Mit "strahlenden Augen" in die Zukunft:

- Frankfurt/Main - Die Automobilhersteller fahren mit "strahlenden Augen" in die Zukunft - zumindest im übertragenen Sinn. Denn bei den Neuheiten für die Serienproduktion setzen sie die Scheinwerfer immer öfter als Gestaltungsmerkmal ein. Da gibt es aufwendige Konstruktionen, die mit aktivem Kurven- oder Abbiegelicht, schwenkbaren Linsen und taghellen Xenon-Strahlern nicht nur modern sind, sondern auch eindrucksvoll aussehen.

<P>Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt (noch bis 21. September) gehen die Hersteller nun aber noch ein Stück weiter und beschreiten mit ihren Prototypen und Designstudien Neuland bei Form und Funktion.</P><P>Waren die Scheinwerfer früher nur Mittel zum Zweck und frühestens bei einem Facelift ein Thema für Technik und Design, so wird ihnen jetzt als "Augen" des Autos eine größere Bedeutung beigemessen. So verweisen die Designer bei Opel aus Rüsselsheim beim neuen Astra auf die tubenförmig hinter dem Deckglas angeordneten Scheinwerfer als eines der wichtigsten Stilelemente. VW hat beim Golf V bewusst auf einen großen und klaren "Augenaufschlag" gesetzt. Und BMW ist es vor einigen Jahren mit dem zusätzlichen Lichtring um die Frontscheinwerfer des 5-ers - der so genannten Corona - erstmals gelungen, ein Auto auch in der Dämmerung unverwechselbar zu machen.</P><P>Doch gemessen am Scheinwerferdesign der Zukunft waren das offenbar alles nur Fingerübungen. Denn zahlreiche IAA-Studien warten mit neuen Formen und Funktionen auf. Dabei setzen die Unternehmen vor allem auf die so genannte LED-Technik, bei der das Licht nicht mehr von Glühlampen, sondern von Leuchtdioden erzeugt wird. Diese Lichtquelle, die zum Beispiel beim Maybach oder beim VW Phaeton bereits in den Rück- und Bremsleuchten eingesetzt wird, bietet laut Maybach-Sprecher Stefan Diehl zahlreiche Vorteile: Das Licht benötigt etwa zehn Mal weniger Energie und kann sehr viel leichter umgeleitet werden, so dass an knapp bemessenen Stellen weniger Bauraum benötigt wird.</P><P>Leuchtdioden sprechen zudem schneller an und signalisieren damit zum Beispiel dem nachfolgenden Verkehr früher eine potenzielle Gefahr. Darüber hinaus halten die Dioden praktisch ewig, so dass "einäugige" oder halb erblindete Fahrzeuge mit defekten Lampen nach und nach aus dem nächtlichen Verkehr verschwinden würden. Außerdem lässt sich der Lichtkegel bei LED-Scheinwerfern nach Angaben von Audi aus Ingolstadt auch ohne mechanische Teile durch einfaches Zuschalten weiterer Leuchtelemente formen. Auf diese Weise lasse sich zum Beispiel ein dynamisches Kurvenlicht sehr viel einfacher realisieren.</P><P>Ein "leuchtendes Beispiel" für den Einsatz dieser neuen Technik liefert die auf der IAA vorgestellte Opel-Studie Insignia, die ganz ohne konventionelle Scheinwerfer auskommt. Vielmehr verfügt die Vision eines künftigen Oberklasse-Modells nach Angaben von DesignChef Martin Smith über jeweils vier scharf geschnittene Leuchtstäbe, die über Prismen und Lichtleiter von 405 Leuchtdioden mit Helligkeit versorgt werden.</P><P>Auf die gleiche Technik setzt Audi beim Le Mans Quattro. Die Scheinwerfer der Sportwagenstudie bestehen nach Angaben von Pressesprecher Werner Röser aus je 17 gekühlten Lichtquellen, die dicht hinter der Abdeckung liegen. Das schafft unter der Haube Platz für andere Technik-Komponenten und lässt das Design der Frontpartie laut Röser "spürbar straffer wirken".</P><P>Auch Ford lässt den Prototypen Visos mit LED-Augen in die Zukunft sehen. Dabei hat sich das Team um Chef-Designer Chris Bird noch einen besondern Clou ausgedacht: Denn so, wie die Kosmetikerin die menschlichen Augen mit dem Eyeliner betont, ziert Ford zufolge beim Visos ein blauer Lichtstreifen die kantigen Scheinwerfer des Autos.</P><P>Allerdings orientieren sich Entwickler und Designer nicht nur an nüchternen oder scharf geschnittenen Formen. Gelegentlich nehmen sie auch eine Anleihe bei Mutter Natur: So strahlt beispielsweise die seriennahe Seat-Studie Altea aus zwei "Luchsaugen" in die Nacht. Und für den Roadster Concept R hat VW nach Angaben von Sprecher Hans-Gerd Bode zwei LED-Scheinwerfer entwickelt, die den offenen Zweisitzer wie ein schlafendes Raubtier blinzeln lassen. Denn vor dem Aufblenden ist laut Bode nur ein schlanker Lichtstrahl sichtbar. Erst wer innen auf das VW-Logo des Starterknopfes drückt, erweckt den Wagen auch optisch zum Leben: Dann öffnet sich eine Facettenlinse, die Scheinwerfer fokussieren sich, und das "Raubtier" starrt hellwach in die Zukunft. </P>

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