Tokio-Kür

- Die Karawane zieht weiter: Kurz nach der IAA in Frankfurt schlagen die internationalen Automobilhersteller vom 22. 10. bis 6. 11. ihre Zelte in Tokio zur dortigen Motor Show auf. Doch während die Frankfurter Ausstellung so etwas wie die Pflichtveranstaltung ist, bei der alle Hersteller ihre wichtigsten neuen Modelle präsentieren, findet in Tokio die Kür statt: etwa mit ungewöhnlichen Karosseriekonzepten als Hinweise für die Mobilität von morgen. Die wichtigsten Neuheiten aus deutscher Sicht: Audi stellt den 250 PS starken Shooting Brake vor, der ab 2007 die TT-Baureihe als Mischung zwischen Coupé und Kombi ergänzen könnte.

Der geduckt wirkende Viersitzer will nicht allein mit sportlichen Fahrleistungen glänzen, sondern auch durch Alltagsqualitäten wie einen 255 Liter fassenden Kofferraum und eine akzeptable Beinfreiheit auf den hinteren Sitzen. Volkswagen präsentiert erstmals den neuen Polo GTI. Ausgerüstet mit einem 1,8-l- Vierzylinder-Turbo mit 150 PS sprintet der kleine Bruder des großen Golf GTI in 8,2 sek. auf Tempo 100 und schafft eine Spitze von 216 km/h. Der schnellste Polo startet im Frühjahr 2006 ab 18 950 Euro. Mercedes-Benz dagegen zeigt in Tokio erneut ein futuristisches Brennstoffzellen- Fahrzeug. Hinter dem F 600 HY-Genius verbirgt sich eine umgemodelte B-Klasse, die von einem 115 PS starken Elektromotorangetrieben wird.

Das Aggregat wird von einer modernen Brennstoffzelle mit Energie versorgt, die kleiner und leichter ist als bisherige Systeme. In zehn Jahren soll die Antriebstechnik serienreif sein. Daneben verfügt der F 600 über ein besonders flexibles Sitzkonzept, neue Sicherheitstechnologien wie ausfahrbare Seitenwangen an den Kopfstützen, die den Kopf bei einem Unfall selbstständig fixieren sollen, sowie Kameras, die den rückwärtigen Bereich des Fahrzeugs auch im Stand überwachen. Nähert sich beispielsweise ein Fahrrad von hinten, kann die Tür nicht geöffnet werden. Ansonsten glänzt Tokio durch ein facettenreiches Konglomerat von Studien, Konzeptfahrzeugen und Serienmodellen. Sportlich geht es etwa bei Nissan zu: Die Japaner stellen die viersitzige Coupé-Studie Foria mit klassischer Transaxle-Bauweise - Frontmotor mit Heckantrieb - vor.

Mit gegenläufig öffnenden Türen soll sie einen bequemen Einstieg zu den hinteren zwei Sitzen bieten. Der Foria dient außerdem als Technologieträger für eine neue Vierradlenkung, die das Rangieren und Einparken erleichtern und für ein besseres Handling bei schneller Kurvenfahrt sorgen soll. Interessant auch die Konzeptstudien bei Toyota: Bei dem bB Concept handelt es sich um eine Art fahrenden Nachtclub: Neun Lautsprecher und digitale Audiotechnik sorgen in dem tiefer gelegten Van für einen adäquaten Sound. Die Beleuchtung passt sich dabei jeweils dem Takt der Musik an. Die Studie Fine-X wird von einer Brennstoffzelle angetrieben. Durch eine Vierradlenkung mit besonders großem Lenkeinschlag, bei dem Elektromotoren jedes einzelne Rad antreiben, soll die Studie nahezu auf der Stelle drehen können.

Bei Suzuki ist der Mini "Mom's Personal Wagon" speziell auf die Bedürfnisse junger Mütter zugeschnitten ist. Er bietet einen nach vorn klappbaren Beifahrersitz, um schnell den Nachwuchs im Fond zu erreichen. Auf der rechten Seite besitzt die Studie zwei konventionelle Türen, auf der linken Seite öffnen sie gegenläufig. Hinter Mamis persönlichem Auto verbirgt sich übrigens der nächste Wagon R.

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