BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk bei der Präsentation des Logos der neuen Submarke "BMW i".

Ein i soll eine neue Ära einleiten

München - Lange hat BMW ein Geheimnis um den Namen gemacht, unter dem die ersten Elektroautos der Münchner vermarktet werden sollen. Eine Überraschung ist dem Autobauer mit dem Namen “BMW i“ kaum gelungen.

Ein kleines i soll BMW den Einstieg in die Welt jenseits von Diesel- und Benzinmotoren sichern. Unter dem Label “BMW i“ wird der Konzern von 2013 an seine ersten beiden Elektroautos auf den Markt bringen. So bescheiden der Oberklassehersteller mit der Namensgebung für das neue Fahrzeugkonzept ist, so unbescheiden wirken die Ziele, die sich BMW gesetzt hat.

Nichts weniger als eine neue Ära in der Automobilindustrie will der Konzern einleiten. Damit habe sich der Konzern viel vorgenommen, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Lange Zeit haben sich die deutschen Autobauer anhören müssen, den Einstieg in alternative Antriebe verschlafen zu haben. Viele Experten verwiesen etwa auf Toyota. Die Japaner sind seit Jahren erfolgreich mit Hybridfahrzeugen, einer Kombination aus herkömmlichem Verbrennungs- und Elektromotor. Aus den heimischen Fabrikhallen rollte bisher wenig, auch wenn mittlerweile so gut wie jeder Hersteller Hybride im Angebot hat.

BMW: ActiveE - der Elektro 1er

BMW: ActiveE - der Elektro 1er

Der Elektroantrieb ist längst ein großes Thema, auch wenn bisher vor allem teure Kleinserien geplant sind. “Der VW-Konzern ist erst vor knapp einem Jahr so richtig in die Elektromobilität gegangen“, sagt Dudenhöffer. BMW geht es mit der neuen Marke aber nicht nur um zwei Autos. Der i3, bisher als Megacity Vehicle bekannt, und der i8 stehen im Zentrum eines neuen Mobilitätskonzepts, das den Münchnern ein völlig neues Geschäftsfeld eröffnen soll. Dienstleistungen, auch unabhängig vom Auto, rund um das Thema Verkehr in den großen Metropolen dieser Welt, vor allem in Asien. Eine eigens gegründete Gesellschaft soll sich an Firmen beteiligen, die innovative Produkte dazu anbieten - ob Apps für Smartphones oder Vermietmodelle wie das Carsharing.

Das Konzept zielt auf die Megastädte, nicht auf das platte Land. Und es zielt auf die Kundschaft, die sich die Elektrofahrzeuge leisten kann. i3 und i8 sollten Premiumprodukte sein, betont BMW. “Mit einem entsprechenden Preis“, wie Vorstandschef Norbert Reithofer im vergangenen Jahr in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung“ unterstrich. “Sie werden das Fahrzeug also nicht für beispielsweise 20 000 Euro kaufen können.“

Noch ist unklar, ob es überhaupt zu kaufen sein wird - möglicherweise wird es nur in einem Leasingmodell zu haben sein, heißt es in Branchengerüchten. Geld will BMW mit der neuen Marke natürlich auch verdienen: “Aber wir würden es auch entwickeln, wenn dies zunächst nicht der Fall wäre“, machte der Konzernchef klar. Die E-Mobilität habe große strategische Bedeutung. Allein in die Fertigung in Leipzig steckt BMW rund 400 Millionen Euro, die Kosten für die Entwicklung dürften deutlich höher liegen. Aus Dudenhöffers Sicht ist BMW ein Vorreiter.

Aber: “Das breiteste Fundament bei Elektromobilität hat zweifelsfrei Mercedes.“ In Stuttgart sei man beispielsweise deutlich weiter in der Brennstoffzellentechnik. Dass Hersteller ihre alternativen Konzepte unter anderen Labeln vermarkten, hält der Experte für naheliegend. “Die Marke kann damit eigenständig aufgebaut werden, steht für eigenständige Inhalte und steht für spezifische Innovationen und Emotion.“

Auch da habe Daimler mit dem Smart einen Vorsprung, auch wenn der Kleinwagen eher ein Sorgenkind ist. Doch bei aller Euphorie: Die Hersteller wissen, dass sie das Geld mit ganz anderen Produkten verdienen. Vor allem die großen und schweren Autos und Geländewagen sind beliebt - gerade in Asien und in Nordamerika. “Für uns heißt das, dass wir in den nächsten Jahren mehrgleisig fahren müssen“, sagt Reithofer. Es werde weiter herkömmliche Verbrennungsmotoren geben müssen, Hybridantriebe und das reine Elektroauto. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich die Investitionen auszahlen und welcher Weg der richtig war.

Von Sebastian Raabe

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hitze im Auto: Ist es in weißen Autos kühler?
Wenn der Planet vom Himmel brennt, ist die Hitze im Auto unerträglich. Bis zu 70 Grad kann sich das Innere in einem Fahrzeug aufheizen. Schwarz oder Weiß? Spielt die …
Hitze im Auto: Ist es in weißen Autos kühler?
Dieser Strafzettel macht Autofahrer richtig wütend
Wer die Geschwindigkeitsgrenze nicht einhält und zu schnell fährt, bekommt einen Strafzettel - so ist das nun mal. Doch in diesem Fall scheiden sich die Geister.
Dieser Strafzettel macht Autofahrer richtig wütend
Strafzettel im Ausland: Muss ich wirklich zahlen?
Wer in den Urlaub düst, bringt manchmal ein unliebsames Souvenir mit nach Hause: Doch kann ich in Deutschland für ein Knöllchen aus dem Ausland belangt werden?
Strafzettel im Ausland: Muss ich wirklich zahlen?
Dachbox fürs Auto muss passen
Geht es mit der ganzen Familie in den Urlaub, reicht der Platz im Kofferraum für das Gepäck oft nicht aus. Die Lösung ist dann eine Dachbox. Doch hat die Befestigung …
Dachbox fürs Auto muss passen

Kommentare