Jede Veränderung der Benzinpreise muss gemeldet werden. Verbraucher können das im Internet verfolgen. Foto: dpa

Seit Donnerstag online abrufbar

Niedrigere Spitpreise? Das bringt die neue Meldestelle

München - Seit Anfang des Monats müssen Tankstellen ihre Benzinpreise an eine zentrale Markttransparenzstelle melden. Seit Donnerstag stehen die Daten allgemein im Internet zur Verfügung. Doch welche Veränderungen bringt das mit sich?

Der Startschuss fiel früher als erwartet: Schon gestern waren die Daten der neuen Markttransparenzstelle für Kraftstoffe auf Internetportalen zugänglich. Eigentlich wurde noch mit mehreren Wochen Anlaufzeit gerechnet. Doch Andreas Mundt, Chef des Bundeskartellamts, gab die Daten überraschend frei. Der ADAC, clever-tanken.de, mehr-tanken.de und spritpreismonitor.de sind die ersten Anbieter, die alle Benzin- und Dieselpreise, die Tankstellenbetreiber seit Anfang September melden müssen, auch Verbrauchern zugänglich machen. Seit gestern, 13.30 Uhr, sind sie im Probebetrieb im Netz. Der Zugriff war aber zunächst nicht einfach. Die Portale waren teilweise überlastet, weil sie das 20-Fache der üblichen Anfragen bewältigen mussten.

Auch kostenlose Apps für Smartphones werden bereits angeboten. Damit kann man auch unterwegs die billigsten Tankstellen suchen.

Auswirkungen auf Preise eher gering

Was die neue Transparenz unter dem Strich bringt, darüber gab es im Vorfeld unterschiedliche Einschätzungen. Doch große Auswirkungen auf die Preise an den Zapfsäulen erwartet niemand. Auch Verbraucherschützer sind derzeit noch zurückhaltend. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffpreise ist aus Sicht von Verbraucherschützern begrüßenswert, aber kein Wundermittel für niedrige Benzinpreise. „Wir werden nicht erleben, dass jetzt auf einmal die Preise purzeln“, sagte der für Mobilität zuständige Referent der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Martin Klug.

Völlig neu ist das alles ja nicht. Schon seit Jahren gibt es im Internet recht zuverlässige Benzinpreisportale, die auf freiwilligen Meldungen von Tankstellen oder Tankkunden basieren. Schon diese Portale und Smartphone-Programme bieten brauchbare Informationen – wenngleich mit Lücken. Diese werden nun geschlossen. „Es gibt mehr und zuverlässigere Daten“, urteilen übereinstimmend Martin Richter von benzinpreis.de und Steffen Bock, Betreiber von clever-tanken.de, sowie der ADAC.

Preisschraube dreht sich langsamer

Über die größere Zuverlässigkeit der Daten hinaus registrieren Betreiber schon, dass der Rhythmus des Auf und Ab bei einigen Tankstellen sich verlangsamt. Wo bisher drei bis vier Mal täglich an der Preisschraube gedreht wurde, sind es inzwischen nur noch zwei bis drei Bewegungen, sagt Richter. Eines wird sich für die Betreiber ganz sicher ändern: Sie haben künftig die gleichen Daten.

Um sich von den Konkurrenten abzuheben, kommt es also auch auf den Zusatznutzen an. Wie komfortabel führt eine Smartphone-App zur gesuchten billigen Tankstelle? Was bietet die Tankstelle außer Sprit noch an? Lohnt es sich, noch zu warten, weil die Preise fallen könnten? Oder sollte man schnell tanken, weil die Tendenz nach oben geht?

Ein Blick in die Zukunft

Dazu wertet etwa das Münchner Portal benzinpreis.de auch die Entwicklung der Rohölpreise und die Raffineriepreise für Benzin und Diesel aus. Mit interessanten Ergebnissen: Steigt der Rohölpreis, gehen die Preise an den Zapfsäulen meist schon nach einer Stunde nach oben. „Bei fallenden Rohölpreisen kann es drei Tage dauern, bis das Benzin für Verbraucher billiger wird“, sagt Martin Richter.

Faustformeln helfen nicht weiter

Was längst nicht mehr weiterhilft, sind Faustformeln wie: „Am Montag ist Benzin billiger“. Sie stimmen einfach nicht, ist die Erfahrung der Portalbetreiber. Auch eine beste Tageszeit für Sparfüchse gibt es nicht. „Manchmal ist es für einige Monate günstiger, morgens zu tanken“, sagt Richter. „Dann wechselt das – und Benzin ist in der Tendenz am Abend billiger zu haben.“

Eines ist sicher. Das Katz- und-Maus-Spiel zwischen den Tankstellen beim Auf und Ab der Preise wird weitergehen. Auch die Tankstellenbetreiber können die Daten ja für ihre eigenen Interessen nutzen und feststellen, wie weit ihr Preisspielraum nach oben ist. Einige Experten erwarten deshalb insgesamt sogar ein steigendes Preisniveau. Martin Richter rechnet aber damit, dass es billiger wird, weil einige Tankstellen, die bisher kaum aufgefallen sind, die neuen Möglichkeiten nutzen, um mit Kampfpreisen massiv um Kunden zu werben.

Martin Prem

So rufen Sie die Preise ab

Derzeit gibt es die Daten der Markttransparenzstelle auf vier Portalen. Die Adressen lauten: www.clever-tanken.de, www.mehr-tanken.de, www.spritpreismonitor.de und www.adac.de. Acht weitere Portale werden in den nächsten Tagen folgen.

Eingeben muss man die Spritsorte (Diesel, Super E10 oder Super E5 – Gas und Super Plus werden nicht erfasst) und den Standort (in Großstädten sinnvollerweise die Postleitzahl).

Nicht bei allen Portalen ist die Reihenfolge nach Preis voreingestellt. Um wirklich die günstigsten Tankstellen ganz oben zu finden, muss man bei ihnen den entsprechenden Reiter anklicken.

Wer die billigsten Tankstellen auch auf dem Smartphone haben will, kann sich die entsprechenden Apps herunterladen. Einige der Betreiber hatten ursprünglich kostenpflichtige Angebote geplant. Nun sieht es so aus, als ob sich kostenlose und werbefinanzierte Lösungen durchsetzen. Man kann also ohne Kostenrisiko problemlos mehrere Angebote ausprobieren, um die am besten geeigneten herauszufinden.

Entsprechende Apps gibt es für iOS (iPhone und iPad), Android und Windows Phone.

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