+
Warnwestenpflicht herrscht mittlerweile in den meisten Ländern Europas. Doch im Detail gehen die Regelungen auseinander. Wer etwa in Portugal keine Warnweste mitführt, riskiert bis zu 300 Euro Strafe.

Unterschiedliche Bestimmungen

Warnwesten: Das müssen Sie wissen

München - Ferienzeit ist Reisezeit. Und diese treten 2014 laut ADAC Reise-Monitor 50 Prozent der Deutschen mit dem Auto an – Über die Verkehrsregeln im Ausland sollte man daher Bescheid wissen. Heuer stiften besonders die unterschiedlichen Bestimmungen zu Warnwesten Verwirrung.

Als eines der beliebtesten Urlaubsziele gilt Italien – der Weg zum sonnigen Land am Mittelmeer führt für viele Urlauber durch Österreich. Kurz vor der Grenze, wie auf der A93 in Kiefersfelden, legen viele Autofahrer den obligatorischen Stopp zum Erwerb der österreichischen Vignette ein. Schnell in die Tankstelle, Vignette kaufen und weiter Richtung Süden, so der Plan. Doch an der Kasse fragt die Verkäuferin: „Haben Sie denn auch genügend Warnwesten im Auto dabei?“ und deutet an, dass in Italien jeder Mitfahrer im Fahrzeug eine Weste bräuchte. Kostenpunkt in Kiefersfelden: 9,90 Euro pro Weste. Das Ergebnis des Kurzstopps: Die Reisenden sind verunsichert. Muss ich eine Warnweste mitführen und bei einer Panne tragen? Muss ich für jeden Insassen in meinem Fahrzeug eine Warnweste bereit halten? Welche Bußgelder drohen bei einem Verstoß? Wir beantworten alle Fragen rund um das Thema Warnwestenpflicht für die beliebtesten Reiseländer Europas.

Deutschland

Seit dem 1. Juli gilt die Warnwestenpflicht auch in Deutschland. Autofahrer müssen eine Warnweste im Pkw dabei haben, um bei Pannen oder Unfällen von anderen Verkehrsteilnehmern besser gesehen zu werden. Fehlt eine rote, gelbe oder orangefarbene Weste im Fahrzeug, drohen 15 Euro Geldbuße.

Österreich

In Österreich müssen Lenker aller mehrspurigen Kraftfahrzeuge, also nicht nur von Pkws, sondern zum Beispiel auch von Quads, eine Warnweste im Fahrzeug mitführen. Diese muss vom Fahrersitz leicht erreichbar sein und von der Person getragen werden, die bei einem Unfall oder bei einer Panne außerhalb von Ortsgebieten das Fahrzeug verlässt, beispielweise zum Aufstellen eines Warndreiecks. Es gibt in Österreich keine Verpflichtung, dass für alle Insassen im Auto eine Warnweste vorhanden sein muss. Motorradfahrer sind von der Warnwestenpflicht ausgenommen. Bei Verstoß droht ein Bußgeld zwischen 14 und 36 Euro.

Italien

In Italien hingegen gilt für Warnwesten lediglich eine Tragepflicht. So müssen zwar alle Personen, die bei einer Panne außerhalb geschlossener Ortschaften das Fahrzeug verlassen, eine reflektierende Warnweste tragen. Bei einer Fahrzeugkontrolle muss jedoch nicht nachgewiesen werden, das Warnwesten an Bord sind. Für Motorradfahrer gibt es keine Warnwestenpflicht – Autofahrern droht beim Nichttragen eine Strafe von mindestens 38 Euro Bußgeld.

Spanien

Pkw-Fahrer, die in Spanien eine Panne haben, müssen beim Verlassen Ihres Fahrzeugs eine Warnweste tragen – Motorradfahrer nicht. Die spanische Polizei kassiert bei einem Verstoß bis zu 100 Euro, erlässt jedoch den halben Betrag, wenn sofort gezahlt wird.

Portugal

In Portugal fällt die Strafe höher aus – hier sind bei Verstoß gegen die Mitführpflicht von Warnwesten bis zu 300 Euro und bei Verstoß gegen die Tragepflicht sogar bis zu 600 Euro fällig. Dies gilt jedoch nur für in Portugal zugelassene Fahrzeuge, schließt aber auch Mietautos für Urlauber mit ein. In beiden Ländern sind Motorradfahrer von der Warnwestenpflicht ausgenommen.

Frankreich

In Frankreich müssen nicht nur Autofahrer, sondern auch Fahrradfahrer eine Weste tragen. Bei einer Panne oder einem Unfall ist jede Person, die den Pkw verlässt, dazu verpflichtet eine reflektierende Warnweste zu tragen, bei Verstoß drohen mindestens 90 Euro Bußgeld. Nachts oder bei schlechter Sicht außerhalb von geschlossenen Ortschaften gilt die Tragepflicht für Fahrradfahrer. Sollten diese ohne Warnweste erwischt werden, müssen sie mindestens 22 Euro bezahlen. Motorradfahrer haben in Frankreich keine Warnwestenpflicht.

Kroatien

Kein Bußgeld, dafür jedoch eine Tragepflicht von Warnwesten für Fahrer von Pkw und Motorrädern gibt es in Kroatien. Dies gilt für Pannen und Unfällen außerhalb von geschlossenen Ortschaften.

Belgien

In Belgien müssen alle Insassen eines Pkw, die bei einer Panne oder einem Unfall das Fahrzeug verlassen, eine Warnweste tragen – das gilt auch für Motorradfahrer. Pro Fahrzeug ist eine reflektierende Weste Pflicht, ansonsten drohen mindestens 50 Euro und bis zu 1400 Euro Strafe.

Luxemburg

In Luxemburg gelten dieselben Regeln – außer, dass dort Motorradfahrer von der Warnwestenpflicht ausgenommen sind, diese jedoch für Fußgänger gilt, die bei Dunkelheit an Landstraßen entlang gehen. Die Polizei ahndet Verstöße mit mindestens 49 Euro.

Tschechien

Für Pkw-Fahrer in Tschechien gilt, dass mindestens eine Warnweste im Fahrzeug vorhanden sein und für jeden weiteren Mitfahrer eine Weste mitgeführt werden muss. Die Warnweste muss beim Verlassen des Fahrzeugs außerhalb geschlossener Ortschaften und auf Autobahnen getragen werden. Wird diese Pflicht nicht eingehalten, drohen Geldbußen bis zu 95 Euro.

In Dänemark, den Niederlanden, Polen, der Schweiz, Großbritannien, Irland und Schweden gibt es keine Warnwestenpflicht.

Vollstreckung

„In Deutschland haben wir die niedrigsten Verwarn- und Bußgelder Europas“, weiß ADAC-Jurist Bernd Gstattler und warnt vor einer bösen Überraschung nach dem Urlaub. „Aufgrund des Vollstreckungshilfeabkommens in Europa müssen auch Bußgeldbescheide bezahlt werden, die aus dem Urlaubsland per Post nach Hause kommen“. Die Ausnahme bilden Italien, Griechenland und Irland, die das Abkommen bisher nicht ratifiziert haben. „Aber das ist nur eine Frage der Zeit“, so Bernd Gsattler.

Grundsätzlich sollte jeder Autofahrer – unabhängig von gesetzlichen Verpflichtungen – schon aus eigenem Interesse im Pannenfall bei Verlassen des Autos eine Warnweste tragen, rät Gstattler.

Warnwesten-Norm

Beim Kauf einer Warnweste sollte auf das europäische Kontrollzeichen EN 471 beziehungsweise auf die seit Juni 2013 gültige EN ISO 20471 geachtet werden. Denn in den Ländern mit Warnwestenpflicht ist die Ausgestaltung der Warnweste genau vorgeschrieben. Mit den europäischen Kontrollzeichen sei man immer auf der sicheren Seite, versichert Bernd Gstattler.

Warnwesten, die diese Norm erfüllen, sind auf der Innenseite mit einem Aufnäher versehen und im Fachhandel für unter zehn Euro zu haben. Noch günstiger geht es im Internet, dort können Warnwesten bereits für unter fünf Euro gekauft werden.

Hanny Hellrung

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auch bei schönem Herbst-Wetter lauern Gefahren für Biker
Viele Motorradfahrer nutzen gern die schönen Herbsttage für eine Tour. Aber das gute Wetter kann trügen: Biken ist im Herbst auch bei Sonnenschein nicht ungefährlich.
Auch bei schönem Herbst-Wetter lauern Gefahren für Biker
Volltanken vor Fahrt ins Ausland kann sich lohnen
Die Benzin-Preise unterscheiden sich von Land zu Land. Wo es sich für deutsche Autoreisende rechnet, vorher vollzutanken, verrät der ADAC.
Volltanken vor Fahrt ins Ausland kann sich lohnen
Studie deckt auf: Diesel stoßen mehr CO2 aus als Benziner
Eigentlich werden Dieselmotoren vor allem mit einem erhöhten Stickoxid-Ausstoß in Verbindung gebracht. Doch möglicherweise verursachen sie auch mehr CO2 als Benziner.
Studie deckt auf: Diesel stoßen mehr CO2 aus als Benziner
Aus diesem Grund sollten Sie jetzt schon Winterreifen kaufen
Für Autofahrer gilt die Faustregel "Von O bis O": Von Oktober bis Ostern sollte das Auto mit Winterreifen ausgestattet sein. Doch kaufen sollten Sie diese schon jetzt.
Aus diesem Grund sollten Sie jetzt schon Winterreifen kaufen

Kommentare