+
Forum Automatisiertes Fahren

Experte über Vision und Wirklichkeit

Autonomes Fahren: Darf ich betrunken im Auto sitzen?

München - Bundesverkehsminister Dobrindt (CSU) will das autonome Fahren in Deutschland vorantreiben. Die tz hat mit einem Experten über Vision und Wirklichkeit gesprochen.

Eine Kommission soll „ethische Fragen beim Paradigmenwechsel vom Autofahrer zum Autopilot“ klären, heißt es in einem Strategiepapier. Das Kabinett will über das Thema bei seiner aktuellen Klausur auf Schloss Meseberg bei Berlin diskutieren. Mit Beteiligung von Vertretern aus Wissenschaft, Auto- und Digitalbranche soll die Kommission Leitlinien für Algorithmen entwickeln, nach denen Autos in Risikosituationen reagieren. Außerdem will Dobrindt automatisierte Fahrsysteme jetzt auch innerstädtisch erproben lassen. Dabei geht es etwa um die Kommunikation von Systemen mit Fußgängern und Radfahrern und die Vernetzung mit Ampeln. Die tz befragte zur aktuellen Entwicklung und zum Problem der Haftung Prof. Fabian Stancke.

Vollautonomes Fahren ist noch Vision, was muss rechtlich passieren, dass sie Wirklichkeit werden kann? 

Prof. Fabian Stancke, Versicherungsrechts- Experte an der European Law School Braunschweig/Wolfenbüttel: Mit dem vor Kurzem abgeschlossenen Wiener Übereinkommen hat man das teilautonome Fahren international – also auch über die EU hinaus – schon geregelt. Mit dem Strategiepapier, das der Bundesverkehrsminister heute vorlegt, stellt man jetzt die Weichen Richtung Vollautonomie. Und das ist auch richtig so, weil die Technik auf sinnvolle gesetzgeberische Rahmenbedingungen angewiesen ist.

Wie weit sind wir denn vom vollautonomen Fahren noch entfernt?

Stancke: Das ist im Testbetrieb bei Pkw und Lkw schon möglich. Trotzdem wird es schon noch fünf bis zehn Jahre dauern, weil es viele Situationen gibt, die schwer zu programmieren sind. Eis und Schnee, Stadtverkehr …

Situationen, die unfallträchtig sind und die Frage aufwerfen: Wer haftet, wenn keiner mehr am Steuer sitzt? 

Stancke: Derzeit haben wir ja die Gefährdungshaftung, und die wird auch weiterhin gelten, weil ein Fahrzeug einfach ein gefährlicher Gegenstand ist. Anderseits, wenn ich nicht fahre, sondern eine Software den Unfall verursacht, warum soll ich dann haften? Ich hafte ja auch nicht im Taxi, wenn der Taxifahrer einen Unfall verursacht. Da müsste dann der Hersteller bzw. dessen Versicherung zahlen. Aber das ist ja nichts Neues, das gilt ja auch jetzt schon, wenn beispielsweise eine fehlerhafte Bremsfunktion vorliegt.

Volvo bietet von sich aus an, die Haftung bei vollautonomen Fahrzeugen zu übernehmen … 

Stancke: Das klingt nach einem PRGag. Wie gesagt, wenn ein Produktionsfehler vorliegt, haftet der Hersteller ohnehin.

Autonomens Fahren wirft auch ethische Fragen auf: Wie programmiert man ein Fahrzeug für Unfallsituationen? Verkehrsminister Alexander Dobrindt sagt: Es muss die Regel gelten, Sachschaden geht vor Personenschaden ... 

Stancke: Das ist eine Binsenweisheit für jeden, der ethisch denkt. Schwierig ist eine Entscheidung, wenns um zwei Menschen geht, z. B. um die Frage, umfahre ich ein kleines Kind oder eine Seniorin. Aber ich denke, wenn eine Software das antizipieren kann, dann kann man das auch so lösen, dass keiner von beiden Schaden nimmt.

Und wenn das technisch nicht möglich ist? 

Stancke: Dann ist das eine Situation, vor der wir auch im täglichen Leben immer wieder stehen. Eine Situation des Kontrollverlustes. Und dann wird die Frage sein: Kann ich das überhaupt kontrollieren? Programmierung wird immer auf Vermeidung zielen.

Ist es vorstellbar, dass durch autonomes Fahren einmal die Führerscheinpflicht entfällt?

Stancke: Wenn der Insasse tatsächlich zum reinen Passagier wird, ohne Möglichkeit ins Fahrgeschehen einzugreifen – durchaus.

Dann könnte auch die Promillegrenze fallen, oder? 

Stancke (lacht): Ja, allerdings werden wir dann wohl sehr häufig Carsharing- Modelle haben – mit allgemeinen Geschäftsbedingungen. Und in denen könnte stehen: Nutzung nicht alkoholisiert.

So weit ist die Technik schon 

Autopiloten gehören längst zum Alltag: In Flugzeugen sind sie Standard. Auch in Schiffen übernimmt zumindest außerhalb der Häfen oft der Computer das Ruder. Doch der Autoverkehr ist komplex: Zwar können auf der Autobahn die Prototypen der Industrie bereits ohne größere Probleme ohne Eingriffe des Fahrers unterwegs sein. Im Stadtverkehr wird es schon schwieriger. Halbautomatische Funktionen sind allerdings inzwischen Alltag. Ob Tempomaten, Einparkhilfen, Stauassistenten oder Abstandsregler – viele Funktionen entlasten den Fahrer bereits. Auch Mähdrescher können etwa längst eigenständig über das Feld fahren. Im deutschen Straßenverkehr zugelassen sind Roboter-Autos auf einem Abschnitt der A9 zwischen Ingolstadt und Nürnberg, der als Teststrecke für selbstfahrende Fahrzeuge genehmigt ist.

Der US-Zulieferer Delphi bekam zudem die Erlaubnis für die Landstraße nahe seiner Niederlassung in Wuppertal. Tests im Stadtverkehr gibt es bisher nur in den USA: Im kalifornischen Mountain View sind unter anderem Google-Autos unterwegs, in San Francisco Roboter-Autos von General Motors und in Pittsburgh autonom fahrende Uber-Autos. Auch deutsche Hersteller wie Bosch, Mercedes, VW oder Continental testen ihre Roboter-Autos in Kalifornien und Nevada. Audi ließ jüngst zur US-Technikmesse CES einen Wagen „autonom“ rund 900 Kilometer vom Silicon Valley nach Las Vegas fahren. Überholen auf der Autobahn ist kein Problem für die Roboter- Autos. Zumindest für die Autobahn können sich Hersteller pilotiertes Fahren bereits in fünf bis sieben Jahren vorstellen.

Selbstfahrende Autos verführen zum Sex

Experten befürchten nun, dass diese autonome Technik nun eine neue Gefahrenquelle schafft: Ablenkung durch Sex im Auto.

tz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unglaubliches Unfall-Video! So etwas haben Sie noch nie gesehen
Ein tonnenschwerer Kran krachte auf einen fahrenden Audi - doch mit dem, was danach passiert, hat niemand gerechnet.
Unglaubliches Unfall-Video! So etwas haben Sie noch nie gesehen
Hier brennt ein Tesla - 35 Feuerwehrleute im Einsatz
Bei einem spektakulärem Unfall hatte die Fahrerin Glück im Unglück - sie bliebt unverletzt. Doch der Tesla brannte komplett aus. Die Feuerwehr filmte den Einsatz.
Hier brennt ein Tesla - 35 Feuerwehrleute im Einsatz
Alte Kfz-Police erst nach Zusage von neuem Anbieter kündigen
Ende November läuft die Kündigungsfrist für Autoversicherungen ab. Bis dahin können Verbraucher den Anbieter wechseln. Doch Vorsicht: Ein voreiliges Auflösen des …
Alte Kfz-Police erst nach Zusage von neuem Anbieter kündigen
Audi stellt dem neuen A8 einen A7 zur Seite
Die Neuauflage des A7 hat Audi unter anderem etwas flacher gezeichnet und ihr eine neue Front verpasst. Mehr Platz für Passagiere und Kofferraum will das viertürige …
Audi stellt dem neuen A8 einen A7 zur Seite

Kommentare