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Feuerinferno im Tunnel: Szenarien im 3D-Labor der Universität Würzburg sollen Menschen mehr Sicherheit

Für mehr Sicherheit: Tunnelunfälle in 3D

Würzburg - Helle Flammen schlagen aus dem Wagen, der mitten im Tunnel steht. Wer jetzt zögert und in seinem sitzen bleibt, ist verloren. Mit Hilfe von 3D soll nun das Verhalten erforscht werden.

Aus dem Lautsprecher tönt eine weibliche Stimme: „Bitte gehen Sie zu den Notausgängen.“ In der grauen Röhre blinken die Warnlichtanlagen mehrerer Autos, Rauch zieht an der Decke entlang. Und inmitten des Feuerinfernos im Tunnel steht Elisa Montini. Doch in Gefahr ist die Studentin trotz des Chaos um sie herum nicht. Die 22-Jährige steht im neuen 3D-Multisensoriklabor der Universität Würzburg.

Es ist ein bundesweit einmaliges Labor für die Sicherheitsforschung in Tunneln. Damit soll ergründet werden, wie sich Menschen in einer Gefahrensituation verhalten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Projekt mit 900 000 Euro gefördert. Ziel ist, die Erkenntnisse sowohl in bauliche Veränderungen als auch in Schulungen von Auto- und Lastwagenfahrern einfließen zu lassen.

Im High-Tech-Labor in Würzburg forscht Prof. Paul Pauli.

„Man weiß noch relativ wenig über die Faktoren, die das menschliche Verhalten in Gefahrensituationen wie diesen beeinflussen“, sagt Andreas Mühlberger vom Lehrstuhl für Psychologie. Er leitet gemeinsam mit Lehrstuhlinhaber Paul Pauli das Projekt. „Bekannt ist jedoch bereits, dass viele Menschen bei einem Brand einfach in ihrem Auto sitzen bleiben, weil sie sich dort sicher fühlen. Und sie laufen eher zu den Eingängen der Tunnel, statt die Notausgänge zu benutzen“, sagt Mühlberger. Zudem spiele auch das Rudelverhalten eine Rolle. Daher soll auch die ideale Form, Farbe und Größe von Notausgängen, Schildern und Gehwegen soll erforscht werden.

In dem zwölf Quadratmeter großen Raum aus hochsensiblen Plexiglaswänden können diese und viele weitere Faktoren nach Belieben verändert werden. „Solche Experimente wären ohne die virtuelle Welt im Labor nicht so einfach möglich“, sagt Pauli. Bislang haben die Ingenieure ihr Wissen für den Straßenbau und die Tunnelplanung vor allem aus bereits passierten Unfällen erlangt. Mit dem High-Tech-Labor in Würzburg können Lösungen gefunden werden, ohne dass jemand zu Schaden kommt.

„In einem Tunnel sollte man immer auf die Selbstrettung vertrauen und nicht darauf, dass man gerettet wird“, sagt Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino vom Automobilclub ADAC. Deshalb seien die Autofahrer umso mehr auf klare Zeichen und eine sinnvolle Bauweise angewiesen. Diese könnten über das Labor wunderbar optimiert werden.

Die Studentin Montini trägt für den Selbstversuch eine 3D-Brille. In der Hand hält sie einen Joystick. Über Sensoren erkennt der Computer außerhalb des 3D-Würfels, in welche Richtung sie sich bewegt und wohin sie dabei schaut. Dementsprechend wird der Blick in den Tunnel angepasst - also das Bild, das auf die Wände projiziert wird. Sie hat einen 360-Grad-Rundumblick, künftig sollen auch Gerüche eingesprüht werden. „Es wirkt sehr echt“, sagt die Erasmus-Studentin aus Italien. Sie fährt seit vier Jahren Auto. In einer solch gefährlichen Situation habe sie sich noch nie befunden. „Es ist ein gutes Training, gerade für junge Leute“, sagt sie.

Es werden nicht nur die Bewegungen der Testpersonen gemessen. Auch Puls, Schweiß und Hirnströme sollen aufgezeichnet werden. „In einer Gefahrensituation wird das Verhalten intuitiv und nicht rational“, sagt Pauli. Je besser die Wissenschaftler dieses Verhalten einschätzen können, desto besser können die Ingenieure darauf reagieren. „Denn die beste Sicherheitstechnik in einem Tunnel nutzt nichts, wenn der Nutzer sie nicht bedienen kann“, sagt Mühlberger.

dpa

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