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Was hinter E-Call und Hersteller-Notrufen steckt

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Hilfe auf Knopfdruck
Die Notruftaste für den E-Call findet sich entweder am Dachhimmel oder in der Mittelkonsole. © Andrea Warnecke/dpa-tmn

Der Notruf E-Call sorgt in vielen neuen Autos dafür, dass Retter und Polizei nach einem Unfall automatisch informiert werden. Einige Hersteller installieren aber auch eigene Notrufsysteme. Ein Problem?

München - Seit April 2018 müssen neu auf den Markt kommende Fahrzeuge mit dem europaweit funktionierenden Notrufsystem E-Call ausgeliefert werden. So hat es die EU bestimmt. Die Idee dahinter: schnellere Hilfe bei Unfällen oder in anderen Notsituationen.

„Stellt das Auto einen schweren Unfall fest, etwa über die Airbag-Sensoren, löst der E-Call selbsttätig einen Notruf aus und übermittelt Fahrzeug- und Standortdaten an die nächstgelegene Notrufzentrale“, erläutert Markus Bach von der „Auto Zeitung“. Über einen SOS-Knopf im Cockpit könne der Fahrer in einer Notsituation den Notruf auch selbst betätigen. Dann wird ebenfalls sofort eine telefonische Verbindung zur nächsten Notrufzentrale aufgebaut.

Natürlich braucht all das Extra-Technik. „Dazu werden vom Hersteller unter anderem eine fest installierte SIM-Karte und ein GPS-Modul für den Satellitenempfang eingebaut“, erklärt Bach. Wird das E-Call-System aktiviert, erfolgt die Einwahl ins Mobilfunknetz. Es bestehe also keine dauerhafte Datenverbindung, so Bach.

Antwortet noch jemand?

Steht die Verbindung zur Notrufzentrale, wird eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter erst versuchen, mit den Autoinsassen Kontakt aufzunehmen. Deshalb gehören auch Mikro und Lautsprecher zum System. Wird festgestellt, dass niemand ansprechbar ist, schickt die Leitstelle sofort einen Rettungswagen los, erklärt Bach.

Viele Hersteller haben die geschilderte technische Basis auch schon in ihre Entertainmentsysteme verbaut und bieten darüber etwa auch Pannen-, Navigations- oder eben eigene Notrufdienste an. Hier kommt es dem ADAC zufolge dann aber mitunter auch zu Problemen.

„Wir haben bei einer Abfrage im letzten Jahr festgestellt, dass einige deutsche Autohersteller zusätzlich zum vorgeschriebenen 112-E-Call eigene Notrufe anbieten, die an ihre eigenen Callcenter gehen“, sagt Arnulf Thiemel vom ADAC. „Tests haben gezeigt, dass es bis zu einer Minute dauert, bis solche Anrufe überhaupt angenommen werden. Und dann muss der Hersteller die Unfall-Infos erst an eine Rettungsstelle weiterreichen, denn nur die schickt Rettungswagen und Notarzt los.“

Wertvolle Zeit

Dies sei für die Rettungskräfte wertvolle Zeit, die verloren gehe, so Thiemel weiter. Aber warum gibt es bei Audi, BMW, Mercedes und Volvo sowie bei einigen VW-Modellen eigene Notruf-Systeme? Die Hersteller führten die Ansprache des Unfallopfers in der Muttersprache auch im Ausland, den Empfang in mehr Mobilfunknetzen sowie genauere Informationen zum Unfallhergang als Argumente an, sagt Thiemel.

Auf der anderen Seite gebe es aber Berichte von Rettungsleitstellen, die beklagen, dass die Notrufzentralen der Hersteller mitunter gar nicht 24 Stunden erreichbar seien oder falsche Unfall-Koordinaten übermittelten, sagt Thiemel. Zudem gebe es Hersteller-Notrufdienste, die nur für einige Jahre kostenfrei seien und dann kostenpflichtig würden. Beim E-Call gebe es dieses Problem nicht.

Damit Notruf-Eindeutigkeit herrscht und erst gar nicht die Gefahr besteht, dass ein Notruf verzögert oder gar nicht vermittelt wird, sollte der europaweite 112-E-Call ohne Umwege an die öffentlichen Leitstellen gesendet werden, sagt Thiemel. „Diese direkte Verbindung sollte auch werksseitig bei der Fahrzeugauslieferung voreingestellt sein.“

Der E-Call als Grundeinstellung

Autofahrerinnen und Autofahrer wissen in der Regel nicht, wie ihre Notrufe zur Notrufzentrale gelangen und verboten ist die Umleitung über den Hersteller auch nicht. „Wir kritisieren aber, dass der Autofahrer in den meisten Fällen dann gar nicht ohne Weiteres die Möglichkeit hat, den 112-E-Call selbst als Grundeinstellung einzustellen“, sagt Thiemel.

Bei Audi, BMW und Mercedes beispielsweise müssten die Kunden extra in die Werkstatt fahren, um auf den reinen 112-E-Call umzustellen, erklärt Thiemel. Laut ADAC leiten vor allem deutsche Autohersteller die Notrufe über ihre eigenen Pannenleitstellen um. Die meisten anderen europäischen oder auch die asiatischen Autofirmen hingegen hätten immer den 112-E-Call voreingestellt, der übrigens auch nie deaktiviert werden könnte.

Ob ein Auto über das E-Call-System verfügt, ist meist auf einen Blick ersichtlich, obwohl es keine einheitliche Kennzeichnung gibt. „Das Fahrzeug besitzt dann eine Taste mit der Aufschrift "eCall" oder noch häufiger "SOS", entweder in der Mittelkonsole oder am Dachhimmel“, erklärt Markus Bach. „Im Zweifelsfall hilft aber auch ein Blick ins Bordbuch oder die Nachfrage beim Händler.“ dpa

Bereits seit 2016 gibt es zudem eine Art mobilen E-Call, den der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter dem Namen Unfallmeldedienst (UMD) auf den Markt gebracht hat und über die Autoversicherungen vertreibt. „Hierbei handelt es sich um einen 12-Volt-Stecker mit Sensor, der dann über eine App mit dem Smartphone gekoppelt wird“, erklärt ein GDV-Sprecher.

Ein Notruf über dieses System landet bei der GDV-Dienstleistungs-Tochter (GDV-DL), die unter anderem auch den Zentralruf der Versicherer und die Notrufsäulen entlang der Autobahnen betreut. Diese E-Call-Nachrüstlösung kann ausschließlich als Zusatzoption über eine Versicherung bezogen werden. Wer diese Variante wählt, kann seinen Notruf auch über das 4G-Netz (LTE) oder sogar übers neue 5G-Netz absetzen.

Der E-Call hat bislang hingegen nur das 2G- und 3G-Netz genutzt. Das 3G-Netz (UMTS) wird zwar voraussichtlich bis Jahresende 2021 komplett abgeschaltet sein. Aber: „Kein Autofahrer muss befürchten, dass sein E-Call gar nicht versendet wird, denn das 2G-Netz wird noch über Jahre funktionieren“, sagt Arnulf Thiemel vom ADAC. Das 2G-Netz werde etwa auch für Aufzug-Notrufe genutzt.

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