Nacktes Uberleben

- Die Sorgenfalten auf der Stirn so mancher Manager in der Motorradbranche werden immer tiefer. Denn auch im Jahr 2004 wurden wieder weniger Bikes verkauft, die Krise wird für einige Hersteller so langsam existenziell. Doch während die Gebeutelten in den vergangenen Jahren ihr Heil in immer neuen Superlativen - stärker, schneller, teurer - suchten, scheint jetzt eine Trendwende eingeläutet worden zu sein: Immer mehr einfachere, bezahlbare Motorräder werden angeboten, teurer Schnickschnack weggelassen.

<P>Naked Bikes, unverkleidete Zweiräder, sind schwer im Kommen, es geht schließlich ums nackte Überleben. Das Angebot an Motorrädern, die auf vermeintlich überflüssige Kunststoffund Metallteile verzichten, reicht von der auf der Intermot in München vorerst nur der Presse gezeigten BMW K 1200 R mit rund 160 PS (118 kW) Leistung bis hin zum Honda-Roller Zoomer 50, der mit Vierventil-Technik, Einspritzung und G-Kat verblüfft. Die Masse des Angebotes finden Interessenten aber in der breiten Mitte - in Bezug auf Hubraum, Leistung und Preis. Überschneidungen im Angebot der Naked Bikes gibt es mit der Supermoto-Klasse, in der die Entwicklungsingenieure und Marketingstrategen ein bislang wenig beachtetes Segment fanden. </P><P>Einen besonders spektakulären Auftritt feiert hier KTM mit der 950 Supermoto (98 PS/72 kW) und der 120 PS (88 kW) starken 990 Superduke. Natürlich gibt es auch in der Saison 2005 bei den prestigeträchtigen Supersportlern wieder spektakuläre Neuheiten wie die 178 PS (131 kW) starke Suzuki GSX-R 1000 oder die Ducati 999R (150 PS/110 kW). In der heiß umkämpften 600-er-Klasse buhlen Hondas CBR 600 RR (117 PS/86 kW), Kawasakis Ninja ZX-6RR, die Triumph Daytona 650 (114 PS/84 kW) sowie die Yamaha YZF-R6 (120 PS/88 kW) um die Gunst der Käufer. </P><P>Im Gegensatz zu den meisten japanischen Mitbewerbern schwimmt BMW auf einer Erfolgswelle: Der deutsche Hersteller verteidigte seinen ersten Platz in der Zulassungsstatistik vor Honda und Suzuki. Ein Grund für den Erfolg ist die konsequente Modellpolitik, die nicht den Trends hinterherhechelt, sondern vielmehr die Richtung vorgibt. Außerdem bietet BMW das umfassendste Angebot an Sicherheitsausstattung. Früher belächelte die Konkurrenz die ABSOption, heute versucht sie verzweifelt, von diesem Markt noch ein paar Krümel zu erwischen. </P><P>Allerdings scheint BMW vom Erfolg etwas überrannt worden zu sein, denn sowohl die neue Enduro R 1200 GS als auch den spektakulären Sporttourer K 1200 S plagen Qualitätsprobleme. Probleme finanzieller Art bereiten in Italien den Managern Sorgen. Auch nach der Übernahme von Aprilia, Moto Guzzi und Laverda durch die Piaggio- Gruppe steht hinter den Traditionsmarken ein großes Fragezeichen, ebenso muss sich in Zukunft zeigen, wie erfolgreich der Einstieg von Proton bei MV Agusta ist. </P><P>Einzig Ducati und die kleine Edelschmiede Bimota blicken mit berechtigtem Optimismus in die Zukunft. Neue Impulse und sicherlich auf Dauer ernsthafte Konkurrenz kommen in Zukunft aus China. Derzeit werden dort jährlich rund 15 Millionen neue Motorräder gebaut. Vorerst gelangen nur wenige davon nach Deutschland, doch wer die Produkte von Zongshen & Co. wegen ihres wenig aufregenden Designs und bislang rückständiger Technik nur mitleidig belächelt, der unterschätzt die Hartnäckigkeit der Chinesen. Und vielleicht lachen einmal nur noch die. </P>

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