Offen geröhrt

- Mit Autos der Marke Saab wird schon recht sportliches Vorankommen verbunden. Unverholenes Muskelspiel, womöglich gar protzige Spoiler, brüllender Auspuffsound und breite Schweller, das passt aber überhaupt nicht zum Schweden. Also kann ein Modell, das vom hauseigenen Tuner Hirsch bearbeitet wurde, sein neues Potenzial nur dezent zur Schau stellen.

Folglich muss man an dem von uns gefahrenen Saab 9-3 Cabrio 2.0 t Aero powered by Hirsch genau hinsehen, um die Umbauarbeiten zu entdecken. Wobei die Wichtigste, die Leistungssteigerung des Zwei-Liter-Turbomotors auf 252 von 210 PS, wohl verborgen unter der Haube steckt und erst im Fahrbetrieb bemerkbar wird. Ebenso das von 300 auf 370 Nm erhöhte maximale Drehmoment, das bei 2700 U/min zur Verfügung steht.

Das breite Auspuffrohr ist noch das auffälligste Merkmal für die Arbeit des Schweizer Veredlers. Im Fahrbetrieb zeigt sich der Saab erst einmal sehr zivilisiert. Sobald die Nadel des Drehzahlmessers jedoch die 3500er- Marke überschreitet, geht ganz ordentlich die Post ab und der Schwede treibt voran. Wer die flotte Gangart beibehalten will, muss jedoch den turbogeladenen Vierzylin- der immer schön bei (Drehzahl-) Laune halten, sonst ist’s schnell aus mit der beeindruckenden Vorstellung. Fahrwerk, Lenkung und Bremsen werden mit dem Potenzial locker fertig, und auch wenn die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h angestrebt wird, bleibt das Cabrio angenehm unaufgeregt.

Unterm Stoffdach rauscht’s dann aber gewaltig. Kein Luxus ist wegen der unübersichtlichen Karosserie die 360 Euro teure Einparkhilfe. Offene Fahrten sind mit Windschott (Aufpreis: 438 Euro) angenehm, möglich sind dann sogar Tempi jenseits der 200-km/h-Marke. Dann aber wird der sanfte Wind zum Orkan. Nur: So wird das Cabrio zum Zweisitzer. Schade, denn es darf maximal stattliche 310 Kilogramm zuladen, die vier Plätze könnten also gut besetzt werden.

Der Verbrauch variiert stark: Bei dezentem Umgang mit dem Gaspedal (aber dennoch zügiger Fahrweise) sind’s um die neun Liter auf 100 km, beim konsequenten Ausreizen des sportlichen Potenzials muss man mit mindestens zwölf Liter Superbenzin kalkulieren. Für das schwedische Cabrio mit Schweizer Sportgenen müssen 39 900 Euro Basispreis und für die Leistungssteigerung auf 252 PS noch einmal 3900 Euro hingeblättert werden. Da ächzt dann erst das Sparschwein, bevor der Hirsch röhrt.

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