Arme verschränken und das Auto fahren lassen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt rechnet in fünf Jahren mit selbstfahrenden Autos. Radarsensoren am Rand der Autobahn sollen den Autopiloten dann unterstützen.

Verkehrstechnik

Radar am Straßenrand soll Staus verhüten

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München - Radarsensoren an der Autobahn werden zum ersten sichtbaren Element des digitalen Testfelds auf der Autobahn A9 zwischen München und Nürnberg.

„Weltweit einzigartig“, lobte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt das digitale Testfeld auf der Autobahn A9 von München nach Nürnberg. Er sprach auch von der „ersten intelligenten Straße“, auf der das hochautomatisierte und vernetzte Fahren erprobt werden soll. Ein bisschen hochgegriffen war das schon. Denn was der Minister mit Infineon-Chef Reinhard Ploss und Siemens-Manager Jochen Eickholt gestern unterzeichnete, ist auf dem Weg zur Verkehrstechnologie der Zukunft nur ein vergleichweise bescheidener Schritt. Acht bis zehn Masten mit Radarsensoren werden am Rand der Autobahn aufgebaut. Damit soll untersucht werden, was diese Technik einmal leisten kann.

„Staus werden gar nicht nicht mehr entstehen“, formulierte Ploss seine Erwartungen an eine später einmal flächendeckende Radarausstattung der Straßen. Denn anhand der ermittelten Daten könne die Höchstgeschwindigkeit bei dichtem Verkehr so festgesetzt werden, dass die Autobahn am besten ausgelastet ist – und es nicht zum gefürchteten Stop-and-Go kommt. Autofahrer können auch blitzschnell vor Hindernissen – etwa einem liegengebliebenen Fahrzeug gewarnt werden – oder sogar vor Geisterfahrern. Das System kann auch feststellen, ob der Standstreifen wirklich frei ist, wenn für viel Verkehr eine zusätzliche Fahrspur benötigt wird. Das alles ist Zukunftsmusik. Denn jeder Sensor kann in beiden Richtungen rund 200 Meter weit blicken. Nur ein winziger Bruchteil der Autobahn kann zunächst mit Radar überwacht werden.

Zuerst soll ausprobiert, was man mit den Radarantennen alles erfassen kann. Und wie man die gewonnenen Daten mit denen aus den Autos verknüpft. Deshalb werden die Versuchsdaten auch Unternehmen zur Verfügung gestellt, die daraus eigenen Anwendungen entwickeln können.

Weit mehr Daten als durch die Sensoren am Straßenrand werden von den Autos selbst erfasst. Infrarotdetektoren, Kameras und Radarantennen an Bord liefern die Einzelheiten, die intelligent verknüpft schon ein sehr genaues Bild der Umgebung vermitteln.

Für Siemens-Manager Eickholt geht es aber darum die „Schwarmintelligenz der Autos zu nutzen“. Dazu müssen Daten, die ein Auto erfasst auch anderen Verkehrsteilnehmern per Mobilfunk zur Verfügung stehen – und zusätzlich die Radardaten vom Straßenrand.

So können Autofahrer auch wahrnehmen, was sich vor einem vorausfahrendem Lastzug tut. Ob dabei der Fahrer überhaupt noch aktiv sein muss oder nebenher Zeitung lesen kann, bleibt offen. Denn bereits in fünf Jahren, so rechnen Ploss, Eickholt und Dobrindt, werde es Autos geben, die einen Fahrer gar nicht mehr brauchen und autonom fahren.

Die wenigen Radarsensoren am Rand der Autobahn sollen nur ein Anfang auf diesem Weg sein. Über die Kosten wollten die Beteiligten keine Angaben machen.

Auch was die Komplettausstattung der deutschen Autobahnen mit Radarsensortechnik kosten wird, war ihnen nicht zu entlocken. „Eine Milliardensumme wird es aber nicht“, sagte ein Beteiligter, der aber nicht genannt werden will. Es seien schließlich vergleichsweise kleine und preisgünstige Sensoren vorgesehen, die nicht mit der Ausstattung und Leistung von Radaranlagen für den Luftverkehr der Raumfahrt oder mit Anlagen der Militärtechnik verglichen werden können.

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