Sitzen ohne Reue

München - Reinsetzen, Zündschlüssel drehen und losfahren - so beginnt in der Regel jede Autofahrt. Woran kaum einer denkt: Sitz und Sitzposition entscheiden darüber, wie erholt die Insassen ankommen. Gerade bei Vielfahrern hängen dauerhafte Schmerzen und Rückenbeschwerden nicht selten mit dem vielen Sitzen im Auto zusammen.

Wichtige Faktoren sind da die Sitzposition und die Grundkonstruktion des Gestühls. Wobei die nur in wenigen Fällen tatsächlich der Gesundheit dienen. Manchmal hilft dann nur der Einsatz eines teuren Nachrüstsitzes, der wiederum heute nicht mehr so einfach wie einst eingebaut werden kann.

Bei den Standardsitzen in den Fahrzeugen muss man immer noch davon auszugehen, dass 95 Prozent nicht optimal an die menschlichen Anforderungen angepasst sind, sagt Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) im niedersächsischen Selsingen. Woran es hapert, erklärt uns Hubert Paulus vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Nach seiner Erfahrung sind viele Sitze grundsätzlich besser geworden. Aber sie sind vielfach immer noch nicht ausreichend, etwa weil sie zu weich gepolstert sind.

So ein weiches Sitzpolster wird zwar beim ersten Probesitzen gerne als angenehm empfunden. Im Sinne der Gesundheit ist die schwabbelige Sitzfläche jedoch nicht das Optimum. Denn ein Sitz sollte den Köper unterstützen - gerade das macht das weiche Polster jedoch nicht.

Das Problem liegt aber nicht nur in der Sitzkonstruktion, sondern eben auch in der Wahrnehmung. Eine straffe Polsterung ist eine Voraussetzung für gesundes Sitzen, heißt es dazu beim renommierten Sitzhersteller Recaro in schwäbischen Kirchheim. Für viele Menschen ist aber mit dem ersten Platznehmen auf einer straffen Sitzfläche ein unangenehmes Gefühl verbunden. Doch: Wer darauf Wert legt, in seinem Auto auch gesund zu sitzen, sollte sich daher besser nicht allein auf den ersten Eindruck verlassen. Daneben gibt es beim Autositz eine Reihe weiterer möglicher Mängel, die das gesunde und entspannte Sitzen auf Dauer erschweren. Beim Kauf sollte man zum Beispiel auf die Ausformung des Sitzes achten - von der Seite gesehen sollte die Lehne für eine wirbelsäulengerechte Gestaltung eine leichte S-Form haben. Empfehlenswert auch die sogenannte Lordosen-Stütze, die durch ihre Einstellmöglichkeiten den Lendenwirbel-Bereich unterstützt. Hier arbeiten die Sitzhersteller mit verschiedenen Methoden: Während die einen auf simple Stellräder setzen, bringen andere aufblasbare Luftkammern zum Einsatz.

Wichtig ist bei der Rückenlehne auch noch die Höhe. Die AGR rät zu einer Sitzlehne, die vom Rücken nicht überragt wird. Ein Muss sei eine Höhenverstellung der Sitzfläche - dadurch lässt sich für alle Nutzer ein annähernd gleiches Sichtfeld ermöglichen. Wichtig ist die Verstellmöglichkeit aber nicht nur wegen der Sicht, sondern auch in Hinblick auf die Beckenposition und damit die Krümmung der Wirbelsäule. Ebenfalls geraten wird zu einer Neigungsverstellung der Sitzfläche, um eine korrekte Auflage der Oberschenkel zu erlauben.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Thema Seitenhalt. Der nicht  nur dem sportlichen, sondern auch dem normalen Fahrer nützt, weil er ihn in Kurven besser im Sitz hält. Sonst nämlich muss der Fahrer dies ausgleichen, indem er sich mit dem Körper dagegen stemmt und sich am Lenkrad festhält. Gerade Vielfahrer mit Rückenproblemen bleibt nur die Wahl, beim Neukauf die aufwendigeren Extra- Sitze gegen Aufpreis zu ordern - oder aber einen ergonomisch ausgeformten Sitz nachzurüsten.

Das aber ist nicht mehr so einfach wie einst. Wegen der Seitenairbags, die meist in die Seitenlehnen der Sitze integriert sind. Deshalb braucht man Nachrüstsitze mit Universal-Airbags. Die dann mit der Autoelektronik verbunden werden - so dass zum gesunden Sitzen auch die wichtige Sicherheit kommt.

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