Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen

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Fürs Kind im Manne: Der Polo Blue GT und Autor Michael Knippenkötter

Vernunft verliert

VW Polo GT: Fahrspaß & Spritsparen?

Es ist wie das Spielen im Matsch, ohne schmutzig zu werden: Mit dem Polo Blue GT scheint den Ingenieuren von VW etwas gelungen zu sein, das Spaß macht und trotzdem vernünftig ist.

Erstmals wurde der Kleinwagen-Bestseller von seinen Erschaffern aus Wolfsburg mit dem Komplett-Paket aus Zylinderabschaltung (ACT), Downsizing und Start-Stopp-Automatik ausgestattet. Bedeutet: Das Kind im Manne sollte seine Freude am Fahren haben, dem harten Arbeiter dürften an der Zapfsäule keine Tränen in die Augen schießen. Hat VW also die perfekte Kombination entwickelt?

Im Test geht es mit einem 140 PS starken 1,4 Liter TSI im automatischen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf Tour. VW bietet sein Spar- und Spaßwunder zudem als Sechsgang-Schaltgetriebe an. Doch auch bei der Automatikversion kann der Fahrer den Takt anhand von Wippen am Lenkrad selbst vorgeben. Generell darf er sich auf eine komplett ruckfreie Tour freuen, was speziell bei den neu verbauten Raffinessen unter der Motorhaube nicht selbstverständlich scheint. VW setzt im Polo Blue GT auf ein „aktives Zylindermanagement“, bei dem im Drehzahlbereich zwischen 1400 und 4000 U/min und bei einem Tempo bis 130 km/h zwei der vier Zylinder deaktiviert werden. Laut VW kann damit bis zu ein Liter Super-Benzin pro 100 Kilometer gespart werden. Der Fahrer bekommt davon nichts mit.

Bis zu 210 km/h sind möglich

Damit nicht genug. Durch das Start-Stopp-System unterdrückt der Polo an der Ampel seinen Schluckreflex, die Direkteinspritzung bringt ebenfalls ein paar Prozentpunkte auf der Habenseite. Zur Verbrauchssenkung wurde zudem die Aerodynamik verbessert, der Polo wurde mit Seitenschwellern, Front- und Dachspoiler versehen. Insgesamt soll durch die technischen Maßnahmen ein Verbrauch im Bereich von 4,5 l/100 km drin sein – leider eine unrealistische Zahl. Denn wenn überhaupt Ergebnisse in diesen Sphären drin sind, dann ist der Spaß ganz sicher auf der Strecke geblieben. Im Praxis-Test bewegte sich der Verbrauch bei 6,2 Litern.

Dennoch ist dies natürlich kein Wert, der einen aus dem Sitz haut. Dort hat man besten Halt, die blauen Bezüge wirken modern. Die Instrumente sind übersichtlich angelegt. Das Sportlenkrad trägt zum stimmigen Eindruck bei, macht aber auch Lust auf unvernünftiges Fahren. Da nutzen die technischen Helfer nicht mehr viel. In der Spitze schafft es der Polo so auf 210 km/h, der Sprung von 0 auf 100 dauert gerade mal 7,9 Sekunden! Mehr Laune macht beim recht hart abgestimmten Fahrwerk aber eher ein kurvenreiches Landstraßenerlebnis, auch wenn ein leichtes Untersteuern beim Fronttriebler immer drin ist. In der Grundausstattung kostet das Sechsgang-Schaltgetriebe 19 650 Euro, die Automatik-Variante 21 075 Euro.

Fazit

Die eine Hälfte des VW-Plans ging voll auf: Fahrspaß kann man mit dem GT locker haben. Die andere gelingt nur bedingt: Mit Spritsparen im ganz großen Stil hat das nichts zu tun. Und der perfekte Grund, sich für einen voll ausgestatteten, kleinen Polo anstelle eines „normalen“ Golfs zu entscheiden, stach beim Test nicht hervor. Aber diese Argumentation hat vielleicht schon wieder zu viel mit Vernunft zu tun.

Micheal Knippenkötter

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