Spritspar-Training: Gas geben beim Sprit sparen

München - Spritspar-Training? Zugegeben, das klingt so sexy wie Salbei-Tee und riecht nach Schnecke auf vier Rädern. Doch ist das wirklich so? Zudem: Was ist gut daran, teures Benzin aus dem Auspuff zu feuern, ohne schneller ans Ziel zu kommen? Wir machten den Praxistest mit dem ADAC: Wie stark kann man Umwelt und Geldbeutel schonen, ohne viel Zeit zu verlieren?

Nach Sparschwein sieht das Testauto nicht gerade aus: 2,4 Liter Hubraum, 190 PS, vom Hersteller angegebener CO2-Ausstoß: 230 Gramm/Kilometer. Veit Hofrichter, der professionelle Spritspar-Trainer des ADAC, hat eine knapp neun Kilometer lange Strecke in München ausgewählt, die zunächst jeder Teilnehmer abzufahren hat.

Der Trainer sitzt auf dem Beifahrersitz, stellt bei der Abfahrt einen speziellen Bordcomputer an, sagt, wo es langgeht, verliert aber ansonsten kein Wort über den Fahrstil. Alle Teilnehmer - vier durch Los ermittelte Leserinnen unserer Zeitung und der Autor - erledigen diese erste Übung routiniert, hier und da blitzt die privat gepflegte Lust an sportiver Fortbewegung durch.

Die erste Bilanz

Der Bordcomputer im Testwagen gibt nach der ersten Runde seine ersten Daten preis: Von jedem Fahrer (bzw. Fahrerin) gibt er Aufschluss über Geschwindigkeit, Fahrzeit, Durchschnittsdrehzahl, Durchschnittsverbrauch und CO2-Ausstoß. Überraschende Erkenntnis: Trotz unterschiedlicher Fahrstile haben alle Teilnehmer die Strecke in fast gleicher Zeit bewältigt, dank des Computers können ungleich aufgetretene Einfluss-Faktoren wie rote Ampeln, Warten wegen kreuzender Fußgänger oder Ähnliches berücksichtigt werden. Dennoch liegen die Verbräuche zum Teil deutlich auseinander: zwischen 10,22 und 8,67 Litern. Gleiches gilt für den CO2-Ausstoß: Zwischen 237 und 203 g/km. Schon jetzt bestätigt sich die These des Automobilclubs: "Beim Fahrer liegt das größte Sparpotenzial".

Die Spritspar-Klassiker

Drehzahl: Sie ist der Gradmesser des Spritverbrauchs. Hofrichters Analyse der Testfahrt: Bei allen Teilnehmern lag die Drehzahl zwischen 1859 und 2067 Umdrehungen/Minute und damit deutlich zu hoch. Hauptsächlich wurden der dritte und der vierte Gang benutzt. "Ab Tempo 50 kann man aber im fünften Gang durch den innerstädtischen Verkehr rollen.

Das spart nicht nur Sprit, es stresst auch weniger", so Hofrichter. Ungläubige Blicke, Stirnrunzeln bei den Teilnehmern: "Ist das nicht zu untertourig?" "Leidet da nicht der Motor?" "Ich schalte nach Gehör und mein Ohr sagt mir, das geht nicht", lauten einige der Einwendungen. Hofrichter hört das nicht zum ersten Mal. "Das Gehör vieler Autofahrer ist noch auf das Geräusch der Motoren vor zwanzig Jahren ,geeicht'. Moderne, elektronisch gesteuerte Aggregate funktionieren aber ganz anders. Deshalb: In so hohem Gang fahren wie möglich. Erst, wenn das Fahrzeug zu rucken oder brummen anfängt, einen Gang runterschalten."

Vorausschauendes Fahren: Klingt wie eine Banalität, hat aber auch seine Feinheiten. Unnötiges Beschleunigen, wenn die nächste Ampel Rot zeigt, bringt nichts. Aber wie an die Ampel heranfahren? Im Leerlauf oder einfach Fuß vom Gas und rollen lassen?

Wer in großem Gang unterwegs ist, kann die Schubabschaltung moderner Pkw ausnutzen und einfach den Fuß vom Gas nehmen. Vorteil: die Kraftstoffversorgung wird beim Gaswegnehmen automatisch auf null gestellt. Auf keinen Fall sollte man die Gänge einzeln herunterschalten.

Vor allem im dichten Verkehr kann aber auch der Leerlauf die richtige Wahl sein. Vorteil: Man verliert langsamer an Geschwindigkeit und wird nicht zum Bremsklotz im Kolonnenverkehr. Nachteil: Auch im Leerlauf verbraucht der Motor Sprit. Beim Testwagen entspricht das rund 0,9 Liter/100 Kilometer.

Motor aus an der Ampel: Ab einer Wartezeit von 20 Sekunden lohnt es sich, den Motor an der Ampel abzustellen. Faustregel des ADAC: Ein Leerlauf von drei Minuten entspricht einer Fahrstrecke von einem Kilometer bei einer Geschwindigkeit  von

50 km/h.

Hofrichter räumt aber ein: "Das ist auch eine Frage des persönlichen Komforts. Viele fühlen sich durch das Motorausschalten gestresst, aus Angst, er könnte nicht sofort wieder anspringen."

Tipp: Nach dem Ausschalten Zündung sofort wieder einschalten und Gang einlegen: Dann kann es bei Grün ohne Zeitverzug weitergehen. Der Test

Mit dem theoretisch erarbeiteten Wissen - früher schalten, hohe Gänge benutzen, Drehzahl senken - setzen sich die Teilnehmer wieder ans Steuer des Testwagens, um die gleiche Strecke noch einmal zu bewältigen. Diesmal gibt der Trainer auf dem Beifahrersitz Hilfen: "Jetzt schon schalten", "Fuß vom Gas und rollen lassen", "da geht auch der sechste Gang". Allen Teilnehmern merkt man an, wie ungewohnt der neue Fahrstil für sie ist, richtig locker fährt niemand.

Doch als der Computer die Daten der zweiten Fahrt ausdruckt, ist das Staunen groß: Obwohl die Fahrzeit - störfallbereinigt - ungefähr gleich geblieben ist, haben sich alle entscheidenden Faktoren zum Teil sehr deutlich verbessert: Bei allen Teilnehmern lag die durchschnittliche Drehzahl um rund 500 Umdrehungen pro Minute niedriger als im ersten Durchgang, die Verbräuche sanken zwischen 7,5 und 27,4 Prozent.

Auch die Umwelt kam deutlich glimpflicher davon: der CO2-Ausstoß sank ebenfalls stark: kein einziger Fahrer kam im zweiten Umlauf an die 200 g/km-Marke heran, der Bestwert lag bei 172 g/km. Zur Erinnerung: Von Werksseite wird der CO2-Ausstoß des Wagens mit 230g/km angegeben.

Es stimmt also: Auf den Fahrer kommt es an!

Spritspar-Schule

Möchten Sie auch an einem Spritspar-Training teilnehmen? Der ADAC Südbayern bietet in Zusammenarbeit mit ausgesuchten Fahrschulen in Südbayern solche Kurse an. Kostenpunkt: Zwischen 40 und 50 Euro.

Eine Liste der teilnehmenden Fahrschulen finden Sie im Internet unter www.adac.de/suedbayern (Verkehr & Umwelt - Sprit Sparschule)

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