Fun oder Vernunft

- Die Autoindustrie startet das Jahr mit einem Wechselspiel zwischen Vernunft und Vergnügen. Bei der ersten großen Messe in Detroit (13. - 21. Januar) bedient sie die Lust an PS und Luxus ebenso wie das beim US-Driver noch relativ junge Interesse an kompakten und sparsamen Autos.

Auf beinahe jedem Stand dreht sich neben einem Sportwagen, einem Luxusliner oder einem klassischen US-Muscle Car auch ein Modell im Scheinwerferlicht, das mit Hybridantrieb, Brennstoffzelle, sparsamen und sauberen Dieseln oder Benzinmotoren für den Einsatz von Ethanol auf steigende Treibstoffpreise und schwindende Ressourcen reagiert. Diese Gegensätze versuchen insbesondere die deutschen Hersteller in den USA unter einen Hut zu bringen: So hat Audi laut dem neuen Vorstand Rupert Stadler im Q7 V12-TDI nicht nur einen der stärksten Pkw-Diesel aller Zeiten enthüllt, sondern im Q7 Bluetec auch einen der saubersten Diesel der Welt eingebaut.

Auch Mercedes stellt sich dem Spagat. Deshalb zeigen die Schwaben neben der luxuriösen viertürigen Cabrio-Studie Ocean Drive Concept auch den GL 420 Bluetec, bei dem die neue Abgasreinigung zur Einhaltung der strengsten US-Abgasnormen erstmals mit einem Achtzylinder kombiniert wird. Außerdem bereiten die Schwaben in Detroit den Start des neuen Smart Fortwo vor, der 2008 auf den Markt kommen soll. Ebenfalls zwischen Vernunft und Vergnügen bewegt sich BMW: Die Bayern enthüllen in Detroit einerseits ihr neues Cabrio mit versenkbarem Stahldach in der 3er-Reihe. Andererseits stellen sie den 7er mit Wasserstoff- Antrieb sowie einen sauberen Diesel vor.

Noch größer wird die Kluft bei den US-Herstellern: So enthüllt Ford einerseits eine neue Super- Duty- Familie für die Pick-ups der F-Serie und schürt mit der Studie Interceptor die Hoffnung auf einen Mustang mit vier Türen. Auf der anderen Seite erinnert Spitzenmanager Bill Ford einmal mehr an das Bekenntnis zu kleineren und sparsameren Autos, dem er mit dem neuen, nicht vom Europamodell abgeleiteten Focus oder der Brennstoffzelle in der Zukunftsstudie Airstream nachkommen will. Ganz ähnlich macht es Konkurrent General Motors, der eine offene Version des Muscle Car Camaro und das Forschungsfahrzeug Chevrolet Volt zeigt. Der Volt ist mit einem Elektroantrieb bestückt, der Strom aus der Steckdose bekommt und in Lithium-Ionen-Batterien speichert. Geht der Energievorrat während der Fahrt zur Neige, gibt es an Bord einen kleinen Dreizylinder.

Er soll stets im optimalen Drehzahlbereich laufen und als Generator den Strom auch während der Fahrt produzieren. Einziger Haken an der Idee, die General Motors auch in Kombination mit einem Diesel, einem Motor für reines Ethanol oder einer Brennstoffzelle vorgesehen hat, ist die Batterie. Sie muss erst noch erfunden werden. Allerdings gehen Experten davon aus, dass entsprechende Stromspeicher bis 2010 oder 2012 entwickelt werden können. Dann hätte auch der Volt eine Serien-Chance.

Nicht ganz so lange warten muss man auf andere Messe-Neuheiten. So feiert Mitsubishi die Premiere des neun Lancer, der im zweiten Halbjahr nach Deutschland kommt. Rolls-Royce zeigt die Serienfassung des offenen Phantom, Chrysler enthüllt den Voyager, und Hyundai präsentiert den Luxus-Geländewagen Vera Cruz. Auch bei der Luxussparte des Ford-Konzerns stehen zwei Studien, die bald in Serie gehen. So gibt Jaguar mit dem C-XF einen konkreten Ausblick auf den Nachfolger des S-Type, der in rund einem Jahr auf den Markt kommen wird. Und wer bei Volvo die Studie des XC60 anschaut, der sieht schon viel von einem kompakten Geländewagen, den die Schweden in rund zwei Jahren auf den Markt bringen wollen.

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