Mit Nummernschild gegen Fahrraddiebe

Heidelberg - Fahrradklau ist ein Dauerärgernis. Die Aufklärungsquote ist gering. Daher versuchen es verschiedene Städte nun mit Nummernschildern am Sattel oder einem Chip im Fahrrad.

Jedes Jahr werden Hunderttausende von Fahrrädern in Deutschland geklaut, die Polizei ist oft machtlos. Besonders beliebter Schauplatz des Fahrraddiebstahls: Universitätsstädte. “Mir sind in diesem Jahr schon zwei Räder gestohlen worden, obwohl ich sie jeweils mit einem Panzerschloss geschützt hatte“, sagt eine 26-jährige Studentin aus Heidelberg. Sie kauft gerade in einem Gemüsegeschäft in der Heidelberger Weststadt ein. Vor dem Laden werden regelmäßig abgestellte Räder, Kinderwagen und sogar Dreiräder für Kleinkinder geklaut.

“Da die Räder nur wenige Tage in Gebrauch waren, hatte ich noch die Kaufbelege und die Rahmennummern sowie die Quittung über den Schlosskauf. Nun habe ich mir ein altes klappriges Rad besorgt, das ich noch nicht einmal mehr abschließe“, sagt sie. Die Studentin hatte Glück, da sie nach Anzeigen bei der Polizei jeweils 500 Euro von ihrer Hausratversicherung zurückbekam.

Letztes Jahr wurden bundesweit laut Bundeskriminalamt rund 306 000 gestohlene Fahrräder registriert - ein Tiefststand. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) schätzt jedoch, dass in Wirklichkeit etwa doppelt so viele Fahrräder gestohlen werden: “Die Dunkelziffer ist etwa noch mal so hoch“, sagt Sprecherin Bettina Cibulski. Viele Geschädigte melden sich nicht bei der Polizei, da sie ihre Velos nicht einzeln oder über ihren Hausratschutz versichert haben. Und die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen ist ohnehin mies.

So zum Beispiel in Münster, Hochburg für Radler und Fahrraddiebe. Knapp 5400 Stück sind allein im Jahr 2009 auf Münsters Straßen verschwunden, nur 430 der Diebstähle wurden aufgeklärt. Deswegen zählt die Stadt auch zu den Schlusslichtern der allgemeinen Aufklärungsquote. Die Polizei will das ändern und ruft zu Registrierungen auf. “Insgesamt befinden sich jetzt über 115 000 Münsteraner Räder im Bestand der polizeilichen Fahrradhalterdatei“, schildert eine Sprecherin.

In der westfälischen Kleinstadt Rheine sollen auffällige Nummernschilder für mehr Sicherheit sorgen. “Wir haben bei den Fahrrad-Diebstählen einen Rückgang von einem Drittel“, sagt eine Sprecherin der Stadt. So seien laut Polizeistatistik 2010 nur noch 1250 Räder abhandengekommen. Und wichtiger: Von den rund 8500 registrierten Rädern sind nur 12 verschwunden. “Die auffälligen Schilder schrecken potenzielle Diebe offensichtlich ab.“

Die Aufkleber gleichen TÜV-Plaketten und kleben an der Fahrradstange unterhalb des Sattels. Spezialfolie verhindert das leichte Abkratzen. “Um keine Spuren zu hinterlassen, benötigen die Täter spezielle Chemikalien“, sagt die Sprecherin.

In München gibt es dagegen eine neue und noch recht unbekannte Möglichkeit gegen Diebstahl: den Mikrochip. In einer Broschüre erklärt die Polizei, wie das funktioniert: Ein elektronischer Chip im Fahrradrahmen enthält die wesentlichen Daten des Fahrrades und des Eigentümers. Der Chip kann dann geortet werden.

Und zuletzt gibt es auch Profiteure des Diebstahls. Einer davon ist Dietrich Grobe vom “Kleinen Radhaus“ in Heidelberg: Pro Woche verkauft er mindestens ein Fahrrad, weil ein Diebesopfer dringend einen neuen fahrbaren Untersatz braucht.

dpa

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