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Gefahr für Autofahrer: Ein Wildschwein kreuzt die Straße

So viele Unfälle wie nie zuvor

Wildwechsel: So verhalten Sie sich richtig

München - Der Wildwechsel ist heuer so extrem, wie noch nie zuvor - und die Zahl der Unfälle ebenfalls. Die tz erklärt was hinter der aktuellen Statistik steckt und wie sich Autofahrer richtig verhalten.

Es war der Bruchteil einer Sekunde: Urplötzlich stand das Reh mitten auf der Straße. Rudi G. aus Eggenfelden konnte nicht mehr reagieren. Frontal krachte er in das Tier. Die Bilanz: Das Reh war tot, die Front des Wagens nur noch Schrott. So wie dem Eggenfeldener ergeht es zur Zeit vielen Autofahrern: Noch nie war die Zahl der Wildunfälle höher als in diesem Jahr – sie liegt in Bayern nach ersten Zählungen schon bei über 60.000. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es insgesamt „nur“ 55.929. Einer der Hauptgründe ist: Noch nie gab es so viele Wildtiere wie jetzt.

"Den Wildschweinen geht's zu gut"

Die aktuellste Bayern-Statistik zeigt: Im Jahr 2011 starben zwei Menschen bei Kollisionen, 107 wurden schwer verletzt, 392 leichter. Und: Der versicherungsrelevante Schaden lag 2011 bundesweit bei über 510 Millionen Euro. Zahlen, die heuer noch übertroffen werden. Warum die Zahl der Unfälle ansteigt, hat mehrere Gründe: Die Wälder werden immer weniger, Straßen führen durch Naturgebiete – und es gibt immer mehr Rehe, Hasen und Wildschweine. Obwohl der Jägerverband gerade gegen Letztere „arbeitet“. Heuer meldete der Bayerische Jagdverband eine neue Rekordzahl von 66.000 erlegten Wildsauen – so vielen wie nie zuvor. „Den Wildschweinen geht’s zu gut“, sagen die Jäger. Es werde immer mehr Mais angebaut, und in Wäldern werden immer mehr Buchen gepflanzt: das perfekte Fressen für die Säue. „Aber auch die Klimaerwärmung hilft dem Bestand, sich zu vermehren.“ Je wärmer es ist und umso mehr Futter es gibt, umso mehr Frischlinge kommen durch. Und: Außer dem Menschen und seinen Autos hat das Schwarzwild keinen natürlichen Feind mehr.

Achtung zwischen 5 und 8 Uhr und zwischen 17 und 24 Uhr

Die Experten gehen davon aus, dass sich die Tiere – ähnlich wie bei der Reh-Population – in den kommenden Monaten weiter extrem vermehren werden. „Wir müssen handeln, sonst laufen bald auf jeder Straße im Stundenrhythmus irgendwelche Tiere rum“, so die Experten. Das sei weder im Sinn der Tiere noch in dem der Menschen.

Aber nicht nur die großen Wildtiere können zur Gefahr für die Verkehrsteilnehmer werden: Ein Autofahrer wich am Montag in Winterrieden (Unterallgäu) einem Bussard aus und raste frontal in einen anderen Wagen. Die Fahrerin (45) des gerammten Autos auf der Gegenfahrbahn wurde lebensbedrohlich verletzt, der 44-Jährige schwer. Der Bussard verendete.

Übrigens: Die meisten Wildunfälle passieren morgens zwischen 5 und 8 Uhr sowie abends zwischen 17 und 24 Uhr, Also, vorsichtig fahren!

So verhalten Sie sich richtig

In der dunklen Jahreszeit häufen sich die Wildunfälle. Gegen Abend, wenn die Autofahrer auf dem Heimweg sind, kreuzen sich die Wege von Mensch und Tier – und das oft mit schlimmen Folgen.

Ein Reh liegt nach einem Unfall am Straßenrand

Doch was tun, wenn plötzlich ein Reh auf der Straße steht? „Auf keinen Fall versuchen auszuweichen“, sagt Katharina Luca, Sprecherin des ADAC. Die Gefahr, ins Schlingern zu geraten und einen Unfall zu bauen, sei zu groß. Lieber versuchen abzubremsen und „im Notfall einfach draufhalten“. Denn: „Ein Reh oder Wildschwein ist nicht so gefährlich wie ein Baum.“ Wichtig sei aber auch, dass Autofahrer in der Zeit des Wildwechsels angepasster fahren. „Autofahrer sollten Abstand zum Vordermann halten“, so die ADAC-Sprecherin. Kreuzt ein Tier die Straße, könne man sicher sein, dass weitere nachfolgen.

Rammt ein Auto ein Wildtier, muss die Unfallstelle abgesichert und die Polizei gerufen werden. „Sie kümmert sich um den Kontakt zum Jäger.“ Mitnehmen sei keine Option: „Das ist Wilderei.“

tz

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