Sportler mit Offroad-Potenz

München - Der neue BMW X6 will zwei doch sehr unterschiedliche Welten vereinen.

Mit einer Kreuzung aus SUV und Coupé will BMW beim neuen X6 zwei entgegengesetzte Fahrzeugkonzepte miteinander verbinden: Untenrum Offroader und obenrum Sportwagen, so soll das neue Topmodell der Müncher X-Reihe vor allem US-Kunden locken.

Inklusive luxuriöser Ausstattung sowie starker Sechs- und Achtzylinder zwischen 235 und 400 PS kommt der Viersitzer Ende Mai, einen Monat nach seinem US-Start, auch zu unseren Händlern. Die Preisliste beginnt bei stolzen 55 800 Euro. Die bullige Front hat der Neue vom X5 geerbt, mit dem er sich auch einen großen Teil der Technik teilt.

Der Rest der auf ihren großen 19-Zoll-Felgen sehr hoch liegenden Karosserie erinnert an das 6er-Coupé: Die zum Heck ansteigende Fensterlinie und die seitliche Sicke sorgen für eine sportliche Keilform, auch die recht kleinen Seitenfenster und das abfallende Dach brechen mit der üblichen SUV-Optik. Gegenüber dem X5 ist der X6 mit 4,88 m drei Zentimeter länger, mit 1,98 m fünf Zentimeter breiter, aber mit 1,69 m vier Zentimeter niedriger. Innen fühlt man sich durchaus wie in einem Sportwagen.

Die kleinen Fenster, das niedrige Dach, die hohen Seitenwände und die recht tief liegende Sitzfläche lassen die geländegängigen 21 cm Bodenfreiheit des Fünftürers schnell vergessen. Die Passagiere der ersten Reihe nehmen in vielfach elektrisch verstellbaren Sesseln Platz, im Fond finden sich zwei stark konturierte Einzelsitze, die von einer breiten Mittelkonsole getrennt sind. Dort herrscht ordentliche Knie- und Schulterfreiheit, Hochgewachsene stoßen mit dem Kopf deallerdings recht schnell an den Dachhimmel.

Unter der großen Heckklappe mit einer hohen Ladekante tut sich ein langer, aber recht flacher Laderaum auf. Zwischen 570 und 1450 Liter Gepäck passen da hinein; im X5 sind es bis zu 300 Liter mehr. Bei der Fahrt erinnert allerdings nichts an ein übergewichtiges und schwerfälliges SUV. Schon der X5 fährt sich für ein Auto seiner Größe überaus handlich, der X6 legt da noch zu. Denn der bereits bekannte permanente Allradantrieb mit hecklastiger Auslegung verteilt erstmals die Antriebskraft nicht nur zwischen den Achsen, sondern je nach Bedarf über eine zusätzliche Lamellenkupplung auch zwischen den beiden Hinterrädern. Das steigert die Agilität deutlich: Der immerhin 2,1 Tonnen schwere Wagen dreht sich leichtfüßig um jede Kurve.

Geht es beispielsweise rechts herum, erhält das kurvenäußere Hinterrad blitzschnell mehr Drehmoment. Wie bei einem Ruderboot dreht sich das Fahrzeug dadurch leicht ein und kurvt deutlich flinker ums Eck. Zudem steigert sich die Fahrstabilität, denn die variable Kraftverteilung wirkt wie ein umgekehrtes elektronisches Stabilisierungsprogramm; droht etwa das Heck auszubrechen, erhält das kurveninnere Rad mehr Antriebskraft. Bei den Motoren feiert der neue V8-Twin-Turbo mit 407 PS Premiere, der zum Jahresende auch im neuen 7er zum Einsatz kommen wird.

Die doppelte Aufladung sorgt für ein bereits bei niedrigen 1750 Touren anliegendes max. Drehmoment von stolzen 600 Nm. Daraus resultiert eine souveräne und allzeit abrufbare Kraft, die den Offroad-Boliden in 5,4 sek. auf Tempo 100 sprinten lässt. Die serienmäßige Sechsgang-Automatik unterstützt den Fahrspass mit schnellen und kaum spürbaren Wechseln. So viel Kraft und so ein schweres Auto erhöht natürlich den Durst: 12,5 Liter Super Plus auf 100 km geben die Münchner als Durchschnittsverbrauch an, was selbst mit zurückhaltendem Gasfuß kaum erreichbar ist. Normalerweise dürften im Schnitt gut zweieinhalb Liter und mehr durch die Direkteinspritzung schießen. Alternativ ist auf Benzinerseite der 306 PS starker 3,0-l-Reihensechszylinder mit Twin-Turbo-Aufladung zu haben.

Bei den vor allem in Europa gefragten Diesel stehen zwei aus dem X5 bekannte 3,0-l-Sechszylinder mit 235 bzw. 286 PS zur Wahl. Preislich liegt der X6 rund 3000 Euro über dem X5, was durch einige zusätzliche Ausstattungsdetails jedoch wieder etwas ausgeglichen wird. Trotzdem gibt es hier - wie bei Coupés üblich - weniger Auto für mehr Geld: Der Kofferraum ist kleiner, ein fünfter Passagier findet keinen Platz, die Kopffreiheit im Fond ist eingeschränkt. Wer mit dem geringeren Platzangebot auskommt und gleichzeitig eine Mischung aus Gelände- und Sportwagen bevorzugt, findet im X6 das richtige Auto. Ob diese von BMW erschlossene Lücke im mittlerweile schrumpfenden Markt für große SUV genug Platz bietet, muss sich aber erst noch zeigen.

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