Das Überraschungs-Ei: Der Piaggio M3 ist ein Trick mit drei Rädern und viel Fahrspaß

München - Keine Frage: Die Aufmerksamkeit von Passanten und anderen Verkehrsteilnehmern ist einem sicher, wenn man auf diesem Roller sitzt. Mit seinen Doppelrädern vorn fällt der Piaggio MP3 garantiert auf, besonders wenn man den Ampel-Trick vorführt - wie der geht, verraten wir später. Beim Aufsteigen ist erst einmal alles wie immer.

Weil die beiden Vorderräder von der mächtigen Frontpartie mit den Scheinwerfern, die ein Lächeln zu zaubern scheinen, verdeckt werden, vergisst man auch schnell das Besondere an diesem Fahrzeug. Also Zündung an, Bremsgriff ziehen, starten, Gas geben, losfahren. Die ersten Meter noch in dem Bewusstsein, dass man auf etwas Anderem sitzt und die Sache dementsprechend vorsichtig angeht. Aber das ist schnell vergessen. Der MP3 unterscheidet sich nicht von so ziemlich jedem anderen üppigen Achtelliterroller. So schwer wie der Piaggio-Scooter ist allerdings kein Konkurrent.

Dementsprechend zögerlich kommt er auf Trab. 15 PS müssen mit dem 219 Kilogramm schweren Gefährt fertig werden. Da ist Geduld angesagt, bis das Dreirad sicher und souverän im Verkehr mitschwimmt, Überholvorgänge sind selten und müssen sorgfältig vorbereitet werden. Und für die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 100 Sachen sollte die Straße ein dezentes Gefälle aufweisen.

Nach kurzer Zeit aber hat man ein Gefühl dafür entwickelt, was der MP3-Motor kann und dann wird es Zeit für die große Überraschung: das Kurvenfahren. Den Lenker fest im Griff und die guten Ratschläge des Piaggio-Mannes in den Ohren fährt man in den ersten Kreisverkehr. Und staunt. Sauber und sicher kippt das Dreirad in die Kurve, hält die gewählte Linie und erlaubt staunenswerte Schräglagen, bis der Hauptständer auf dem Asphalt Funken schlägt. Das bestätigt das Konzept und macht Lust auf mehr, und so wuseln wir behände durch jede Kurvenkombination. Nur bei welligem Fahrbahnbelag kommt bei flotter Gangart eine ungute Eigendynamik in die Vorderräder, ansonsten verleiht das Doppel-Rad dem Roller zusätzliche Stabilität. Vor allem auf Trambahnschienen und Bitumenstreifen und auch bei Nässe ist der MP3 deutlich ruhiger als ein konventionelles Zweirad.

Viel Lob verdienen auch die Bremsen, die vor allem an den Vorderrädern gut dosierbar und sehr wirkungsvoll verzögern. Pluspunkte gibt es auch für die großen und vibrationsfreien Rückspiegel sowie das große Gepäckfach unter Sitz und Heckklappe, in das ein Integralhelm nur mit großer Mühe passt. Das Cockpit ist bestens ausgestattet, allerdings spiegeln die Instrumente bei Sonneneinstrahlung. Das nicht ganz stimmige Verhältnis von Gewicht und Leistung schlägt sich auch im Verbrauch nieder: Stattliche 4,6 Liter Superbenzin konsumierte der Piaggio- Roller auf 100 Kilometer. Der 12,8 Liter fassende Tank erlaubt lange Etappen, der unübersichtliche Einfüllstutzen sorgt jedoch sehr leicht für überquellenden Kraftstoff.

Und wie war das nun mit dem Ampel-Trick? Der Piaggio MP3 verfügt über eine Feststell-Funktion, mit der die beiden Vorderräder arretiert werden und der Roller nicht kippt. Gegen Wegrollen sichert eine Handbremse. Mit etwas Übung kann man per Knopfdruck am rechten Lenkerende die Doppelräder schon beim langsamen Rollen an die Ampel fixieren, ohne die Füße vom Trittbrett nehmen zu müssen. Bei Grün wird dann mit Vollgas losgedüst. Zurück bleiben staunende Passanten und Autofahrer, die dem 5450 Euro teuren Überraschungsei verblüfft hinterherblicken.

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