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Ab 1. November gilt das EU-Reifenlabel: Die Hersteller tüfteln für die Bestnoten

Das neue EU-Reifenlabel

Reif für das Doppel-A

Überall schauen wir hin, wir Autofahrer und Autofahrerinnen. Auf den Lack, auf die Farbe, auf die Ledersitze, auf die PS-Zahl im Datenblatt und auf den Preis für die ganze Gaudi. Bloß auf eins schauen wir nicht: nämlich auf die Reifen.

Profil im Blick: Uli Heichele (l.) mit Antti-Jussi Tähtinen

Eigentlich ein Fehler. Denn: Die Reifen machen viel mehr aus als man meint. Unter anderem geht rund ein Fünftel des Sprits nur dafür drauf, den Rollwiderstand der Reifen zu überwinden. Auch Sicherheit und Fahrspaß hängen ganz wesentlich von der Bereifung ab. Deshalb tun wir jetzt mal das, was sie in der Formel 1 schon längst tun: Beschäftigen wir uns ein bisschen mit Reifen:

Doppel-A, das Maß aller Dinge. Ab 1. November werden nicht nur Kühlschränke und Waschmaschinen mit bunten Buchstaben-Aufklebern der EU verkauft, sondern auch Autoreifen. Und seit klar ist, dass es so kommt, arbeiten die Hersteller mit Hochdruck an Reifen, die in den beiden ausgewählten Kategorien auf Bestwerte kommen. Diese Arbeit: Mittlerweile zeigt sie sich in greifbaren Ergebnissen.
Einige größere Firmen, darunter Pirelli, Goodyear und Bridgestone, haben schon AA-Modelle entwickelt – und auch der kleinere Hersteller Nokian hat jetzt gerade einen Sommerreifen mit doppelter Bestnote vorgestellt. eLine: So nennen die Finnen ihr Vorzeigeprodukt.

Ab November: Neues EU-Ökolabel für Reifen

Ab November: Neues EU-Ökolabel für Reifen

Die beiden ausgewählten EU-Kategorien (nämlich Rollwiderstand und Nassbremsen) sagen zwar nicht alles über den Reifen aus, geben aber doch einen groben Hinweis. Das gilt vor allem deshalb, weil die beiden Werte normalerweise gegeneinander arbeiten. Will meinen: Wer einen Reifen mit guten Nassbrems-Eigenschaften baut, wird als Ergebnis hohen Rollwiderstand bekommen. Außer, man tüftelt und tüftelt und tüftelt… Juha Pirhonen aus der Nokian-Entwicklungsabteilung sagt: „Dazu waren völlig neue Struktur-Entscheidungen notwendig.“

Doppelte Bestnote: Der eLine-Reifen des finnischen Herstellers Nokian erreicht Doppel-A

Alles hochkompliziert – zum Beispiel mit der Frage, ob flache Lamellen im Profil besser sind als tiefe Einschnitte. Neue Materialien haben sie auch eingesetzt – und die Gummimischungen sind eine Wissenschaft für sich. Rausgekommen ist etwas, das Pirhonen „ein Gesamtkunstwerk“ nennt. Für uns spröde Fahrer, denen das Gummi-Kunstempfinden abgeht, bleiben vor allem praktische Erwägungen. Und die haben’s in sich. Was das Nassbremsen angeht: In der EU-Messung zählt der Bremsweg bei 80 km/h. Und da liegt der Unterschied zwischen Klasse A und Klasse F bei mehr als 18 Metern, also fast vier Autolängen. Welche Auswirkungen das in einer gefährlichen Situation haben kann, kann sich jeder selbst ausmalen.

Der zweite wesentliche Wert betrifft direkt den Geldbeutel und die Umwelt. Rollwiderstand ist Spritverbrauch. Und da, so sagen die Hersteller, ließen sich bis zu 0,6 Liter auf 100 Kilometer sparen, wenn man einen A-Reifen mit einem der schwächsten Kategorie vergleicht.

Fertig entwickelt ist der Nokian eLine bisher in einer Größe: 205/55R16, das passt für die Golf-Klasse. Verkaufsstart ist im Frühjahr. Fünf weitere gebräuchliche Größen sollen folgen. Und an der Kasse? Konkrete Zahlen gibt’s noch nicht. Marketing-Manager Antti-Jussi Tähtinen sagt uns auf Nachfrage aber: „Die Preise für den eLine werden rund zehn bis 15 Prozent über denen für unsere herkömmlichen Reifen liegen.“ Damit dürfte ein Satz der Größe 205/55R16 wohl knapp über 300 Euro liegen.

Was das alles jetzt für uns als Autofahrer (und damit Reifenkäufer) heißt? Das Doppel-A ist wohl am besten als eine Art erster Hinweis zur Einordnung zu verstehen. Hoch entwickelt, spritsparend, gut beim Nassbremsen. Ob dieser Reifen dann aber tatsächlich nicht nur in den zwei EU-Kriterien, sondern über die komplette Bandbreite der richtige für mich ist? Um das rauszufinden, empfiehlt sich immer noch ein Gespräch mit dem Reifenhändler.

Uli Heichele

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