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Das sogenannte eCall-Notrufsystem wird ab April 2018 zur Pflicht. Versicherern geht das nicht schnell genug.

Ab April 2018

Notrufsystem: Versicherer machen Autobauern Konkurrenz

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München - Ab April 2018 ist das Notrufsystem eCall in Neuwagen europaweit Pflicht.  Kfz-Versicherer wollen nun den Automobilherstellern zuvorkommen.

Nach einem Autounfall zählt oft jede Sekunde. Je schneller die Rettungskräfte alarmiert werden, desto schneller können sie vor Ort eingreifen. Aus diesem Grund hat die EU-Kommission im vergangenen Jahr beschlossen, dass in jeden Neuwagen künftig ein Notrufsystem eingebaut werden soll. Die Zahl der Unfalltoten, die 2014 in der EU bei 25 700 lag, soll dadurch um zehn Prozent verringert werden. Ab Frühjahr 2018 müssen Autohersteller alle neuen Pkw-Modelle mit dem sogenannten eCall-System ausstatten, das bei einem schweren Verkehrsunfall kostenfrei die einheitliche europäische Notfallnummer 112 wählt. Die Versicherungswirtschaft will den Herstellern allerdings zuvorkommen. Seit Monaten arbeitet der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) an einem eigenen Unfallmeldedienst. Offenbar steht die Einführung kurz bevor. Nach einem Bericht des Finanzmagazins „Euro am Sonntag“ soll das Meldesystem bereits am 1. April 2016 starten.

Autofahrer müssten einen Spezialstecker mit dem Zigarettenanzünder oder einer anderen Stromquelle im Fahrzeug verbinden und über das Smartphone aktivieren, heißt es in dem Bericht. Bei schweren Unfällen werde der Standort über eine Zentrale in Hamburg automatisch an den Rettungsdienst gemeldet. Bei kleineren Unfällen helfe die Zentrale bei der Abwicklung und sende bei Bedarf einen Abschleppwagen. Bei einer Panne könnten Autofahrer zudem selbst den Notruf auslösen. „Es liegen bereits 500 000 der vom Autozulieferer Bosch und IBM entwickelten Stecker bei den Versicherern bereit“, schreibt das Magazin zudem unter Berufung auf Insider.

Der GDV wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern. Allerdings plant der Verband für Mitte März eine Veranstaltung zum Thema Unfallmeldedienst. Ein Starttermin in naher Zukunft ist demnach wahrscheinlich. Zumal es beim Versicherer Allianz heißt, man wolle das Unfallmeldesystem bereits im zweiten Quartal 2016 einführen – zusammen mit dem bereits angekündigten Telematiktarif für Autofahrer.

Bosch hat zudem erst vor zwei Wochen auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas einen Unfallerkennungsstecker vorgestellt, der zum Meldedienst der Kfz-Versicherer passen würde. Dabei handelt es sich um einen Adapter, mit dem sich ältere Fahrzeuge um die Notruffunktion nachrüsten lassen. Der „Retrofit-eCall-Stecker“ wird in den Zigarettenanzünder gesteckt. Ein eingebauter Sensor erkennt einen Unfall und sendet die entsprechenden Daten via Bluetooth an ein Smartphone, das den Notruf wiederum an eine angeschlossene Leitstelle weiterleitet.

Ein System, das bei älteren Fahrzeugen nachgerüstet werden kann, war auch Ziel der Versicherer. Auch Fahrer älterer Fahrzeuge hätten ein „Recht auf Rettung“ sagte dazu Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstand beim Kfz-Marktführer HUC-Coburg, im vergangenem Jahr dem Fachmagazin „Autohaus“. Zum aktuellen Stand des Unfallmeldesystems wollte sich HUK-Coburg auf Anfrage allerdings nicht äußern – mit Verweis auf den Projektkoordinator GDV.

Doch warum macht die Assekuranz den Autoherstellern überhaupt Konkurrenz? Hintergrund sind die Daten der Autofahrer. Die Versicherungswirtschaft treibt die Furcht an, dass Automobilhersteller ab 2018 Autofahrer nach einem Unfall bevorzugt in eigene Autohäuser und Werkstätten steuern könnten. Um dem entgegenzuwirken, pocht der GDV (gemeinsam mit Verbraucherschützern und dem Autoclub ADAC) auf eine unabhängige Serviceplattform für eCall. „Damit der Fahrer jederzeit frei entscheiden kann, ob und wem er seine Daten zur Verfügung stellt, ist eine so genannte offene und standardisierte Schnittstelle nötig. Nur so behält der Verbraucher die Kontrolle über seine Daten und kann das beste Angebot auswählen – vom Automobilhersteller, Versicherer, Kfz-Betrieb oder Automobilclub“, erläutert dazu Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung. Nur so könnten faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen und ein Datenmonopol der Automobilhersteller verhindert werden.

Fakt ist, dass manche Hersteller wie etwa BMW oder Opel bereits eigene fest eingebaute Notrufsysteme mit Zusatzfunktionen anbieten – eingebettet in die Bordelektronik. Das Problem: Solche privaten Dienste funktionieren unter Umständen nicht überall in der EU. Anders als das eCall-System, das als „schlafendes System“ nur im Fall eines Unfalls aktiv wird, sehen Datenschützer zudem Zusatzdienste kritisch. Sie raten, beim Autokauf künftig genau darauf zu achten, ob der Hersteller mit dem Infotainment-Programm gleich die Zustimmung zum Sammeln und Nutzen von Daten verbunden hat.

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