Im Revier der Tiger

München - Angetreten war die Tiger vor 13 Jahren als kernige Groß-Enduro, um den arrivierten Modellen aus Deutschland und Japan ordentlich Dampf unterm Hintern zu machen. Doch die englische Raubkatze blieb trotz guter Kritiken im Kampf um die Käufer eher zahnlos und war vornehmlich ein Fall für Individualisten.

Jetzt ist die neueste Version beim Händler: Sie wird von einem Dreizylindermotor angetrieben, der 116 PS leistet. Dass das Revier der Tiger nun ein anderes ist, betont auch Triumph. Der Hersteller bezeichnet die Klasse, in welcher der Nachfahre der einstigen Groß-Enduro an den Start geht, nunmehr als "Urban Sport", also als Sportler für die Stadt.

Nun, durch die Häuserschluchten kurvt man auf der Tiger anfangs vielleicht etwas wackelig - zumindest so lange, bis man sich an die 85 Zentimeter Sitzhöhe, den breiten Lenker und den großen Lenkeinschlag gewöhnt hat. Doch dann aber genießt man das handliche Motorrad total. Noch größer wird der Genuss natürlich, sobald es raus geht aus der Stadt. Dann sind flugs und butterweich die sechs Gänge hochgeschaltet und der 1050-ccm-Motor, der aus der Speed Triple stammt, darf nicht nur schnurren, sondern auch mal knurren.

Wenn die volle Leistung abgerufen wird, also die Nadel des Drehzahlmessers die 9000er-Marke überschreitet, zeigt die Tiger gewaltig ihre Krallen. Und wer sich dann nicht beherrschen will, dem kann in Kurven schon mal die Straße ausgehen. Doch mit weniger Power gehts auch, und die Funktion des an unserem Modell als 800 Euro teures Extra eingebaute ABS muss man ja nicht unbedingt im Extremfall austesten. Wobei das Revier der Triumph von der kerzengeraden Autobahn, wo die Tiger bis zu 220 km/h schnell und stur geradeaus rennt, bis zur kleinen und winkligen Landstraße reicht.

Das satte Gesamtgewicht von 229 Kilogramm macht sich nur in sehr engen Kurven bemerkbar und erfordert einen festen Griff am Lenker. Ansonsten wuselt die Katze sehr geschmeidig und sehr zügig auf dem Asphaltband dahin. Die Verkleidung schützt den Fahrer ganz ordentlich vor Wind und Wetter, während der Sozius, der auf gut einem Meter Sitzhöhe thront, schon ein bisserl mehr von den Elementen gebeutelt wird. Bald kristallisiert sich heraus, dass die Tiger vor allem zum Kilometerfressen konzipiert wurde.

Die Enduro-Gene wurden ihr bis auf die 85 Zentimeter hohe Sitzposition und die etwas längeren Federwege an Vorder- und Hinterrad herausgezüchtet. Sie sollte nicht abseits befestigter Straßen gefahren werden, weswegen sie auch mit normalen Straßenreifen ausgeliefert wird. Wenn es aber auf Tour geht - kurz oder lang - und sich die Triumph ausgiebig bewegen darf, dann merkt man ihr nicht mehr viel von der Offroad-Vergangenheit an, dann hat man fast schon das Gefühl, auf einem Sporttourer unterwegs zu sein.

Der von uns ermittelte Verbrauch von 5,7 Litern Superbenzin auf 100 Kilometer ist für ein Tourenmotorrad kein sensationeller Wert, in Anbetracht der Leistung der Tiger geht er aber in Ordnung. Dank des 20 Liter fassenden Tanks sind die Etappen zwischen den Zapfsäulen angemessen lang. Triumph verlangt für die neue Tiger 10 640 Euro, ABS gibts für 800 Euro Aufpreis. Sie liegt damit auf dem Niveau der Mitbewerber, denen sie aber zumindest in Puncto Fahrleistungen ganz ordentlich die Zähne zeigt.

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