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Kritik am bisherigen Modell

Prüfer auf dem Prüfstand: Wie unabhängig sind Tüv & Co?

Stuttgart/Berlin - Im Zuge des VW-Abgasskandals sind auch die Prüfdienste in die Kritik geraten. Dekra, Tüv oder GTÜ checken bei der Typgenehmigung neuer Modelle auch, ob die Grenzwerte für Stickoxide und CO2 eingehalten werden. Doch was ist daran auszusetzen?

Wer sucht die Prüfdienste aus?

Die Prüfdienste werden vom Kraftfahrtbundesamt benannt. Wer allerdings welches Modell vor der Erstzulassung überprüft entscheiden die Autohersteller selbst. Sie beauftragen den jeweiligen Prüfdienst, wenn sie ein neues Modell auf den Markt bringen wollen.

Wer bezahlt die Prüfdienste?

Das sind ebenfalls die Autohersteller. Sie tragen als Auftraggeber die Kosten für die Überprüfung vor einer Typgenehmigung.

Wo werden die Autos geprüft?

Sofern die Technischen Dienste eigene Abgaslabore haben, findet der Check dort statt. Sie machen aber auch Hausbesuche: Im Rahmen einer so genannten „Witness-Prüfung“ beim Hersteller vor Ort begutachten die Technischen Dienste auch die Labore. „Die Labore müssen bestimmten Standards entsprechen“, erklärt Andreas Kohlhas vom Technischen Dienst der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).

Werden die Prüfdienste noch einmal kontrolliert?

Die zuständige Behörde ist das Kraftfahrtbundesamt (KBA), heißt es beim Tüv Nord. Es überwache kontinuierlich die Arbeit der Technischen Dienste. Das KBA überprüft die Technischen Dienste, deren Labore und auch Herstellerlabore regelmäßig im Rahmen der Benennungsaudits, sagt Kohlhas vom GTÜ. Das KBA könne auch zur Überprüfung bei der Typgenehmigung hinzukommen. „Ich persönlich habe das noch nicht erlebt“, so Kohlhas. Kämen Zweifel an den Messungen auf, könne das KBA jederzeit auch einen zweiten Technischen Dienst beauftragen, erklärt ein Sprecher des Tüv Süd. Ihm seien solche Fälle allerdings nicht bekannt.

Werden die Werte in der Typgenehmigung noch einmal kontrolliert?

Die Hersteller sind gesetzlich zu regelmäßigen Überprüfungen verpflichtet, heißt es beim Tüv Nord. So soll sicher gestellt werden, ob ihre Fahrzeuge auf dem Band stets so produziert werden, wie in der Typprüfung gemessen. „Die so genannte Serienüberwachung (CoP) wird vom Hersteller selbst durchgeführt beziehungsweise beauftragt und muss vom KBA regelmäßig kontrolliert werden.“

Gibt es Zweifel an diesem Verfahren?

Umweltverbände wie Greenpeace kritisieren die Nähe zwischen Technischen Diensten und Industrie. „Das ist ein Geschäftsmodell, in dem die Technischen Dienste abhängig sind“, sagt Tobias Austrup von Greenpeace. Er sieht darin ein strukturelles Problem.

Was sind Gegenvorschläge?

Die EU-Kommission hatte im Januar den Vorschlag gemacht, das Vergütungssystem der Prüfdienste zu ändern, „um finanzielle Verbindungen zwischen technischen Diensten und Herstellern zu vermeiden, die zu Interessenkonflikten führen“. Außerdem schlug die Kommission eine Überprüfung durch unabhängige Stellen und gegenseitige Kontrollen durch nationalen Behörden vor. Die Benennung von technischen Diensten könne künftig ausgesetzt werden. Nach Meinung von Greenpeace-Experte Austrup sollten unabhängige Dritte wie das Umweltbundesamt in den Prüfprozess eingebunden werden. Die EU-Kommission könnte zudem mit Hilfe ihrer Forschungsabteilung die Testergebnisse nationaler Stellen nachprüfen. Bis das allerdings durchgesetzt wird, müssen EU-Parlament und die einzelnen EU-Mitglieder zustimmen.

Was halten die Prüfdienste davon?

Die betonen, zur Transparenz beitragen zu wollen, melden aber Zweifel an einer zentralen Prüfstelle an. „Eine zentrale Prüfstelle wäre sehr aufwendig“, sagt GTÜ-Experte Kohlhas. „Der Prozess der Abgasprüfung für die Typgenehmigung ist so etabliert, dass er aus meiner Sicht, ohne Inkaufnahme großer zeitlicher und kostenmäßiger Nachteile, nicht mehr anders vorstellbar ist.“

dpa

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