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Rüttelstreifen auf den Straßen sollen Motorradfahrer dazu zwingen, langsamer zu fahren.

Rüttelstreifen gegen Raserei

München - Die Unfallzahlen auf den Biker-Bergstrecken am Sudelfeld und Kesselberg sollen sinken. Dafür sind Rüttelstreifen auf den Straßen angelegt worden. Der Erfolg ist zweifelhaft.

Die Biker-Szene am Sudelfeld über Bayrischzell und am Kesselberg ist in Aufruhr. In einschlägigen Foren fetzen sich die Zweiradler über Sinn und Unsinn einer neuen Polizeimaßnahme zur Unfall-Reduzierung auf den ebenso beliebten wie gefährlichen Bergstrecken, die von vielen Möchtegern-Rennfahrern heimgesucht werden. Die Folge sind schwere Unfälle mit Toten und Verletzten. Jetzt sollen so genannte Rüttelstreifen für mehr Sicherheit sorgen.

August 2013: Auf dem Sudelfeld stoßen zwei Biker zusammen. Beide werden so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle sterben. „Das war der Auslöser für eine erneute Diskussion, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen, um die Unfallzahlen zu verringern“, so Jürgen Thalmeier vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim.

Bisherige Maßnahmen: Das waren etwa am Sudelfeld durchgehende Tempolimits auf 60 und 80 Stundenkilometer auf der kompletten Bergstrecke, Aktionstage, bei denen die Polizei den Kontakt mit den Bikern suchte, und viele Tempokontrollen. Der Erfolg: nicht wirklich durchschlagend. Im Jahr 2012 gab’s einen Negativ-Rekord mit 27 Bikerunfällen, 27 Verletzten und einem Toten. 2013 waren es wegen des verregneten Frühjahrs und Frühsommers „nur“ 16 Crashs – mit 15 Verletzten. Und mit den zwei Toten vom August. Die Unfallursache: meist zu hohes Tempo, dazu Selbstüberschätzung.

„Die bauliche Veränderung der Strecken war der nächste Schritt“, erklärt Thalmeier die Installation der Rüttelstreifen vor gefährlichen Kurven am Sudelfeld und am Kesselberg. Es handelt sich dabei um mehrere unterschiedlich breite, weiße Farbstriche und einen leicht gewellten, gelben Plastikstreifen. Wenn man drüberfährt, wackelt es ein bisschen – mehr nicht. Deswegen machen sich auch die ersten Biker schon lustig. „Viel Lärm um nichts“, meint etwa Biker „Twin-Dance“ in einem Forum. „Der Streifen ist neon-quietsch und frühzeitig erkennbar, beziehungsweise auch anbremsbar. Ein gut eingestelltes Fahrwerk bügelt ihn komplett weg.“ Wenig Beifall gibt es auch von der Radler-Fraktion: „Da haut’s mir die Kette vom Ritzel“, beschwert sich einer.

Polizeisprecher Thalmeier kennt die Bedenken. Er meint: „Man muss abwarten, ob die Unfallzahlen sinken. Dann wäre es ein Erfolg."

Rudolf Huber

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