach bei Porsche vor. Derzeit jedoch ist gerade die Oberklasse so stark in Bewegung gekommen wie kaum ein anderes Segment. Wir dürfen diverse Neuheiten erwarten, die mehr Variantenreichtum versprechen. Während sich die Nische der Oberklasse in Deutschland in einer festen Größenordnung bewegt, hofft man international auf eine wachsende zahlungskräftige Kundschaft.

Dabei geht es gerade auch um die neuen Märkte wie China, Russland oder Indien, wo der Anteil der Reichen stark zunimmt. Alte und neue Käufer will die Industrie jedoch künftig nicht mehr nur mit den bekannten Modellvarianten bedienen. Auch in der teuren Klasse herrscht ein Drang zur Individualisierung. Der Käufer will auf seine eigene Art und Weise mit der Auswahl seines Wunschautos zeigen, was er geschafft hat - da reicht es nicht aus, die Limousine zu kaufen, die auch andere mit entsprechenden Einkommensverhältnissen lenken.

Die Besetzung von Marktnischen gibts hier schon länger - indem etwa die SUVs als ernste Konkurrenten auf die Oberklasse-Limousinen angesetzt wurden. Mit durchschlagendem Erfolg: Mercedes hat letztes Jahr in Deutschland 10 960 Autos der SKlasse verkauft, Audi konnte vom großen SUV Q7 11 600 Exemplare absetzen.

Die nächsten Alternativen sind schon angekündigt. Vor allem geht es um die Kombination der Vorzüge eines Sportwagens mit denen einer geräumigen Limousine. So kündigt Porsche für 2009 als vierte Baureihe den Panamera an - mit sportlicher Form, vier Türen, vier Sitzen und reichlich Platz auch hinten für Erwachsene. Ganz ähnlich ist ein Projekt bei Aston Martin: Dort arbeitet man eifrig daran, die 2006 vorgestellte Studie Rapide zur Serienreife zu bringen. Auch hier handelt es sich um einen sportlichen Viertürer mit vier Sitzen. Als Antrieb dürfte der hauseigene Zwölfzylinder dienen.

Das zeigt aber auch, dass sich bislang exklusive Kleinstserienhersteller zunehmend der Oberklasse-Konkurrenz aus größeren Häusern stellen. So hat Konzernmutter VW bereits dem Traditionshaus Bentley zu neuem Erfolg verholfen. Wurden die Fahrzeuge einst eher in homöopathischen Dosen verteilt, erreichen sie mittlerweile bemerkenswerte Erfolge. Bentley konnte zum Beispiel die Verkäufe des Continental Flying Spur von 90 Exemplaren 2005 in Deutschland auf 201 im Jahr 2006 steigern.

Gerüchte über weitere, erschwinglichere Modelle von Bentley machen bereits die Runde. Das weckt sogar den Nobelauto-Hersteller schlechthin auf - ein kleiner Rolls-Royce gilt als so gut wie sicher. Doch auch die bekannten Ausstatter der zahlungskräftigeren Kundschaft denken über Neues nach. So hat Mercedes zu Jahresbeginn die Studie Ocean Drive präsentiert. Dabei handelt es sich um eine Art Wiedergeburt einer fast schon vergessenen Fahrzeugklasse: des luxuriösen, viersitzigen und auch viertürigen Cabriolets mit Abmessungen einer Staatskarosse.

Über eine Serienfertigung denkt man in Stuttgart intensiv nach. Bei BMW wiederum hält man sich zur Zukunft des CS bedeckt - die viertürige Coupé- Studie sorgte im April auf der Schanghai Motor Show für Aufsehen. Sie könnte oberhalb der 7er-Reihe angesiedelt sein - als Nachfolger für das glücklose 8er-Coupé. Doch auch die Klassiker der Oberklasse werden in absehbarer Zeit in überarbeiteter Form erneut an den Start gehen, wie immer als Limousinen. Man darf 2009 mit dem nächsten BMW 7er und 2010 mit dem neuen Audi A8 sowie einer neuen Mercedes S-Klasse rechnen. Und auch der Phaeton wird 2011 einen Nachfolger bekommen. Bis dahin dürfte aber auch im klassischen Limousinen-Bereich die Konkurrenz größer geworden sein.

Toyotas Luxus-Marke Lexus konnte ihren Erfolg unter anderem auch wegen des Einsatzes der Hybrid- Technik in der Oberklasse steigern - mit dem 600h wird gerade eine Hybrid-Limousine in der Preisklasse von 100 000 Euro präsentiert. Bis zum Ende des Jahrzehnts will man die Verkaufszahlen bei uns von derzeit rund 6000 auf gut 10 000 erhöhen - und so kommt zur Wahl zwischen Limousine, Limousinen-Coupé, Sportwagen und SUV auch noch die Frage dazu, ob das Geld nicht auch in einem Wagen mit Hybridantrieb gut angelegt wäre.

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