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Mit dem Tinger Track 500 durch den Sumpf. 

Russisches Multitalent

Ab in die Sümpfe! Mit dem Tinger Track 500

Top-Speed Tempo 35 Ihnen zu lahm? Allerdings kann das auch faszinierend sein. Ein Beispiel dafür ist wohl der neue Tinger Track 500. Der Sumpf-Buggy überzeugt durch andere Talente.

Fünf Fahrzeuge in einem – das will die Marke Tinger mit ihrem Track 500 bieten. Das Vehikel soll ATV (die drei Buchstaben stehen für all-terrain vehicle) sein, als Schneemobil dienen, bei Bedarf einen kleinen Traktor ersetzen, sich als Sumpf-Buggy bewähren, und – wenn es sein muss – auch als Boot herhalten. Möglich machen dies eine zweischalige Wannenbauweise und Kettenantrieb. Mit diesem ungewöhnlichen Gelände- und Amphibienfahrzeug erweitert Lada Deutschland nun sein Vertriebsprogramm.

Sumpf-Buggy

Keine Frage, das kleine Kettenfahrzeug macht schon im Stand neugierig. Sieht die offene und schmucklose Standardversion vor allem zweckmäßig aus, schindet die Luxusversion mit Stoffkabine, Zusatzscheinwerfern auf dem Dach und Seilwinde am Bug mächtig Eindruck. Beiden gemein ist der Heckmotor. Er kommt vom chinesischen Hersteller Chery. Der Dreizylinder mit 812 Kubikzentimetern Hubraum mobilisiert unter kernigem Auspuffklang  57 PS (42 kW) und geizt nicht mit Wärmeabstrahlung Richtung Hinterbank. Er beschleunigt das Tinger Track 500 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h.

Viel wichtiger als Geschwindigkeit sind jedoch die Geländeeigenschaften des Vier- bis Fünfsitzers, dem sich dank der Hartgummi-Ketten nur wenige Hindernisse wirklich in den Weg stellen können. Die Bodenfreiheit beträgt 28 Zentimeter. Und auch vor Seen oder Flüssen macht das knapp 900 Kilogramm schwere russische Multitalent nicht Halt, bei dem die Zahl in der Typenbezeichnung für die Breite der Kette in Millimetern steht (es gibt auch ein 380er-Modell). Der Kraftstoffverbrauch wird mit acht Litern pro Stunde angegeben.

Ein bisschen eigenes kletterisches Geschick kann nicht schaden, um näher Bekanntschaft mit dem Gefährt zu machen. Eine Stahlstange über den Kettenrollen für den Fuß erleichtert das Hochkommen; wie der Fahrer dann die breite Bordwand überwindet und sich auf den Sitz dreht, muss jeder selbst herausfinden. Vor dem Fahrersitz ragt ein Motorradlenker auf und links an der Seite ein Schalthebel für die zusätzliche Untersetzung und den Rückwärtsgang des CVT-Getriebes. Gas gegeben wird wie beim Motorrad per rechtem Drehgriff und gesteuert über den Lenker, der je nach gewählter Richtung den linken oder rechten Kettenantrieb ziemlich abrupt blockiert. Beim Verzögern aus Geradeausfahrt sollten jedoch die Wirkung des linksseitigen Bremshebels und der Motorbremse nicht überschätzt werden. Stoppen lässt sich das ATV ohnehin am besten mit einer einseitig gebremsten Kette und 90 Grad Drehung. Auch wer bislang keine Bekanntschaft mit einem Kettenfahrzeug gemacht hat, kommt mit dem Tinger auf Anhieb gut zurecht.

Tinger ist ein junges russisches Unternehmen, das das Fahrzeug seit acht Jahren mit wachsendem Erfolg anbietet. Derzeit werden in der Stahlstadt Cherepovetz zwischen Moskau und St. Petersburg rund 60 der ungewöhnlichen ATV pro Monat gebaut. Im Programm werden auch noch entsprechende Anhänger geführt. Die Verbindung zu Lada Deutschland ist kein Zufall: Das Team aus Buxtehude hat gute Kontakte nach Russland und ist mit dem „Niva“ (der heute offiziell nur noch 4x4 heißt) ohnehin im Offroad-Geschäft.

Noch fehlt die Straßenzulassung für den Tinger

Einfach wird es mit dem Tinger, so faszinierend er auch ist, aber hierzulande nicht – denn es fehlt ihm leider (noch) die Straßenzulassung. Das soll sich mit dem Modell Armor ändern, das mit Frontmotor und sechs Rädern ab kommendem Jahr ebenfalls in Deutschland verfügbar sein wird. Eine Version mit zwei weiteren Rädern wird derzeit noch erprobt. Die Schwimmfähigkeit bleibt auch beim bereiften Modell erhalten, die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 45 km/h leicht höher.

Lada geht erst einmal von etwa 50 Fahrzeugen pro Jahr aus. Außer für die Land- und Forstwirtschaft eignet sich das Tinger beispielsweise auch als Einsatzfahrzeug für das THW, die DLRG oder die Bergwacht. Die Zahl der Käufer, die sich für das Gefährt als Freizeitmobil entscheiden, dürfte bescheiden bleiben – wobei der Einstiegspreis von attraktiven 14.990 Euro wohl das geringste Hindernis sein dürfte. 

Tinger Track 500

Länge x Breite x Höhe (m) 3,00 x 1,82 x 1,43 
Bodenfreiheit 280 mm
Motor 3-Zylinder  Benziner, 812 ccm
Leistung 57 PS/ 206 kW
Drehmoment k.A.
Höchstgeschwindigkeit 35 km/h
Verbrauch 8 Liter pro Stunde
Abgasnorm Euro 4
Leergewicht / Zuladung ca. 900 kg / 500 kg
Basispreis 14.990 Euro


Das ist der Tinger Track 500

ampnet/jri

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