Volle Dröhnung hinter dem Lenkrad

- Bonn/Hamburg - Alkoholgenuss und die Teilnahme am Straßenverkehr sind eine gefährliche Kombination, das dürfte mittlerweile einem Großteil der Autofahrer klar sein. Doch während in diesem Bereich die langjährige Aufklärungsarbeit wenigstens kleine Erfolge zeigt, wächst auf der anderen Seite eine neue Gefahr: Drogenkonsum bei Autofahrern führt zu steigenden Unfallzahlen, besonders bei den ohnehin stark gefährdeten jüngeren Fahrern - dieses Thema wird bislang in erster Linie von den Verkehrsexperten wahrgenommen, in der Öffentlichkeit ist es dagegen noch kaum präsent.

<P>Im Jahr 1991 zählte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden lediglich 434 Unfälle mit Personenschäden, die unter dem Einfluss berauschender Mittel wie Drogen geschahen. Dabei starben 18 Menschen. Bis 1995 wuchs die Zahl solcher Unfälle mit Personenschäden auf 607, im Jahr 2001 waren es bereits 1080. In jenem Jahr starben 63 Menschen bei solchen drogenbedingten Unfällen. Die tatsächliche Lage auf den Straßen wird von diesen Zahlen jedoch kaum wiedergegeben - die Dunkelziffer ist hoch, so die Statistiker - auch wenn Polizeibeamte in den vergangenen Jahren mit besseren Schulungen und Hilfsmitteln für dieses Thema sensibilisiert wurden.</P><P>"Die Hauptproblemgruppe sind die 18- bis 24-jährigen Autofahrer", sagt Hendrik Seifert, Landesvorsitzender der Sektion Hamburg im Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (B.A.D.S.). "Viele dieser jungen Menschen haben sich über die Gefahr durch Drogen im Straßenverkehr noch gar keine Gedanken gemacht. Sie haben keine Ahnung, was passieren kann." Auch in der Fahrschule komme das Thema in der Regel zu kurz.</P><P>Laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn gaben bei einer Umfrage unter Discobesuchern in Bayern 12 Prozent der Befragten zu, nach dem Besuch von Discos oder Techno-Veranstaltungen unter Drogen Auto zu fahren. Möglicherweise kommen aber auch diese Zahlen der Wahrheit nicht wirklich nahe. So wurde kürzlich auf der Internet-Seite "http://www.techno.de" eine Umfrage zum Thema durchgeführt. Auf die Frage "Bist du schon mal unter Drogen Auto gefahren?" antworteten von 673 Besuchern 49,6 Prozent mit "Ja", 50,4 Prozent mit "Nein". Die dazu gehörenden Kommentare der "Ja"-Sager reichten von "Das macht voll Spaß!" über "Musste ja irgendwie nach Hause kommen" bis zu "...und habe jetzt keinen Führerschein mehr, heul!".</P><P>Solche Antworten machen auch deutlich, dass die Folgen von Drogen im Straßenverkehr den Nutzern kaum bekannt sind. "Die möglichen Folgen reichen von längerer Reaktionszeit über geringere Aufmerksamkeit, eingeschränktes Hör- und Sehvermögen bis zu Stimmungsveränderungen und höherer Risikobereitschaft", so Hendrik Seifert vom B.A.D.S..</P><P>So mancher Drogenkonsument belässt es nicht einfach bei einer Droge, sondern tut wie es scheint alles, um die Wirkung zu intensivieren - und die Folgen zu verschlimmern. So hat eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach ergeben, dass ein großer Teil der drogenbeeinflussten Fahrer zudem noch Alkohol im Blut hat. Festgestellt wurde zudem häufig die Kombination mehrerer Drogen. Gerade von der Kombination einer Droge mit Alkohol oder zweier Drogen plus zusätzlichem Alkoholkonsum geht laut BASt eine besonders hohe Gefährdung aus. Eine weitere Feststellung der Untersuchung ist, dass alkoholisierte Fahrer sich eher gegen die Benutzung des Autos entscheiden als solche unter Drogeneinfluss.</P><P>Womöglich ist manchem Drogennutzer immer noch nicht bekannt, dass es sich dabei in Verbindung mit dem Autofahren nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Seit dem 01. August 1998, so der Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart, handelt laut Paragraf 24 a des Straßenverkehrsgesetzes ordnungswidrig, wer ein Kraftfahrzeug unter Wirkung von Heroin, Morphin, Cannabis, Kokain, Amphetamin oder Designer-Amphetamin wie Speed und Ecstasy führt. "Geldbußen bis zu 1500 Euro sind schon bei kleinsten Konzentrationen von Drogen im Blut möglich", so Bernd Kulow vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat.</P><P>Hinzu kommen weitere Möglichkeiten der Bestrafung: "Schon ohne Anzeichen von Fahruntüchtigkeit gelten Drogenfahrten als Ordnungswidrigkeit. Wer zum ersten Mal ertappt wird, muss mit 250 Euro Bußgeld, vier Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot rechnen", erläutert Michael Ludovisy, Jurist beim ADAC in München. Weg ist die Fahrerlaubnis laut dem ADAC, wenn jemand unter Drogeneinfluss am Steuer Ausfallerscheinungen wie Fahrfehler zeigt.</P><P>Drogennutzer müssen aber nicht einmal hinter dem Lenkrad sitzen, um Probleme zu bekommen. Laut der Gesellschaft für Arbeits-, Verkehrs- und Umweltsicherheit (AVUS) in Frankfurt/Main muss jeder, der bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde als Konsument illegaler Drogen - ausgenommen Cannabis - bekannt ist, damit rechnen, dass ihm die Fahrerlaubnis entzogen wird. Möglich ist auch, dass die Fahreignung bei einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) und/oder mit einem ärztlichen Gutachten unter Beweis gestellt werden muss - egal ob der Betroffene unter Drogeneinfluss im Auto erwischt wurde oder ob die Behörde auf anderen Wegen vom Drogenkonsum erfahren hat. </P>

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