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Der große Reifen-Check

Bei Regen kann sich das Sparen rächen

Die Sommerreifen werden immer besser. Doch es gibt weiterhin mangelhafte Leistungen. Wenige Euro – richtig investiert – können schwere Unfälle vermeiden.

Der VW-Polo fährt mit Tempo 100 über die regennasse Landstraße. Plötzlich taucht ein Hindernis auf. Der Fahrer tritt voll auf die Bremse, spürt das Stottern des ABS und kommt – nach 56 Metern – noch vor dem Hindernis zum stehen. Der Fahrer kann sich zur richtigen Reifenwahl beglückwünschen. Sein Reifen, der Semperin Comfort Live 2 hat beim Test des ADAC und der Stiftung Warentest beim Bremsen auf nasser Straße am besten abgeschnitten. Hätte der Autobesitzer bei der Reifenwahl nur auf den Preis geachtet und einen chinesischen Sailun Atrezzo SH 402 aufziehen lassen, hätte sein Tempo nach den gleichen 56 Metern noch 50 Kilometer pro Stunde betragen. Gestanden wäre das Fahrzeug erst nach 83 Metern.

Der Sailun kostet beim billigsten Anbieter 46 Euro, der Semperit 57. Das sind bei vier Reifen plus Reserverad 55 Euro, die über Leben oder Tod entscheiden können. Denn wird ein Auto mit Tempo 50 unters Heck eines stehenden Lkw gedrückt, helfen den Menschen auf den Vordersitzen auch Gurtstraffer oder Airbag nicht mehr viel.

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Allerdings hat der ADAC einen positiven Trend festgestellt. Insgesamt werden die Reifen besser, sagte Testleiter Daniel Bott gegenüber unserer Zeitung. Das ist auch eine Folge der regelmäßigen Tests. Denn Reifen, die schlecht abschneiden, lassen sich kaum mehr verkaufen. Bott warnt Autobesitzer davor, zu nicht getesteten Billigangeboten von kaum bekannten Herstellern zu greifen. Nur weil er gar nicht und damit auch nicht schlecht benotet wurde, bedeute das nicht, dass ein Reifen eine gute Wahl sei.

Es sind aber diesmal nicht nur Billig-Importe aus Fernost die im Test versagen. Unter den vier Reifen, die auf nasser Fahrbahn so sehr rutschten, dass sie mit der Note mangelhaft durchfielen, waren neben dem Sailun auch der Rotolla Radial F108 aus China, der Marangoni Verso aus Italien und der Kléber Dynaxer HP3 aus Frankreich. Gerade dieses Ergebnis überrascht. Denn Kleber ist die Zweitmarke von Michelin, dessen Energie-Saver plus bei den Kleinwagen den Testsieg einheimste.

Normalerweise sind diese Zweitmarken ein guter Kompromiss, weil sie kaum schlechter, aber spürbar billiger sind als die Spitzenprodukte. So ist der bereits genannte Semperit (Note 2,5) nur unwesentlich hinter den Conti Premium Contact 5 (Note 2,1) aus dem gleichen Konzern zurückgefallen, der aber spürbar teurer ist.

Noch ein zweiter Semperit hat im Test überrascht. Der Speed-Life für die Komfortklasse ist der Reifen mit dem geringsten Rollwiderstand. Das kann beim Spritverbrauch bis zu 0,4 Liter auf 100 Kilometer ausmachen oder 200 Liter für die Lebensdauer eines Reifensatzes. Manche höhere Investition in den teureren Reifen kann sich auch finanziell auszahlen.

Nicht nur ein niedriger Verbrauch, auch ein geringer Verschleiß kann viel Geld sparen. Der Michelin Energie-Saver ist zwar der teuerste Kleinwagenreifen im Test, weil er aber gute Bremsleistungen mit einer sehr hohen Verschleißfestigkeit verbindet, dürfter er unterm Strich sogar billiger kommen als ein besonders günstiger Billigreifen, der nach Einschätzung der Tester möglicherweise schon nach der halben Strecke am Ende ist.

Martin Prem

Rubriklistenbild: © Nokian

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