Was Autos alles an den Hersteller melden.

Routen, Tempo, Verbrauch - was die Hersteller alles wissen

Wieso horcht mich denn mein Auto aus?

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An die chronische Neugierde von Google, Facebook oder WhatsApp haben wir uns (fast) schon gewöhnt. Doch nun kommt ein weiterer Spion dazu: Moderne Autos zeichnen Unmengen von Daten auf und übertragen sie ungefragt an die Hersteller.

Der Jurist Ulf Buermeyer warnte jetzt im Deutschlandfunk: „Ich denke, der Autofahrer ist so gläsern wie noch nie.“

Welche Daten sammeln Konzerne? So gut wie alle. Der ADAC hat den BMW 320d, die Mercedes B-Klasse sowie die Elektroautos BMW i3 und Renault Zoe untersucht. Ergebnis: Teilweise funken die Fahrzeuge alle zwei Minuten ihren Hersteller an. Kilometerstand, Verbrauch oder Reifendruck gehören dabei noch zu den harmloseren Daten. Die Firmen erfahren nämlich auch, wie oft sich die Gurte plötzlich straffen - was für eine ruppige Fahrweise spricht, genau wie häufiges Fahren mit hohen Drehzahlen. Halten Sie die Vorgaben zum Einfahren des Motors nicht ein und haben damit womöglich keinen Anspruch auf eine Reparatur? Selbst Fahrtrouten und Parkplätze werden per GPS erfasst.

Warum sind die Hersteller so neugierig? Zunächst einmal werden sie zunehmend von Google & Co. bedrängt, die alles über ihre Nutzer wissen. Hier wollen die Autofirmen nicht ins Hintertreffen geraten. Daneben gibt es ganz praktische Erwägungen. Die Informationen sind für die Entwicklung neuer Modelle hochinteressant - welche Funktionen nutzt der Kunde wirklich? Zudem bieten viele Hersteller zum Beispiel eigene Kfz-Versicherungen an. Wenn ein Kunde angibt, das Auto als einziger Fahrer zu nutzen, der Sitz dann aber ständig in vier verschiedenen Positionen steht, sitzen offenbar auch Ehegatte oder Kinder am Steuer. Hier könnten in Zukunft Daten fließen. Und wer gerne flott unterwegs ist, muss dann womöglich höhere Prämien zahlen. Zudem bekommen die Hersteller ganz neue Möglichkeiten, über ihre Autos zu verfügen. Re-nault kann die Batterie des Zoe per Internet lahmlegen. Wer seine Leasing-rate nicht pünktlich zahlt, kann womöglich bald nicht mehr fahren. Mercedes verspricht beim Datensammeln dennoch „Diskretion“.

Wie kann ich mich wehren? Rechtlich gibt es kaum eine Handhabe, denn mit dem Kaufvertrag willigen Sie meist in die Datenverarbeitung ein. Abklemmen lässt sich der Datenstrom nicht, denn die Funktechnik ist tief in die Elektronik integriert. Einziges Gegenmittel: Gebrauchte Autos, die älter als fünf Jahre sind, sind meist noch nicht vernetzt. Hier stehen die Daten nur im internen Speicher des Fahrzeugs. Wenn Sie mit dem Gebrauchten zum Kundendienst in eine freie Werkstatt fahren, landen die Informationen wohl nicht beim Hersteller. Spätestens ab 2018 haben aber alle Autos SIM-Karten eingebaut, denn dann wird der elektronische Notruf E-Call Pflicht. So lässt sich dann auch aufzeichnen, wenn Sie häufig vor dem McDonald’s parken. Und wenn die Daten dann an Ihre Krankenversicherung gehen, droht eine Zusatzprämie für ungesunden Lebensstil. Datenschützer sprechen bereits von „Versicherer-Wanzen im Auto“. 

Übrigens: Vorteile für die Fahrer bieten die Neugier-Autos aber auch - zum Beispiel, wenn künftig die Werkstatt anruft, dass Ihre Bremsbeläge nun endgültig verschlissen sind und Sie die Warnleuchte nicht länger ignorieren dürfen.

Schlaue Beifahrer: Assistenzsysteme im Auto

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