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Zwei für eine: Redakteurin & Testerin Dorita Plange zwischen ihrem Clio (l.) und dem Twingo Gordini.

Renault Twingo Gordini

Klein und schön gemein

Seit Jahren fährt Redakteurin Dorita Plange einen Clio und kennt alle seine Macken. Eine weiße Knutschkugel mit Rallyestreifen, wie der Renault Gordini-Twingo kann sie kaum schrecken, aber andere...

Der kommt mir gerade recht: schwarze Brille. Den Blick starr geradeaus gerichtet. Die Hände lässig wippend über das Lenkrad des alten Dreier-BMW gehängt, Zigarette auf dem Zahn – so steht der Voll-krass-Typ an der Ampel. Und würdigt den weißen Kleinwagen samt blonder Frau am Steuer neben sich selbstverständlich keines Blickes. Die Ampel springt um. Und Tschüss! Im Rückspiegel wird der BMW rasch kleiner. An der nächsten roten Ampel sehen wir uns wieder. Die Sonnenbrille hat er jetzt abgesetzt. Die Beifahrerscheibe geht runter. Ich könnt‘ mich kringeln vor Vergnügen. „Was‘n das?“ fragt er. Was das ist? Ein Gordini-Twingo TCe 100 natürlich! Klein und gemein – mit allem, was dazu gehört, um Typen wie diesen in die Identitätskrise zu stürzen.

Ich fahre Renault, seitdem es Clios gibt, kenne all die kleinen Tücken der Franzosen. Und nun also der hier. Ein Twingo im Gordini-Design. weiß mit beigen Doppelstreifen, ganz in der Tradition des berühmten Renningenieurs Amédée Gordini. Auf den ersten Blick geradezu beängstigend klein. Auf den zweiten Blick jedoch erweist sich der kleine Giftzwerg als durchaus alltagstaugliches Powerpaket, das Spaß macht.

Twingo Gordini TCe 100

Motor: 1,2 Liter Turbo
Zylinder: 4
Leistung: 102 PS/75kW
Hubraum: 1149 ccm
Geschwindigkeit: max. 185 km/h
Von null auf 100: 9,8 Sekunden 0-100 km/h
Drehmoment: 155 Nm
Getriebe: 5-Gang
Verbrauch: 5,7 Liter/100 km(kombiniert laut Hersteller)CO2-Emission: 132 g/km
Tankinhalt: 40 l
Leergewicht: 1051 kg
Kofferraumvolumen:
165 l, erweiterbar auf 951 l

Preis: 14.200 Euro

Unser erster Ausflug führt ins Allgäu. Unter der Motorhaube pfeift verlockend der Turbolader. Der blaue Metall-Schaltknauf liegt kühl und glatt in der Hand. Die Sitzfläche des super-bequemen, straff gespannten Sportsitzes mit breiten Seitenstützen ist sehr kurz – der alte Platzschinder-Trick. Der Tacho in der chic gestylten Armatur mit weißer Ziernaht sitzt schräg rechts vom Lenkrad und zeigt das Tempo in unübersehbaren Riesen-ziffern an. Kein Problem. Daran gewöhnt man sich sofort. Der Star-Platz im direkten Sichtfeld des Fahrers gebührt dem weißlackierten Drehzahlmesser. Das dicke Sport-Lenkrad liegt super in der Hand. Die Lenkung reagiert derart direkt, dass typisch weibliche Beschäftigungen („Wo war noch gleich der Lippenstift?“) während der Fahrt besser unterbleiben sollten.

Im Rückspiegel erscheint ein dreister Drängler. Vergiss es, Mann! Heute scheucht mich keiner so leicht von der linken Spur. Einmal Vollgas bitte. Keine Spur von Turboloch. 160, 170, 180. Kein Problem für den Gordini-Twingo. Im Radio röhrt Hubert von Goisern: „Aber brenna tuat‘s guat“ Genau! Runter vom Gas. Sonst werden wir gleich am zweiten Tag fette Beute für die grün-weiße Radar-Connection. Der Kleine liegt wie ein Brett. Ich fühle mich sicher und wohl. Und habe schon vergessen, dass ich in einem wirklich sehr, sehr kleinen Auto sitze …

Wir fallen übrigens auf, der Twingo und ich. Die schneeweiße Knutschkugel mit den beigen Rallyestreifen, der tiefen Schürze und dem frechen Gesicht stiehlt so manchem Null-Acht-Fuffzehn-Dicken die Show. Diesen „Ach-wie-süß-Effekt“ in der Öffentlichkeit hatte ich bislang eher nur Hundewelpen zugetraut. Im Stau in der Au begegnet uns ein blauer Artgenosse. Man grüßt sich in der Gordini-Familie. Das hat was.

Ausflug in die Berge, zum Spitzingsee. Die kleine weiße Bergziege zischt die steil-kurvige Bergstraße hoch, vermittelt selbst auf der Steigung zuverlässig Sicherheit beim Überholen. Ich hab noch keine Lust auf Hüttengaudi. Sorry Leute. Ich muss noch mal runter und wieder hinauf. Warum? Na, weil‘s Spaß macht.

Ein Wort zur Innenausstattung: Navi, Licht- und Regensensor, Kurvenlicht und Schiebedach – all die kleinen Annehmlichkeiten meines Clio TCe – suche ich im Gordini-Twingo vergeblich. Aber er hat das gleiche gute Sound-System mit Bedienungselementen am Lenker. iPhone samt eigener Musik und Handy-Telefonbuch lassen sich mühelos mit dem System koppeln. USB-Anschluss, Kopfhörer-Buchse, Freisprecheinrichtung – alles da. In beiden Sonnenblenden sind Kosmetikspiegel (Frauen achten auf solche Details). Eine Überraschung bergen die Rücksitze. Die lassen sich je nach Ladung einzeln flach an die Vordersitze klappen und – ebenfalls einzeln – weit vor- und zurückschieben. Ganz ohne Fingerklemmen, mit zwei Griffen. So wird aus dem ursprünglich nicht vorhandenen Kofferraum eine geräumige Ladefläche. Allerdings nur, solange hinten niemand sitzt. In diesem Fall lassen sich die Hintersitze so weit zurückschieben, dass zwei Erwachsene bequem Platz haben. Der Kofferraum hat sich damit allerdings erledigt.

Der Gordini-Twingo ist ein perfekter Zweitwagen oder Single-Flitzer für Leute mit wenig Gepäck und viel Spaß an sportlicher Fahrweise. Die Stunde des Abschieds naht. Ich habe ihn ins Herz geschlossen, den kleinen Verrückten. Wirklich entbehrt habe ich lediglich das Navi. Und so reihe ich mich wieder ein in die Riege der Normalos und lass mich wieder klaglos von Voll-krass-Typen und Dränglern abhängen. Obwohl: Es gibt auch Gordini-Clios. Ich sollte mal mit meinem Händler sprechen …

Dorita Plange

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