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Alptraum der Urlauber

Die 10 größten Staumacher auf deutschen Autobahnen

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München - Nervige Staus sind oft überflüssig. ADAC-Experte Jürgen Berlitz erklärt uns, was die zehn größten Verursacher sind und wie Autofahrer sie vermeiden.

1. Die Rettungsgasse funktioniert nicht

Zur Rettungsgasse gibt es eine erste Regel, das ist die wichtigste: „Man muss sie bilden“, sagt Jürgen Berlitz, Stau-Experte beim ADAC. Autofahrer, die bei einem Stau den Weg nicht freimachen für Rettungskräfte, können sogar bestraft werden – mit 20 Euro. Bloß: Die Polizei hat bei einem Unfall meist wichtigere Dinge zu tun, als ignoranten Stehenbleibern einen Strafzettel auszustellen. Deshalb gibt es laut ADAC auch keine Zahlen, wie häufig die Rettungsgasse nicht funktioniert. Fakt ist: Es kommt immer wieder vor, dass Retter behindert werden, vor einer Woche erst nach einem Unfall auf der A 99 bei Unterföhring. Ein dreister Fall ereignete sich Mitte der Woche auf der A 3 bei Waldaschaff: Ein Autofahrer ist der Feuerwehr, die auf dem Weg zu einem Unfall war, durch die Rettungsgasse gefolgt.

Die zweite Regel: Berlitz appelliert an die Autofahrer, die Rettungsgasse zu bilden, solange der Verkehr noch fließt. „Wenn alles steht, wird es schwer.“ Und so geht sie: Bei zweispurigen Autobahnen verläuft sie in der Mitte, bei dreispurigen zwischen der linken und der mittleren Spur. Da die meisten Autofahrer die Rettungsgasse auflösen, sobald das Blaulicht durch ist, kriegen Abschlepp-Lastwagen ein Problem. Berlitz rät, die Gasse offen zu lassen, bis der Stau sich auflöst. „Auch im eigenen Interesse: So wird die Unfallstelle schneller geräumt.“

2. Ablenkung durch Sehenswürdigkeiten

Wer auf der A 8 am Chiemsee entlang fährt, kennt das: Zwischen den Ausfahrten Bernau und Übersee verlangsamen die Autofahrer plötzlich ihr Tempo – oder treten gleich kräftig auf die Bremse. Sie und ihre Mitfahrer wollen dann einen Blick auf den See, die Herreninsel erhaschen. Ähnliches geschieht manchmal auf der Garmischer Autobahn A 95 in Richtung Süden: Sobald der Gipfel der Zugspitze hinter einer Kuppe auftaucht, leuchten die Bremslichter auf. Ist das Verkehrsaufkommen hoch, kann so schnell ein Stau oder zumindest zähfließender Verkehr entstehen.

Stau-Experte Berlitz bittet die Autofahrer um umsichtiges Verhalten, sagt aber auch: „Man will ja nicht, dass die ganze Autobahn abgeschirmt ist.“ Monotonie würde müde machen. Tipp: Am Chiemsee (Fahrtrichtung München) gibt es eigens eine kilometerlange Spur mit Parkplätzen parallel zur Autobahn.

3. Rumtipperei auf Handy und Navi

Viel gravierender und unfallträchtiger ist laut Berlitz die Gefahr durch das Benutzen von Handys und Navis während der Fahrt. Immer öfter passieren Unfälle, bei denen die Polizei den Verdacht hat, dass die Fahrer Nachrichten gelesen oder getippt haben. Dabei ist die Gesetzeslage klar. Das Benutzen eines Telefons – egal, ob getippt oder telefoniert wird – ist verboten und kostet 40 Euro und einen Punkt. Beim Lesen oder Schreiben ist die Ablenkung noch größer als beim Telefonieren. Wer bei 50 Kilometern pro Stunde zwei Sekunden auf ein Display sieht, fährt in der Zeit knapp 30 Meter weit. Bei 100 Stundenkilometern sind es knapp 60 Meter ohne direkte Sicht auf die Straße.

Selbst wenn kein schlimmer Unfall passiert, sondern nur ein kleiner Auffahrunfall: Ein Stau ist schnell verursacht. Berlitz sagt: Finger weg vom Handy – und das Navi nur im Stand bedienen.

4. Staus durch neugierige Gaffer

„Gafferstaus gibt es schon immer“, sagt ADAC-Experte Berlitz. „Die Leute sind neugierig – das ist menschlich.“ Weil inzwischen aber fast jeder ein Handy mit Foto- oder Video-Funktion besitzt, kommt es immer wieder vor, dass Fahrer bei einem Unfall auf der anderen Fahrbahnseite extra langsam fahren – und so ohne Not lange Staus verursachen. Berlitz appelliert an das Gewissen des Gaffers: „Wie würde er es empfinden, wenn er das Unfallopfer wäre, und andere Leute filmen seine Rettung?“

5. Wenn der Reißverschluss hakt

Das Problem am sogenannten Reißverschluss-Verfahren: Viele Autofahrer verstehen es nicht. Dabei ist das Prinzip einfach. Wird die Zahl der Fahrspuren wegen einer Baustelle reduziert, fahren die Verkehrsteilnehmer so lange wie möglich auf beiden Spuren. „Stauraum ausnutzen“, nennt Experte Berlitz das. Erst ganz kurz vor dem Ende der gesperrten Fahrbahn ordnen sich die Autofahrer abwechselnd ein. Zauberwort: abwechselnd! Viele, so Berlitz, fahren extra früh auf die verbleibende Spur und ärgern sich über die, die bis zur Sperrung vorfahren und dann einscheren möchten. „Manche empfinden das als ungerecht“, sagt der Experte. Aber genau so soll es laufen. Genau so entstehen am wenigsten Staus.

6. Stau-Umfahrer, die neue Staus erzeugen

Staumacher Nummer 6 betrifft vor allem die Landstraßen, auf die der Verkehr ausweicht, wenn die Autobahn dicht ist. Aber bringt eine Umfahrung was? ADAC-Mann Berlitz sagt: „Man kann es selber einfach nicht beurteilen – man weiß ja oft nicht, was jetzt die bessere Alternative war.“ Tests hätten ergeben, dass es sich in der Regel nicht lohnt, von der Autobahn abzufahren – vor allem nicht, wenn man sich in der Umgebung nicht richtig gut auskennt. Ampeln, langsame Traktoren, Radlfahrer und andere Stau-Umfahrer kosten auch Nerven.

Die Navigationsgeräte haben vieles leichter gemacht. Denn sie zeigen in der Regel an, wie lange man für Ausweichstrecken braucht. Ein hohes Verkehrsaufkommen auf den Nebenstrecken wird meistens eingerechnet. Bleibt ein Restrisiko: „Es kommt darauf an, wie viele die gleiche Idee haben“, sagt Berlitz. Bei Vollsperrungen, zum Beispiel bei Lkw-Havarien, rät er in jedem Fall zur Umfahrung.

7. Die falsche Reisezeit

Eigentlich ist es banal: Die beste Zeit, auf der Autobahn unterwegs zu sein, ist die, wenn nichts los ist. In der Ferienzeit ist das gar nicht so einfach: Der Bettenwechsel findet traditionell immer noch am Samstag statt – und deshalb ballt sich der Verkehr an den Wochenenden. Früher galt der Sonntag als der entspanntere Tag, weshalb viele Urlauber zum Beispiel auf der Heimreise von Süd nach Nord noch einen Zwischenstopp und eine Übernachtung auf halber Strecke einlegten. Aber weil immer mehr Leute auch übers Wochenende an den Gardasee oder nach Südtirol düsen, ist der Sonntag inzwischen auch ein Stau-Tag. Dazu kommen bei gutem Wetter die Tagesausflügler, die auf den oberbayerischen Autobahnen unterwegs sind.

Wer aber nun mal am Wochenende fahren muss: Die Frage nach der besten Uhrzeit ist nicht leicht zu beantworten. „Vor dem großen Schwung“, sagt ADAC-Experte Berlitz. Grob geschätzt sollte man auf der Fahrt in den Süden noch vor 7 Uhr die Grenze zu Österreich passiert haben. Wer bei bestem Ausflugswetter am Samstagvormittag auf der Garmischer Autobahn unterwegs ist und sich über den Stau in Oberau wundert, der ist ein bisserl selbst schuld.

8. Linksfahrer und Spurblockierer

Jeder mit Führerschein weiß, dass auf deutschen Straßen das Rechtsfahrgebot herrscht. „Es gibt keinen Grund, unnötig lange auf der linken Spur zu bleiben“, sagt Experte Berlitz. Denn das erhöht die Aggressivität bei denen, die schneller unterwegs sind – und verursacht nicht selten unnötige Auffahrunfälle, die Ärger und Staus nach sich ziehen. Berlitz appelliert an die langsameren Verkehrsteilnehmer: „Man sollte nicht versuchen, die schnelleren Autofahrer zu erziehen.“ Manche blieben gerade mit Fleiß auf ihrer Spur. Zugleich gelte, dass dichtes Auffahren und eine Dauer-Lichthupe keine probaten Mittel seien, um die Spurblockierer zu vertreiben.

9. Lastwagen und Elefantenrennen

Wer aus dem Süden heimfährt und auf der A 8 am Irschenberg hinter Lastwagen hinterherzockelt, die sich bergauf ein Elefantenrennen liefern, der wird schon mal ungeduldig. Aber eigentlich sind Lkw in der Ferienzeit nur nachrangige Staumacher: Vom 1. Juli bis zum 31. August beschränkt das Bundesverkehrsministerium den Lastwagenverkehr in ganz Deutschland: Zusätzlich zum Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen gilt dieses in dem Zeitraum auch für alle Samstage (7 bis 20 Uhr).

10. Zu breite SUVs im Baustellenbereich

Zu einem immer größeren Problem entwickeln sich die Geländewagen auf den Autobahnen, sogenannte SUVs. Die – und viele der neuen Limousinen – sind breiter als die verengten Baustellen-Fahrbahnen: Die linke Spur ist in der Regel maximal 2,10 Meter breit. ADAC-Experte Berlitz rät, sich beim Kauf eines neuen Autos über die Breite zu informieren. Achtung: Im Fahrzeugschein sind Maße ohne die Spiegel angegeben. Wer mit einem zu breiten Auto auf einer zu schmalen Spur unterwegs ist und erwischt wird, zahlt 20 Euro. Löst er deshalb einen Unfall aus, muss er 35 Euro berappen. Idealerweise, so Berlitz, sind bei verengten Spuren alle Fahrzeuge gleich schnell unterwegs. Auch überhöhte Geschwindigkeit in der Baustellenzufahrt löst Unfälle aus – und Staus.

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