Verkappter Spaßmacher

- Ganz schön lang hat BMW die Fans der Roadster warten lassen, bis der überarbeitete Boxermotor mit 1170 ccm Hubraum nach Enduro, Sportler, Sporttourer und Tourer nun auch für die unverkleidete Version des Quintetts angeboten wird. Seit dem vergangenen Wochenende steht die R 1200 R beim Händler - wir haben sie bereits ausgiebig gefahren. Der Lohn fürs lange Warten ist dafür ein technisches Schmankerl: Die Roadster kann als erste BMW mit dem neuen Integral-ABS geordert werden (Aufpreis: 1050 Euro).

Die Bremsanlage kommt nun ohne Bremskraftverstärker aus, ein Zug am Handbremshebel wirkt auf alle drei Scheiben, das Hinterrad wird separat verzögert. Und genau diese Bremsanlage ist eine Wucht! Sie ist genau dosierbar, verzögert das 223 Kilogramm schwere Bike souverän und beißt bei Bedarf auch knackig zu. Das Wissen um den sicheren Stopp der R 1200 R sollte man bei den Fahrten stets im Hinterkopf behalten, denn die Roadster ist eine Spaßmaschine allerersten Ranges.

Wendig und leicht flitzt sie um Kurven, legt sich bis zur Haftgrenze der Reifen in Schräglage und reizt allzu oft, die eigenen Grenzen auszuloten und die der Straßenverkehrsordnung zu übertreten. Den Tribut an diese Fahrweise zahlt man auch in Form eines recht stattlichen Verbrauchs von 5,8 Liter Super plus auf 100 Kilometer. Die Power zu diesen Späßchen liefert der Zweizylindermotor, der in nahezu identischer Form auch die Schwestermodelle RT und ST antreibt und in der R 109 PS (80 kW) leistet. Das maximale Drehmoment beträgt 115 Nm (bei 6000 U/min). Kein Wunder, dass mit diesen Werten eine flotte Nummer gedreht werden kann, zumal auch das Sechsgang- Getriebe den Gangwechsel schnell und sauber erledigt.

So angenehm hat sich noch keine Boxer schalten lassen. An unserem Exemplar war das Windschild Sport montiert, das 165 Euro zusätzlich kostet, aber angesichts der daraus resultierenden relativen Ruhe auf der Autobahn ein sinnvolles Extra darstellt. So ausgestattet schafft es die R 1200 R mühelos bis zur Höchstgeschwindigkeit von knapp 230 km/h. Vor Wetter und Wind schützt das Plastikteil natürlich nicht ausreichend, aber wer dies braucht, der sollte doch eher zu einem anderen Modell greifen.

Wer aber Motorrad pur will, der bekommt für 11 200 Euro mit der neuen BMW R 1200 R ein pures Motorrad ohne störendes Plastik, dafür aber mit ordentlich Power, einem phantastischen Fahrwerk und sensationell guten Bremsen. Aber warum gibt es dieses Motorrad nur in Grau und Schwarz?

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