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25 Jahre Boxster: So rettete dieses Kult-Cabrio ganz Porsche

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Porsche Boxster rot Heck Sonnenuntergang

Aufbruch in eine große Zukunft. Der Porsche Boxster verkaufte sich über 350.000 Mal. © Porsche

Dieses Cabrio box(s)te Porsche aus der Krise. Mit dem Boxster fing der Höhenflug der Sportwagenbauer an. Nostalgiefahrt im 25. Jubiläumsjahr des Sportwagens.

Es ist das Jahr von Klon-Schaf Dolly, erstmalig besiegt der Schachcomputer Deep Blue einen Menschen, die Pop-Gruppe Take That trennt sich endgültig. 1996 ist aber auch das Jahr von Porsche*. Nach einer langen Durststrecke mit rückläufigen Absatzzahlen und viel zu hohen Produktionskosten, in der Porsche sogar als Übernahmekandidat gehandelt wurde, bringt der Boxster Hoffnung. Ein neuer Roadster mit einem Boxermotor.

Porsche Boxster silber Werbung Frau mit weißem Sommerkleid

So sah Werbung in den 1990er Jahren aus. Ein flottes Cabrio, eine junge Frau im Sommerkleid. © Porsche

25 Jahre Boxster: Aber wie entstand eigentlich der Name?

Aus Roadster und Boxer wird Boxster. Porsche stellt die erste Studie dazu anno 1993 bei der Autoshow in Detroit vor, als die US-Stadt noch das Mekka der Automobilindustrie ist. Der Boxster spielt sich sofort in die Herzen von Kritikern und Kunden. Drei Jahre später kommt er auf den Markt. 10.000 Vorbestellungen liegen damals schon vor. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter. Von der ersten Generation werden knapp 165.000 Exemplare verkauft.

Porsche Boxster

Ein Erfolg, viele Väter - und Mütter. Hier versammelt sich die Crew, die den Porsche Boxster auf die Erfolgsspur brachte. © Porsche

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Absatz zu gering, Produktionskosten zu hoch

Die Geburtsstunde des Kult-Cabrios, das heuer seinen 25. Geburtstag feiert, ist dunkel. Der Preisverfall des Dollars lässt den wichtigen Überseemarkt Anfang der 1990er Jahre fast zusammenbrechen. Auf der anderen Seite verursachen die technisch eigenständigen Modellreihen 911, 944, 968 und 928 hohe Produktionskosten. Mit der Idee eines völlig neuen, offenen Sportwagens verfolgt Porsche zwei Strategien.

Porsche Boxster alle Generationen

Familie Boxster von oben. Vor genau 25 Jahren lief das erfolgreiche Cabrio zum ersten Mal vom Band. © Porsche

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Ein echter Porsche, nur viel billiger

Eine neue Zielgruppe soll her – und das geht nur über den Preis. Ziel sind 70.000 Mark, 76.500 sind es beim Start. Und damit rund 50.000 Mark weniger als beim 911er. Ein echtes Kaufargument für jüngere Kunden. Daraus leitet sich das zweite Ziel ab: Um so ein – für einen Porsche – günstiges Cabrio zu bauen, müssen die Produktionskosten herunter. Und das geht nur mit gleichen Teilen über die Baureihen hinweg. Vorderwagen und Türen sind mit dem 911er identisch, der erst ein Jahr später auf den Markt kommt.

Porsche Boxster Studie Automesse Detroit

Vorstellung in Detroit. Die Studie des Porsche Boxster debütierte anno 1993 in der US-Autostadt. © Porsche

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Der 550 Spyder stand Pate

Zum Verwechseln ähnlich, zumindest von vorne. Das soll auch so sein, denn schließlich soll man dem Neuen sofort ansehen: Das ist ein echter Porsche. In seiner Studie zitiert Designer Grant Larson Sportwagen-Klassiker wie den legendären 550 Spyder oder den 718 RS60 aus den fünfziger Jahren. Mittelmotor, kurze Karosserieüberhänge am Heck, lange Motorhaube und der mittig montierte Auspuff – das gefällt dem Publikum in Detroit auf Anhieb. Die Verantwortlichen entscheiden: „Bitte die Studie genauso bauen!“

Porsche Boxster weiß Skizze Design

So sah der Porsche Boxster in der Rohversion aus. © Porsche

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Boxermotor jetzt auch mit Wasserkühlung

1996 rollt der neue Boxster vom Band. Herzstück ist der Sechszylinder-Boxermotor, der erstmalig in der Serie mit Wasserkühlung daherkommt. Aus 2,5 Litern holt der Motor in der ersten Generation immerhin 204 PS mit einem Drehmoment von 245 Nm heraus. Das reicht für einen Spurt von 6,9 Sekunden von 0 auf 100 und einer Endgeschwindigkeit von 240 km/h. Damit liegt der Boxster weit vorne. Die Konkurrenz von BMW Z3 und dem ebenfalls gerade vorgestellten Mercedes SLK läuft der Roadster jedenfalls den Rang ab.

Porsche Boxster gelb Rudolf Bögel

Nostalgie-Testfahrt. Vor dem Porsche-Museum holt unser Autor Rudolf Bögel den Boxster ab. © Porsche

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Und so fährt sich der Youngtimer

Platz nehmen in der Vergangenheit: der gelbe Boxster, der unsere Testfahrt am Porsche-Museum bereitsteht, wurde 1996 gebaut. Leider kein Cabrio-Wetter, es stürmt, schneit und rieselt über der schwäbischen Alb. Erster Eindruck: Irre, wie schnell die Zeit vergangen ist, das Interieur sieht gar nicht nach Gestern aus. Rotes, feines Leder und Rundinstrumente. Fast so wie heute, nur dass Drehzahlmesser, Tacho, Kühlwasser-Temperatur und Tankinhalt natürlich noch analog sind. Gestartet wird wie bei Porsche üblich links vom Lenkrad und – Glück gehabt – der Testwagen hat das Fünfgang-Getriebe mit Handschalter. Damals gab es auch eine Automatik, die man am Lenkrad per Knopfdruck schalten konnte.

Porsche Boxster silber

25 Jahre danach. Der Boxster hat sich von ursprünglich 204 auf 400 PS bei den GTS-Modellen gesteigert. © Porsche

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Porsche Boxster: Sportwagen mit Mittelmotor – ein echter Genuss

Ab geht es auf die Landstraßen rund um Zuffenhausen, rein in die schwäbische Alb. Der Asphalt ist schmierig, da heißt es „Vorsicht!“ mit dem Heckantrieb. Aber der Boxster liegt erstaunlich gut auf der Straße – ist halt ein Sportwagen mit Mittelmotor. Ein stabiles Brett. Langsam kommt der Mut zurück. Der Youngtimer tänzelt, als ob keine 25 Jahre vergangen wären. Mit Schwung rein in die Kurve, mit Vollgas wieder raus. Und immer schön schalten, der Boxer-Motor braucht Drehzahl. Ab 4000 U/min macht der Motor mächtig Druck, das anfänglich leicht unterschätzte Moment von 245 Nm ist tatsächlich ausreichend.

Porsche Museum Oldtimer

Ein Hoch auf dieses Regal. Im Zuffenhausener Porsche-Museum werden Autoträume gestapelt. © Porsche

Bald ist der Boxster ein Oldie – soll man ihn kaufen?

Nach Ende der nostalgischen Testfahrt lautet unser Fazit: 25 Jahre hat dieses Modell schon auf dem Blech. Aber ansehen tut man sie dem Boxster nicht. Ein Youngtimer, der schon in fünf Jahren zum Oldtimer reift. Vielleicht ein Oldie, der sich als Investment eignet. Exemplare mit wenigen Kilometern Laufleistung werden zwischen 20.000 und 30.000 Euro gehandelt. Eines ist jedenfalls sicher: Mit dem Ur-Boxster kauft man sich jede Menge Fahrspaß. Auch heute noch!

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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