Nobler Raum-Gleiter

- Mercedes-Benz geht neue Wege: Die Schwaben stellen jetzt ein Reisefahrzeug vor, das in der Premiumklasse derzeit noch konkurrenzlos ist. Die R-Klasse ist nämlich eine in dieser Form noch nicht gebaute Mischung aus exklusiver Limousine, Kombi und Van, die die Schwaben als großen Sports Tourer vermarkten. Zunächst bringt Mercedes die R-Klasse im Herbst in einer Langversion auf den US-Markt; die europäische Version, die es zusätzlich mit verkürzten Abmessungen gibt, kommt im Februar 2006 zu den Händlern.

Der Einstiegspreis für den R 350 mit 272 PS dürfte bei knapp 50 000 Euro liegen. Hauptmarkt des neuen Modells sind die USA. Dort wird die R-Klasse nicht nur gemeinsam mit der M-Klasse in Alabama produziert, dort kommt sie auch bereits im Herbst als 5,16 m lange Version zu den Händlern. Fast 50 Prozent der Jahresproduktion will man in Nordamerika verkaufen, 40 Prozent gehen nach Europa. Hier steht zudem eine um 24 cm verkürzte Variante zur Verfügung, die auch innen etwas knapper geschnitten ist als die US-Version. Diese überzeugt bei 3,22 m Radstand mit überaus üppigem Platzangebot auf sechs Einzelsitzen: Bein- und Kopffreiheit in der zweiten Sitzreihe übertreffen das Niveau der S-Klasse, und auch in der dritten Reihe lässt es sich noch erstaunlich kommod reisen. Erst wenn die R-Klasse voll besetzt ist und die fünf Mitfahrer auch noch Gepäck mitnehmen wollen, wird’s eng: Der Kofferraum fasst dann lediglich 314 Liter, 40 weniger als ein Golf. Durch Umlegen der Sitze lässt sich aus dem Tourer aber auch ein Luxus-Transporter machen, der bis zu 2385 Liter schluckt. Für den Antrieb der US-Version hält Mercedes den neuen V6-Benziner mit 272 PS im R 350 sowie den älteren V8 mit 306 PS im R 500 bereit. Die Europäer können sich außerdem noch für einen V6-Diesel mit 224 PS im R 320 CDI entscheiden. Alle Triebwerke werden mit der bekannten, stets aufmerksamen Siebengang-Automatik gekoppelt, die wie in der M-Klasse und der kommenden S-Klasse über einen Wählhebel am Lenkrad bedient wird. Die Kraft wird serienmäßig an alle vier Räder verteilt. Schon der V6-Einstiegsbenziner reicht durchaus für ein nobles Fortkommen aus, der V8 macht aus der 2,2 Tonnen schweren R-Klasse fast schon einen Sportwagen -in exakt sieben Sekunden ist man auf Tempo 100 und die Spitze liegt bei 245 km/h. Souveränes Gleiten passt allerdings eher zum Charakter der R-Klasse als ein übertrieben sportlicher Fahrstil, zumal das Fahrzeug trotz elektronischer Dämpferregelung und luftgefedertem Fahrwerk mit Sportmodus in Kurven etwas schwerfälliger wirkt als eine Limousine. Auch die Lenkung der US-Version ist reichlich indifferent und teigig, doch sowohl Lenkung als auch Fahrwerk sollen für die europäische Version noch auf hiesigen sportlicheren Standard getrimmt werden.

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