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Bei reinen Blechschäden muss die Polizei nicht gerufen werden. Bei schweren Unfällen und wenn es Verletzte gibt, sollte man dagegen immer die Polizei alarmieren.

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Unfall: Was tun, wenn es gekracht hat?

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Auch wenn der Schreck oft tief sitzt – bei einem Autounfall gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir erklären, wie man die Unfallstelle sichert, wann man die Polizei rufen sollte und wie die Schadensabwicklung mit der Versicherung klappt.

Meistens geht es hoch her, wenn es zu einem Autounfall kommt – selbst bei kleinen Blechschäden. Viele Autofahrer sind unsicher: Was ist nun zu tun? Wir erklären, was man beachten sollte.

Unfallstelle sichern

Oberste Priorität nach einem Unfall hat die Versorgung der Verletzten und die Absicherung der Unfallstelle – also: anhalten, Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen. In der Stadt reichen 50 Meter Abstand, auf Bundesstraßen empfiehlt die Polizei 100 Meter, auf Autobahnen 200 Meter. Orientierung geben die Leitpfosten, die in der Regel in jeweils 50 Meter Abstand stehen.

Notruf absetzen

Bei schweren Unfällen und wenn es Verletzte gibt, empfiehlt es sich die Notrufnummer 110 der Polizei oder die Notfallnummer 112 anzurufen. Das ist auch ohne Guthaben auf dem Handy möglich. Die 112 funktioniert fast überall in der EU, in der Schweiz, Türkei und Norwegen. Die deutschen Autoversicherer bieten zudem eine gemeinsame gebührenfreie Notrufnummer, an die sich Autofahrer nach einem Unfall wenden können (0800/6683663). Die Notrufzentrale verständigt falls nötig Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen. An Autobahnen können auch die Notrufsäulen genutzt werden, sie stehen alle zwei Kilometer. Ein schwarzer Pfeil an den Leitpfosten weist den Weg zur nächsten Notrufsäule.

Polizei rufen

Bei reinen Blechschäden muss die Polizei nicht gerufen werden. Tut man es dennoch, können sich die Beamten laut Stiftung Warentest sogar weigern zu kommen. Aufgabe der Polizei ist es nicht, Schadenersatzansprüche zu klären – das tun die Versicherer. Der ADAC rät in folgenden Fällen dazu, die Polizei zu alarmieren: Bei Verletzten, hohem Sachschaden, fehlender Einigung, wenn sich der Unfallgegner unerlaubt von der Unfallstelle entfernt hat oder ein Fahrzeug mit Kennzeichen außerhalb der EU ohne Versicherungsnachweis (zum Beispiel grüne Versicherungskarte) am Unfall beteiligt ist. Bei Mietwagen und Firmenfahrzeugen gibt es zudem oft Vorschriften, die Polizei zu rufen.

Wer übrigens ein geparktes Auto anfährt und dann wegfährt, ohne auf den anderen Fahrer zu warten oder die Polizei zu rufen, begeht Fahrerflucht. Häufig praktiziert, aber rechtlich nicht genug: Seine Visitenkarte oder einen Zettel unter den Scheibenwischer des Autos legen. „Das ist gut gemeint, reicht aber nicht aus“, heißt es beim ADAC.

Verwarngeld

Wird die Polizei alarmiert, muss der Fahrer, den wahrscheinlich die Schuld trifft, ein Verwarnungsgeld zahlen – maximal 55 Euro. Das bedeutet aber kein Schuldanerkenntnis. Stiftung Warentest rät bei der Polizei nur Angaben zur Person und zum Fahrzeug zu machen, nur dazu ist man verpflichtet. Weitere Aussagen, etwa zur Schuld, könnten sich später belastend auswirken.

Beweise sichern

Direkt nach dem Unfall sollte man Personalausweisdaten, Adressen und Kennzeichen notieren, Zeugen suchen und Fotos machen. „Unfallbeteiligte müssen am Ort bleiben, bis ihre Personalien festgestellt sind“, erklärt die Stiftung Warentest. Der Unfallgegner hat ein Recht darauf, Informationen zur Person zu bekommen. Das Kennzeichen alleine reicht nicht aus. Stiftung Warentest rät, sich immer den Personalausweis zeigen zu lassen – nicht nur den Führerschein. „Weigert sich der andere, sollte man die Polizei rufen.“

Der ADAC rät bei der Beweissicherung zu Übersichtsaufnahmen, jeweils aus der Richtung der Fahrzeuge mit eventuellen Bremsspuren und Fahrzeug-Beschädigungen. Vermessbare Punkte wie zum Beispiel Lichtmasten sollten mitfotografiert werden.

Unfallprotokoll

Wichtig ist auch, vor Ort ein Unfallprotokoll auszufüllen. Formulare gibt es im Internet gratis etwa beim ADAC oder unter Verkehrsanwaelte.de/unfallbericht. Einen Ausdruck sollte man immer im Handschuhfach dabeihaben, rät der ADAC. Es sind Angaben zu Unfall, Fahrzeugen und Personen zu machen. Ein Schuldeingeständnis sollte man nicht abgeben. Alle Unfallbeteiligten sollten das Protokoll unterzeichnen.

Versicherung

Hat der Unfallgegner den Unfall alleine verursacht, haftet die gegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung in der Regel vollständig für den entstandenen Schaden. Trifft beide Beteiligte ein Teil der Schuld, wird nur ein Teil des Schadens entsprechend dem Mitverschulden („Haftungsquote“) erstattet. Grundsätzlich gilt: Schadenersatzansprüche meldet man direkt bei der Kfz-Versicherung des Unfallgegners an. So weit die Theorie. Wenn in der Praxis der Unfallgegner seine Versicherung nicht nennt, übernimmt der Zentralruf der Autoversicherer (Telefon 0800/2502600). Er gibt den Unfall an die zuständige Autoversicherung weiter. Die meldet sich dann beim Geschädigten, oft schon am Unfallort.

Rechtsanwalt

Vorsicht ist geboten, wenn die Versicherung anbietet, sich um alles zu kümmern – also den Wagen zu reparieren und frisch gewaschen vor der Haustür abzustellen. „Das klingt verlockend, hat aber oft Nachteile“, warnt Stiftung Warentest. Bei solchen Direktregulierungen falle oft einiges unter den Tisch – etwa ein Ausgleich für die Wertminderung. Zunächst sollte man Kontakt zu einem Rechtsanwalt aufnehmen, erst danach zur gegnerischen Versicherung, rät Stiftung Warentest. Wer schuldlos in einen Unfall verwickelt wurde, hat übrigens grundsätzlich Anspruch auf einen Rechtsanwalt. „Das gilt auch für Kleinschäden. Die Kosten für den Anwalt muss die Gegenseite bezahlen“, so Stiftung Warentest.

Schaden feststellen

Bei Bagatellschäden bis etwa 750 Euro gilt in der Regel der Kostenvoranschlag oder die Reparaturrechnung der Werkstatt als Schadensnachweis, heißt es beim ADAC. Bei höheren Schäden ist es ratsam, einen Sachverständigen einzuschalten, auch wenn ein wirtschaftlicher Totalschaden zu befürchten ist. Ein Totalschaden liegt vor, wenn die Kosten der Reparatur den Wert des Autos übersteigen. Bei einem unverschuldeten Unfall trägt die gegnerische Versicherung die Kosten des Sachverständigen – den man sich selbst aussuchen kann. Im Fall des mitverschuldeten Unfalls werden die Kosten anteilig übernommen.

Reparatur

Jeder hat das Recht, sein Fahrzeug in einer Werkstatt nach Wahl reparieren zu lassen. „Liegen die vom Sachverständigen geschätzten Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges, ist eine Reparatur wirtschaftlich unvernünftig und Sie erhalten grundsätzlich nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes“, erklärt der ADAC. Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um maximal 30 Prozent, darf man das Auto zwar dennoch reparieren lassen. Allerdings muss das Fahrzeug nach der Reparatur noch mindestens sechs Monate weiter genutzt werden.

Kostenerstattung

Die im Gutachten oder Kostenvoranschlag festgesetzten Reparaturkosten stehen dem Geschädigten auch zu, wenn man das eigene Auto selbst, teilweise oder überhaupt nicht (fiktive Abrechnung) repariert – ohne Mehrwertsteuer. Bei einer fiktiven Abrechnung kann ein Geschädigter die Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt verlangen – auch bei einem Totalschaden. Allerdings kann die Kfz-Versicherung des Unfallgegners den Geschädigten auf eine freie, kostengünstigere Werkstatt für den Fall verweisen, in dem das Fahrzeug mehr als drei Jahre alt oder nicht scheckheftgepflegt ist. Voraussetzung ist allerdings, dass die freie Werkstatt vom Qualitätsstandard eine gleichwertige, günstigere Reparaturmöglichkeit bietet. Zudem muss sie mühelos und ohne Weiteres zugänglich sein.

Schaden selbst zahlen

Wer einen Autounfall selbst verschuldet hat, muss zahlen – selbst mit Vollkaskoversicherung. Die meisten Versicherer kürzen den Schadenfreiheitsrabatt und erhöhen den Beitrag fürs folgende Jahr. Manchmal lohnt es sich deshalb, einen Schaden selbst zu begleichen. Die Stiftung Warentest bietet unter www.test.de (Suchbegriff „Rückstufungsrechner“) einen kostenlosen Rückstufungsrechner an, der den Grenzwert ermittelt, bis zu dem man selbst zahlen sollte. In der Regel lohnt es sich, Haftpflichtschäden bis etwa 1500 Euro und Vollkaskoschäden bis 1300 Euro selbst zu bezahlen.

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