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Der Gesetzgeber fordert mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe. Das ist viel zu wenig, sagen Experten. Der ADAC rät zu mindestens vier Millimeter. Auch bei genügend Profil sollten Winterreifen nach sechs Jahren ausrangiert werden.

Die wichtigsten Fragen

Was Sie zu Winterreifen wissen sollten

München - Es ist höchste Zeit: Spätestens wenn Schnee auf der Fahrbahn liegt und Glätte droht, gehören Winterreifen ans Auto. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wann braucht man Winterreifen? Von Oktober bis Ostern, sagt eine Faustformel. Unsinn. Ostern variiert und nach einem Termin im März muss immer noch mit winterlichen Verhältnissen gerechnet werden. Unter sieben Grad, besagt eine weitere Regel, über die auch ausgewiesene Experten streiten. Doch ob sinnvoll oder nicht: Wer sich an die Regel hält, wird kaum von einem plötzlichen Wintereinbruch überrascht und von den dann drohenden Wartezeiten in der Werkstatt. Doch für beide Regeln ist es jetzt ohnehin zu spät.

Hier die wichtigsten Antworten zum Thema Winterreifen.

-Wann herrscht Winterreifenpflicht?

Rechtlich ist die Sache eindeutig: „Seit Dezember 2010 schreibt die Straßenverkehrsordnung Winterreifen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte vor. Bei derartigen Witterungsverhältnissen darf mit einem Kraftfahrzeug ohne Winterreifen nicht im öffentlichen Straßenverkehr gefahren werden.“ So formuliert es die bayerische Polizei.

-Was sind eigentlich Winterreifen?

Einen nach der Straßenverkehrsordnung vorgeschriebenen Winterreifen erkennt man laut der Initiative Pro Winterreifen an der M+S-Kennung (Matsch und Schnee) und dem Schneeflockensymbol und an den Lamellen – feinen, zickzackförmigen Einschnitten in den Profilblöcken – auf der gesamten Lauffläche bis in die Reifenschulter. Ein solches Winterprofil gewährleistet auch auf glatten und verschneiten Straßen guten Grip.

-Kann man nicht auch Ganzjahresreifen nehmen?

Ganzjahresreifen haben in der Regel weniger Lamellen sowie eine andere Laufflächenmischung und sind allenfalls ein Kompromiss. Allerdings hält ihn die Gesellschaft für technische Überwachung GTÜ für „eine sinnvolle Alternative für Wenigfahrer, die sich die Wechselarie sparen wollen“.

-Brauchen alle Fahrzeuge Winterreifen?

Für Lkw über 3,5 Tonnen und für Omnibusse mit mehr als acht Sitzplätzen sind Winterreifen nur auf den Antriebsachsen vorgeschrieben. Hintergrund: Die Reifen an den übrigen Achsen haben aufgrund von erhöhten Naturkautschukanteilen bessere Haftungseigenschaften als Pkw-Sommerreifen und sind dadurch grundsätzlich für den Ganzjahreseinsatz geeignet.

Land- und forstwirtschaftliche Nutzfahrzeuge sind ebenfalls ausgenommen, da ihre Bereifung aufgrund des grobstolligen Profils bei winterlichen Wetterverhältnissen ausreichend Sicherheit bietet.

Dagegen müssen auch Motorräder und Roller mit Winterreifen ausgerüstet sein. Es gibt aber keine ausgewiesenen M & S-Reifen für Motorräder. Der ADAC geht unter Berufung auf eine Verlautbarung des Bundesverkehrsministeriums davon aus, dass fast alle Enduro-Reifen fürs Gelände als Winterreifen anzusehen sind.

-Was passiert, wenn man im Winter ohne Winterreifen kontrolliert wird?

Auf die Jahreszeit kommt es nicht an. Wer ein Kraftfahrzeug bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte verbotswidrig ohne Winterreifen fährt, dem drohen mindestens 40 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Behindert man andere, sind es 80 Euro, gefährdet man andere 100 Euro und, kommt es zu einem Unfall, 120 Euro.

-Wie steht es mit dem Versicherungsschutz?

Wer mit Sommerreifen am Auto in Schneetreiben oder auf Glatteis gerät und einen Unfall verursacht, verliert zwar nicht seinen Kfz-Haftpflichtschutz. Allerdings kann die Kaskoversicherung Abstriche bei der Regulierung von Schäden am eigenen Wagen machen. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hin. Hätte der Unfallverursacher vor dem Start oder während der Fahrt erkennen müssen, dass Sommerreifen angesichts der Straßenverhältnisse völlig ungeeignet sind, könne die Versicherungsleistung der Kasko gekürzt werden.

-Wie lagert man im Winter die Sommerreifen?

Vor dem Abmontieren mit Kreide kennzeichnen („VR“ für „vorn rechts“, „HL“ für „hinten links“), rät der ADAC. Den Reifendruck vor dem Einlagern um 0,5 bar erhöhen. Denn: Die Reifen verlieren Luft. Werden sie im Frühling wieder aktiviert, haben sie ausreichend Druck, um bis zur Tankstelle zu kommen. Reifen auf Felgen sollten übereinander liegend gestapelt oder einzeln an speziellen Wandhaken aufgehängt werden. Reifen ohne Felgen müssen senkrecht, auf einem trockenen, nicht mit Öl oder Benzin verschmutzten Boden stehen.

Von Martin Prem

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